# taz.de -- Europa und der Exit aus dem Lockdown: Von der Leyens Leiden
       
       > Für einen Corona-Exit braucht es Tests, Schutzkleidung, Masken. Die EU
       > war nicht in der Lage, diese zu beschaffen.
       
 (IMG) Bild: Ein geregelter Ausstieg gelingt nicht ohne Schutzkleidung für alle
       
       Ursula von der Leyen ist wahrlich nicht zu beneiden. Was auch immer die
       deutsche EU-Präsidentin in der Coronakrise macht, es greift zu kurz und es
       kommt zu spät. Schon vor Ostern wollte die CDU-Politikerin ihre Strategie
       für [1][den geordneten, EU-weiten Ausstieg aus Kontaktsperren] und
       Grenzschließungen vorlegen. Doch sie wurde zurückgepfiffen, vor allem von
       Frankreich.
       
       Nun liegen die Empfehlungen endlich auf dem Tisch. Sie klingen vernünftig:
       Jeder Ausstieg aus den Schutzmaßnahmen soll wohl überlegt und gut
       abgestimmt sein, vor allem mit den europäischen Nachbarn. Doch just in dem
       Moment, da von der Leyen ihren Plan vorstellte, preschte Deutschland vor –
       und verlängerte die nationalen Grenzkontrollen um 20 Tage.
       
       Auch sonst kann von einem koordinierten Ausstieg keine Rede sein.
       Österreich und Dänemark sind schon vorausgeeilt. Beide Länder haben bereits
       am Dienstag ihren [2][„Exit“] begonnen – ohne auf die EU zu warten. Auch
       die Landesregierung von NRW [3][nimmt keine Rücksicht auf von der Leyen].
       Ministerpräsident Armin Laschet trommelt seit Tagen für schnelle
       Lockerungen.
       
       Das eigentliche Versagen der europäischen Antikrisenpolitik liegt aber
       woanders: Es fehlt an einheitlichen oder wenigstens vergleichbaren
       Kriterien für den „Exit“. Und es fehlt an den notwendigen Vorkehrungen –
       also Tests, Masken und Schutzkleidung. Die EU war nicht in der Lage, das
       für einen geordneten Ausstieg dringend benötigte Material zu beschaffen.
       
       ## Streng genommen dürfte Deutschland keinen „Exit“ planen
       
       Nicht einmal die Tests, die die Weltgesundheitsorganisation seit Wochen
       fordert, sind in ausreichender Zahl vorhanden. Nicht einmal Deutschland ist
       in der Lage, genug Menschen zu testen, um sich einen Überblick über die
       Corona-Lage zu verschaffen. Nicht einmal das größte und bisher im Kampf
       gegen Covid-19 erfolgreichste EU-Land kann die Pandemie wirksam überwachen.
       
       Streng genommen dürfte Deutschland daher noch gar keinen „Exit“ planen –
       denn von der Leyen fordert eine strenge Kontrolle der Pandemie in allen
       EU-Ländern. Doch die Bundesregierung dürfte sich darum ebenso wenig scheren
       wie Dänemark oder Österreich. Gesundheitspolitik ist Ländersache – die
       EU-Kommission darf zwar eine Meinung haben, doch entscheiden darf sie
       nicht.
       
       Auch deshalb ist von der Leyen nicht zu beneiden. Ihr fehlen sowohl die
       Kompetenzen als auch die Mittel, um diese Krise zu lösen. Allzu großes
       Mitleid muss man mit der CDU-Frau aber auch nicht haben. Denn niemand hat
       sie gezwungen, so zu tun, als sei sie Europas Chefärztin. Von der Leyen
       drängt sich in den Vordergrund, wo sie besser in der zweiten Reihe
       geblieben wäre.
       
       15 Apr 2020
       
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