# taz.de -- Trotz Coronakrise nicht verboten: Kritik an Leerverkäufen
       
       > Andere Länder haben angesichts der Krise die Spekulation auf fallende
       > Kurse verboten. In Deutschland sieht man dafür keine Notwendigkeit
       
 (IMG) Bild: Für Leerverkäufer eine gute Nachricht: Kursabsturz an der Börse
       
       BERLIN taz | Um angesichts der Coronakrise Spekulationen auf fallende
       Börsenkurse zu unterbinden, haben Frankreich, Österreich, Italien, Spanien,
       Griechenland und Belgien sogenannte [1][Leerverkäufe verboten]. Unter
       anderem der Hedgefonds Bridgewater Associates hatte kürzlich in großem
       Umfang darauf gewettet, dass die Aktienkurse in Europa weiter fallen und
       damit die Unsicherheit an den Märkten weiter verstärkt.
       
       In Deutschland sind solche dagegen noch erlaubt; zur Begründung erklärte
       das Finanzministerium vergangene Woche in einem Bericht für den
       Finanzausschuss des Bundestags, es gebe auch so „ausreichend Flexibilität,
       um auf die aktuelle Situation zu reagieren“. Daher seien „derzeit keine
       gesetzlichen Maßnahmen vorgesehen“.
       
       Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte das am Montag auf taz-Anfrage
       bestätigt, zugleich aber offen gelassen, ob es dabei bleibt. „Wenn man aus
       der Betrachtung der Situation erkennt, dass es notwendig ist zu
       intervenieren, machen das die zuständigen Aufsichtsbehörden“, sagte er.
       „Aber es gehört zur Wirklichkeit dieser Maßnahmen dazu, dass über sie nie
       spekuliert wird, sondern sie eines Morgens da sind.“
       
       Aus Sicht von Fabio de Masi, Finanzexperte der Linken im Bundestag, agiert
       die deutsche Regierung zu zögerlich. „Gedeckte Leerverkäufe verstärken
       Abwärtstrends, weil Fonds in der Not Kasse machen und mit geliehenen
       Wertpapieren auf fallende Kurse wetten“, sagte er der taz. „Es ist
       unverständlich, warum die deutsche Aufsicht BaFin bisher untätig ist.“ Auch
       Gerhard Schick von der Nicht-Regierungsorganisation Finanzwende fordert ein
       solches Verbot. „Es besteht die Gefahr von Krisengewinnen, die wir
       unterbinden sollten“, [2][sagte er im taz-Interview].
       
       26 Mar 2020
       
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 (DIR) Malte Kreutzfeldt
       
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