# taz.de -- Erste Schulen öffnen trotz Corona wieder: Unterricht mit Mundschutz und Seife
       
       > Schwarz-Gelb hat in Nordrhein-Westfalen eine schnelle Öffnung der Schulen
       > durchgedrückt – trotz massiver Proteste.
       
 (IMG) Bild: Die neue Normalität an den Schulen
       
       Bochum taz | Christiane Künhaupt, Vize-Schulleiterin des
       Elly-Heuss-Knapp-Berufskollegs in Düsseldorf, hat vier Tage voller Stress
       und Angst hinter sich. „Ich habe schlecht geschlafen“, erzählt die
       52-Jährige am ersten Tag der vorsichtigen Schulöffnungen in
       Nordrhein-Westfalen. 3.000 Schüler*innen hat das Kolleg, das 42
       Bildungsgänge bis zum Abitur anbietet. Am Donnerstag geladen waren rund
       500, für die in wenigen Wochen Prüfungen anstehen. „Von denen sind 75 bis
       80 Prozent da“, schätzt Künhaupt am Donnerstagmorgen – ich hätte mit
       weniger gerechnet.“
       
       Viele Jugendliche haben dieselben Sorgen wie die stellvertretende
       Schulleiterin selbst: Wie groß ist das Infektionsrisiko, wenn nach
       sechseinhalb Wochen Corona-Isolation und Fernuntericht die Schule wieder
       beginnt? Können Abstandsregeln eingehalten, Ansteckungen vermieden werden?
       „Besonders vor der U-Bahn gab es sehr viel Angst“, sagt Künhaupt.
       
       Das Berufskolleg hat deshalb vorgesorgt. Nur mit Maske darf die Schule
       betreten werden, hat das Lehrer*innenkollegium beschlossen. „Wir bilden
       auch Maßschneiderinnen und Maßschneider aus, haben deshalb viele
       Nähmaschinen“, erklärt Katja Frech, Lehrerin für Deutsch und Gestaltung.
       360 Masken haben die Schüler*innen zum Selbstschutz genäht.
       
       Das Kolleg ist damit plötzlich Vorreiter: Am Mittwoch hat
       Nordrhein-Westfalens schwarz-gelbe Landesregierung auf Druck der
       Öffentlichkeit und von Virolog*innen eine Maskenpflicht verkündet, die ab
       kommenden Montag auch in öffentlichen Gebäuden gelten soll. „Am späten
       Mittwochnachmittag sind dann auf einmal 2.000 Masken bei uns angekommen“,
       sagt Vize-Schulchefin Künhaupt. Noch am Dienstag habe sie die Lage dagegen
       als „katastrophal“ eingeschätzt – selbst Seifenspender und Handtuchhalter,
       Voraussetzung für die von FDP-Landesschulministerin Yvonne Gebauer
       angemahnten Hygieneregeln, hätten da noch gefehlt.
       
       ## Schnell zurück zur Normalität
       
       Gebauer und CDU-Ministerpräsident Armin Laschet haben die [1][Schulen unter
       massiven Zeitdruck gestellt]. Laschet will im Kampf um die
       Kanzlerkandidatur schnellstmöglich zurück zu einer „verantwortungsvollen
       Normalität“. Und Gebauer folgt ihrem Bundesparteichef Christian Lindner,
       der für ein schnelles Ende der Coronabeschränkungen trommelt. Von der
       Verabredung der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel, die Schulen erst
       am 4. Mai wieder zu öffnen, wollten deshalb beide nichts wissen. Gebauer
       verkündete am Samstagabend per Mail, dass es ab Donnerstag wieder losgeht.
       
       Heftige Kritik kam vom Städtetag. Für Corona-Schutzstandards bräuchten die
       Schulträger mindestens eine Woche, polterte der CDU-Vorsitzende des
       NRW-Städtetages, Thomas Hunsteger-Petermann.
       
       Aber auch Lehrer*innenverbände und die Opposition sind skeptisch. Im
       Internet kursieren Aufrufe zum Schulboykott. „Wut und Frust“ herrsche an
       den Schulen angesichts fehlenden Gesundheitsschutzes, sagt etwa Maike
       Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft GEW. Von „mangelhafter Vorbereitung“
       spricht die SPD – offenbar sind längst nicht alle Schulen mit Seife und
       Desinfektion ausgestattet.
       
       ## Zweifel bleiben
       
       „Wir riskieren steigende Infektionszahlen“, warnt etwa Sigrid Beer,
       schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Abschlüsse sollten auf
       Basis der bisherigen Durchschnittsnoten vergeben werden, fordert Beer
       deshalb – schließlich gehörten auch viele Lehrer*innen zur Risikogruppe.
       
       „25 Prozent unserer Lehrerinnen und Lehrer werden aus gesundheitlichen
       Gründen ausfallen“, schätzt auch Christiane Künhaupt. Zwar sei sie
       „superglücklich“, dass der erste Schultag gut gelaufen sei: „Alle waren
       sehr diszipliniert.“
       
       Wie ein regulärer Unterricht ab dem 4. Mai aussehen soll, stehe aber in den
       Sternen: Dann tauchen statt 350 wieder 2.000 Schüler*innen auf. Und die
       Klassen müssten auch noch geteilt werden, um den Corona-Abstandsregeln zu
       genügen, rechnet Künhaupt vor. „Ob wir die massive Mehrarbeit schaffen“,
       sagt die Vize-Schulleiterin, „weiß ich nicht.“
       
       23 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
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