# taz.de -- Studie zu Akzeptanz von Technologie: Gib's uns nachhaltig
       
       > Der „TechnikRadar“ misst die Einstellungen der Bevölkerung zu
       > technologischen Erneuerungen. Dieses Jahr ging es um die Bioökonomie.
       
 (IMG) Bild: Einige haben die Vorteile der Digitalisierung schätzen gelernt
       
       Berlin taz | Das regierungsamtliche [1][Wissenschaftsjahr 2020 zum Thema
       Bioökonomie] könnte als Rohrkrepierer enden. Mit der Coronapandemie hat
       sich ungeplant ein inoffizielles Wissenschaftsjahr zur Virusforschung und
       Epidemiologie auf die Agenda geschoben. Öffentliche Kommunikation und
       gesellschaftliches Interesse sind voll auf den wissenschaftlichen
       Abwehrkampf gegen den tödlichen Covid-19-Erreger fokussiert.
       
       So liegt denn auch der neueste TechnikRadar zum Schwerpunktthema
       Bioökonomie, den die Akademie für Technikwissenschaften Acatech und die
       Hamburger Körber-Stiftung jetzt vorgelegt haben, quer zum herrschenden
       Wahrnehmungstrend. Der [2][TechnikRadar, mit dem Untertitel „Was die
       Deutschen über Technik denken“,] erfasst in einer groß angelegten
       demoskopischen Befragung, wie die deutsche Bevölkerung zum technischen
       Fortschritt und einzelnen Technologien steht. [3][Vor einem Jahr ging es um
       die Digitalisierung].
       
       Die Bioökonomie will die natürlichen Ressourcen in der Wirtschaft auf eine
       nachhaltige Weise nutzen. „Kreislaufwirtschaft“ lautet das übergreifende
       Stichwort. Die Mehrheit der Deutschen findet diese Ökotechniken gut. 88,4
       Prozent der Befragten hält es etwa für sinnvoll, herkömmliches Plastik
       durch Kunststoffe auf biologischer Grundlage zu ersetzen. Dass es dadurch
       auch zu Nachteilen für die Umwelt kommen kann, ist den Bürgern bewusst.
       
       „Durch den Anbau der hierfür erforderlichen Rohstoffe erwartet mehr als die
       Hälfte der Befragten (64,2 Prozent) massive Auswirkungen auf das
       Landschaftsbild, Monokulturen (62,6 Prozent) und den vermehrten Einsatz von
       gentechnisch veränderten Pflanzen (61,1 Prozent)“, hat die Acatech-Studie
       ermittelt. Gewünscht wird das nicht. Denn zum Konfliktpunkt „Grüne
       Gentechnik“, bei der die Erbsubstanz der Pflanzen im Labor manipuliert
       wird, sind die Deutschen mit 57,5 Prozent Ablehnung weiterhin mehrheitlich
       negativ eingestellt.
       
       Generell finden 70,2 Prozent der befragten Bundesbürger, Deutschland sollte
       beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen. Dass der Umweltschutz eine
       Einschränkung des Konsums erfordert, meinen sogar 74,4 Prozent der
       Befragten. Aber nur 40 Prozent sind etwa in der Ernährung zum
       Fleischverzicht bereit, um eine andere Art der Tierhaltung zu unterstützen.
       
       ## Debatte auf Augenhöhe
       
       „Wir sehen, dass nachhaltiges Wirtschaften den Deutschen grundsätzlich ein
       wichtiges Anliegen ist“, kommentiert Tatjana König, Mitglied im Vorstand
       der Körber-Stiftung, die Befunde. Weniger eindeutig sei das Bild, wenn es
       um die politische Umsetzung oder persönliche Konsequenzen geht.
       
       „Dass eine Meinungsbildung zur Bioökonomie noch am Anfang steht“, bietet
       nach Meinung Königs auch „die Chance, die Menschen mitzunehmen, um die
       enormen Potenziale, aber auch mögliche Nebenwirkungen“ in der Gesellschaft
       zu diskutieren und zu verhandeln. Tatjana König: „Dafür brauchen wir mehr
       Wissensvermittlung, aber auch eine Debatte auf Augenhöhe mit denen, die
       diese Technologien entwickeln.“
       
       Dass die Befragung der 2.000 repräsentativ ausgesuchten Bürger schon im
       August 2019 stattfand und erst jetzt veröffentlicht wurde, schmälert aus
       Sicht von Mit-Autor Ortwin Renn nicht die Substanz der Befunde. „Die
       Einstellungen zum Thema Bioökonomie werden sich im Verlauf der Coronakrise
       weniger stark wandeln“, erwartet der Direktor des Potsdamer
       Nachhaltigkeitsinstituts IASS, um hinzuzufügen: „In Bezug auf andere
       Technikthemen gilt das Gegenteil.“
       
       So hätten in der aktuellen Situation viele Menschen beispielsweise die
       Möglichkeiten der Digitalisierung noch mehr zu schätzen gelernt. Die 2018
       festgestellte deutliche Distanz zur Digitalisierung weicht einer
       verstärkten Nutzung. Das aktuell zu erfragen, wäre das wirklich spannende
       TechnikRadar für dieses Jahr gewesen. Das Wissenschaftsbarometer von
       Wissenschaft im Dialog hat im April eine solche Umfrage hinbekommen, die
       eine massiv gestiegene Wissenschaftsakzeptanz in der deutschen Bevölkerung
       messen konnte.
       
       6 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wissenschaftsjahr-2020-/!5653702
 (DIR) [2] https://www.koerber-stiftung.de/technikradar
 (DIR) [3] https://www.acatech.de/publikation/technikradar-2019/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manfred Ronzheimer
       
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