# taz.de -- „Rasse“ im Grundgesetz: Eine rassistische Debatte
       
       > Die Grünen fordern, „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu entfernen, nicht alle
       > sind einverstanden. Beschämend, dass wir darüber debattieren müssen.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen Rassismus, kommt jetzt beim Grundgesetz an: Demonstration in Dortmund am 6. Juni
       
       Es könnten zwei so wichtige Sätze sein: „Niemand darf wegen seines
       Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner
       Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen
       Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner
       Behinderung benachteiligt werden.“ Eigentlich, würde da nicht das Wort
       [1][„Rasse“ im dritten Artikel des deutschen Grundgesetzes stehen].
       
       Es ist beschämend, es überhaupt schreiben zu müssen, aber: Es gibt keine
       „Menschenrassen“! Jahrhundertelang wurden Menschen in gute und schlechte
       unterteilt, das soziale Konstrukt von Rassifizierung galt als Legitimation
       für die Sklaverei oder den Kolonialismus, Nazis benutzten es, um Millionen
       Juden zu ermorden.
       
       Dutzende Male ist der Text des Grundgesetzes in den letzten Jahrzehnten
       verändert worden, doch das Wort „Rasse“ hat jede Änderung überlebt. [2][Die
       Grünen wollen das nun – endlich – ändern]. Darüber entspinnt sich jetzt
       jedoch eine Debatte. Eine Debatte, die wie das debattierte Wort selbst von
       rassistischem Denken geprägt ist.
       
       Viele Politiker:innen haben sich der Forderung nach Streichung des Begriffs
       angeschlossen. Kritik daran kommt aber nicht nur von den Braunen. Auch
       SPD-Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ist dagegen: „Rasse“ sei
       heute als sprachlicher Anknüpfungspunkt für Rassismus für alle
       verständlich. Innenminister Horst Seehofer befürchtet „Missverständnisse“,
       wenn der Begriff gestrichen werde. Und der verbraucherpolitische Sprecher
       der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Jan-Marco Luczak, sagt, gerade weil der
       Begriff nicht „wissenschaftlich korrekt“ sei, sei er besonders wirkkräftig.
       
       Scheinargumente, mit denen rassistisches Wording erhalten bleiben soll.
       Dabei gebe es passendere Formulierungen, wie „rassistische
       Diskriminierung“. Statt langer Debatten, sollte der Begriff sofort
       gestrichen und ersetzt werden. Und zwar nicht nur im Grundgesetz, sondern
       auch im Antidiskriminierungsgesetz, im Strafgesetzbuch und im allgemeinen
       Sprachgebrauch.
       
       Wie verbreitet das rassistische Wording trotz allem ist, zeigt ein Blick in
       Berichte der vergangenen Tage: Die FAZ, der Tagesspiegel oder auch die Welt
       schreiben von [3][„Rassenunruhen“ in den USA.] Einerseits eine schlechte
       Übersetzung von „race riots“, anderseits die Fortschreibung des
       rassistischen Konzepts von „Rassen“. Dabei ist es so einfach:
       antirassistischer Protest!
       
       12 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Diskriminierungen-bekaempfen/!5176134
 (DIR) [2] /Aktionsplan-gegen-Rassismus/!5668009
 (DIR) [3] /Sprache-und-Rassismus/!5034049
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Carolina Schwarz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Grundgesetz
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) taz Plan
 (DIR) Anti-Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Kolumne Der rote Faden
 (DIR) Black Lives Matter
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Begriff „Rasse“ im Grundgesetz muss weg: Rassismus verbieten, aber wie?
       
       Der falsche Begriff „Rasse“ soll aus dem Grundgesetz verschwinden. Die
       Suche nach einer sinnvollen Alternative dauert jedoch an.
       
 (DIR) Antifaschismus in Berlin: Gegen den Sturm
       
       Wer der Rechtsdrift widerstehen will, muss sich bestimmt und aktiv damit
       auseinandersetzen. Hier einige Gelegenheiten.
       
 (DIR) Vorstoß gegen „Rasse“ im Grundgesetz: Warum die Grünen falsch liegen
       
       Die Grünen fordern das Wort „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen und zu
       ersetzen. Doch die Folgen dieses Vorschlags wären fatal.
       
 (DIR) Debatte um den „Rasse“-Begriff: NS-Relikte raus aus den Gesetzen!
       
       Die Union tut sich schwer, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu
       streichen. Auch im StGB gibt es an einigen Stellen Überarbeitungsbedarf.
       
 (DIR) Debatte um den Begriff der „Rasse“: Seehofer und der Weltgeist
       
       Wer Rassismus Fremdenfeindlichkeit nennt, reproduziert, was er angeblich
       neutral beschreiben will. Sogar der Innenminister hat dazugelernt.
       
 (DIR) BLM- und Anti-BLM-Proteste in London: Keine Gemeinsamkeiten
       
       Im Hyde-Park demonstrierten am Samstag Hunderte gegen rassistische
       Polizeigewalt. Rechtsextreme versammelten sich nahe des Parlaments um
       historische Statuen.
       
 (DIR) Aktionsplan gegen Rassismus: Grüne wollen „Rasse“ streichen
       
       Grundgesetzänderung, virtuelle Polizeiwache, mehr Rechte für MigrantInnen:
       Die Grünen legen nach Hanau einen Aktionsplan vor.
       
 (DIR) Sprache und Rassismus: Reden wir endlich über „Räiß“!
       
       Kann man von „Rassenunruhen“ in Ferguson sprechen? Die Ereignisse dort
       haben offengelegt, wie ungehobelt die deutsche Sprache ist.
       
 (DIR) Diskriminierungen bekämpfen: Institut will "Rasse" tilgen
       
       Das Deutsche Institut für Menschenrechte will den Begriff "Rasse" aus
       deutschen Rechtsvorschriften streichen. Auch der Kampf gegen Rassismus
       müsse ohne ihn auskommen.