# taz.de -- Mikroben fernab von Coronaviren: Klimaschützer Bakterien
       
       > Mikroben haben es zurzeit nicht leicht. Da kommt diese Meldung gerade
       > recht: In der Arktis fressen Bakterien offenbar klimaschädliches Methan.
       
 (IMG) Bild: Mikroben werde in Petri-Schalen gezüchtet
       
       Berlin taz | In Zeiten der globalen Angst vor einem Virus hat man es als
       Mikrobe nicht leicht. Da kommt es gerade recht, dass ForscherInnen der
       US-Universität Purdue nun in der Arktis Bakterien gefunden haben, die
       offenbar die Belastung der Atmosphäre mit dem hochwirksamen Klimagas Methan
       reduzieren. Treffen die Ergebnisse von Qianlai Zhuang und Youmi Oh zu, die
       in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurden, könnten
       die Methan-Emissionen zwar zunehmen, aber „viel geringer sein als
       ursprünglich angenommen“, erklärt Zhuang, Professor für Erdwissenschaften.
       
       Das könnte eine der gefährlichsten „Kohlenstoffbomben“ des Planeten
       entschärfen helfen. Denn die Erwärmung, die in der Arktis besonders stark
       ausfällt, taut die Permafrostböden auf [1][und setzt Methan frei]. Das Gas
       heizt die Atmosphäre mindestens 25-mal so stark auf wie CO2 und könnte zu
       einem Teufelskreis beitragen: Mehr Erwärmung taut mehr Boden auf, führt zu
       mehr Erwärmung...
       
       Zhuang und Oh aber haben entdeckt, dass ihre „methanotrophen“ Mikroben des
       arktischen Hochlands das Gas als Energiequelle nutzen. Weniger Methan
       gelangt deshalb dort in die Atmosphäre, wo die winzigen Klimaschützer das
       Gas verbrauchen. Zum Glück leben sie in 87 Prozent aller Böden. Anders als
       [2][ihre Verwandten], die vom Methan der Feuchtgebiete leben, überleben die
       arktischen Bakterien bei viel geringeren Konzentrationen und senken den
       Methan-Ausstoß regional deutlich. Klar, das Ganze hat einen Haken: Die
       Mikroben lieben Wärme. „Wir könnten uns vorstellen, dass arktische
       Methanotrophe mehr Methan verbrauchen, als die Region produziert“, so
       Zhuang. „Aber das würde noch mehr Erwärmung voraussetzen“, und die gilt es
       ja zu verhindern.
       
       7 Apr 2020
       
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