# taz.de -- Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: Lockdown im Kreis Gütersloh
       
       > Armin Laschet (CDU) hat für den Kreis Gütersloh einen Lockdown verhängt.
       > Dem Fleischverarbeiter Tönnies wirft er mangelnde
       > Kooperationsbereitschaft vor.
       
 (IMG) Bild: Testkapazitäten sollen für die Region massiv ausgeweitet werden
       
       Gütersloh/Düsseldorf dpa | Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter
       Tönnies [1][schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis
       Gütersloh massiv ein]. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis
       wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen
       zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten, sagte
       NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Im
       Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher „größte Infektionsgeschehen“
       in NRW und in Deutschland.
       
       Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter
       Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen
       Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr als 1.550 Beschäftigte nachweislich mit
       dem Coronavirus infiziert. Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche.
       
       Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das
       Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten,
       ausgebreitet habe, sagte Laschet. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene
       Infektionen. Die Behörden werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv
       ausweiten, betonte der Regierungschef.
       
       Rund 7.000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien [2][seit einigen Tagen
       unter Quarantäne]. Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich
       aber schwierig. Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe drei
       Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, sagte
       Laschet.
       
       ## Schulen und Kitas waren bereits geschlossen worden
       
       Die Polizisten sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies
       kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not
       müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde
       auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen
       geben.
       
       Laschet warf dem Branchenriesen außerdem mangelnde Kooperationsbereitschaft
       vor. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter
       von Tönnies durchgesetzt. „Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde
       verfügt“, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf.
       
       Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies „hätte größer sein können“. Dass
       das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus
       Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die
       Daten der Beschäftigten zu übermitteln, sagte Laschet.
       
       Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren
       bereits geschlossen worden. Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem
       ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden. Auch im Kreis
       Warendorf werde es Einschränkungen geben.
       
       23 Jun 2020
       
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