# taz.de -- Demonstrieren trotz Corona: Protest wird jetzt zum Kunststück
       
       > Polizei untersagt eine Protestaktion mit Hinweis auf die
       > Corona-Kontaktsperre. Weitere Aktion für Sonntag geplant
       
 (IMG) Bild: Pandemie überall: Eine Frau näht im Flüchtlingslager auf Lesbos Mundschutzmasken
       
       Mit einer Protestaktion am Donnerstag wollten die beiden Aktivistinnen
       Helena Aubart und Nicole Pankoke eigentlich auf die desaströse Situation
       der Geflüchteten auf den griechischen Inseln aufmerksam machen. In ihrem
       Garten hatten die beiden nach eigenen Angaben ein 4 Meter langes Flugzeug
       aus Holz, Draht und Gips gebaut, das sie Donnerstagmorgen vor das
       Bundeskanzleramt stellen wollten. Gemeinsam mit anderen Gruppen wie
       Seebrücke und Mission Lifeline fordern sie, [1][die Geflüchteten aus den
       Lagern zu evakuieren].
       
       Über die sozialen Medien hatten sie Unterstützer*innen dazu eingeladen,
       ebenfalls Flugzeuge zu basteln, eigene Forderungen darauf zu schreiben und
       ihnen Fotos der Flugzeuge zu schicken oder vorbeizubringen – ohne
       Kontaktaufnahme, „um die Einschränkungen wegen der Coronakrise
       einzuhalten“, sagt Pankoke. Doch die Polizei untersagte ihnen die Aktion am
       Morgen dennoch.
       
       „Die Polizei meinte, dass Politik und Kunst gerade in keinster Weise
       erlaubt seien, weil künstlerische oder politische Aktionen die Leute dazu
       bringen, [2][anzuhalten und zu gucken]“, sagt Pankoke. Daher sei nun jede
       Form von Bewegung im Freien mit einer politischen Motivation nicht mehr
       erlaubt. Angemeldet hatten die beiden ihre Aktion nicht.
       
       Die Polizei bestätigt den Vorfall. Ein Sprecher erklärte, dass die Aktion
       aufgrund ihres politischen Charakters als Versammlung zu werten sei und
       dass Versammlungen derzeit [3][auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes]
       nicht zulässig seien, im Einzelfall gäbe es Ausnahmen, darüber entscheidet
       die Versammlungsbehörde und das zuständige Gesundheitsamt.
       
       Die Aktivistinnen hätten ihre Aktion vor Ort anmelden können, und dann
       hätte geprüft werden müssen, inwieweit die Hygienevorschriften eingehalten
       werden könnten. Er gehe aber davon aus, dass auch eine Anmeldung vor Ort
       aufgrund der Eindämmungsverordnung nicht möglich gewesen wäre.
       
       Am Dienstag hatten zwei Künstler Bronzefiguren auf dem Alexanderplatz
       aufgebaut. Die Aktion war laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) erlaubt,
       weil die beiden mit Abstand demonstriert hätten. Aubart und Pankoke planen
       weitere Protestaktionen, die nächste soll zusammen mit der Seebrücke am
       Sonntag stattfinden.
       
       2 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fluechtlinge-aus-Lesbos/!5675845/
 (DIR) [2] /Corona-Bussgeldkatalog/!5672756/
 (DIR) [3] /Corona-Tagebuch-der-Hauptstadt/!5671055&s=infektionsschutzgesetz/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Lesbos
 (DIR) Polizei Berlin
 (DIR) Kontaktverbot
 (DIR) Geflüchtete
 (DIR) Lesbos
 (DIR) IG
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Seebrücke-Protest in Berlin: Cornern mit der Polizei
       
       In Berlin setzt die Polizei Radfahrer*innen fest, die gegen
       Flüchtlingslager demonstrieren. 222 Personen werden kontrolliert.
       
 (DIR) Schutz vor Corona für Geflüchtete: Zu sechst ein Zimmer, keine Seife
       
       Räumliche Distanz ist in der Coronakrise das Gebot. In Sammelunterkünften
       für Geflüchtete ist sie unmöglich. Einige Heime stehen unter Quarantäne.
       
 (DIR) Corona-Eindämmung: Bußgelder geplant: Draußen sitzen ist noch kostenfrei
       
       Der Senat verschiebt einen Beschluss zu Bußgeldern für Verstöße gegen
       Corona-Abwehrmaßnahmen. Maskenpflicht ist kein Thema.
       
 (DIR) Flüchtlinge aus Lesbos: Lederer: Aufnahme „unrealistisch“
       
       Justizsenator Behrendt (Grüne) will 1.500 Geflüchtete aus Lesbos aufnehmen.
       Vizebürgermeister Klaus Lederer (Linke) hält das für unverantwortlich.