# taz.de -- Thüringen-Einigung kippelt wieder: Ramelow glaubt an sich
       
       > Teile der Bundes-CDU kritisieren den Thüringer Kompromiss. Ramelow
       > mitzuwählen, sei fatal für die Partei. Der rechnet dennoch fest mit
       > seiner Wahl.
       
 (IMG) Bild: Bodo Ramelow (Links), Mario Voigt (CDU-Landesvize) und Wolfgang Tiefensee (SPD-Landeschef)
       
       Erfurt dpa/taz | Der Linken-Politiker Bodo Ramelow ist trotz neuster Volten
       von Seiten der Bundes-CDU weiter von seiner Wahl zum Ministerpräsidenten in
       Thüringen überzeugt. „Ich gehe fest davon aus, dass ich am 4. März im
       ersten Wahlgang ausreichend Stimmen aus den demokratischen Fraktionen
       erhalte, ohne auf AfD-Stimmen angewiesen zu sein“, [1][sagte Ramelow der
       „Thüringer Allgemeinen“]. „Diese Sicherheit habe ich in vielen
       individuellen Gesprächen gewonnen, die ich mit Abgeordneten anderer
       demokratischer Fraktionen führte.“
       
       Die Linke hatte am Freitagabend [2][mit SPD, Grünen und CDU einen
       Kompromiss zur Beilegung der Regierungskrise in dem Bundesland gefunden].
       Teil davon ist neben der Ministerpräsidenten-Wahl am 4. März, bei der
       Ramelow antreten will, eine „Stabilitätsvereinbarung“, nach der die CDU
       einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung bis zu Neuwahlen am 25. April
       2021 projektbezogen zu Mehrheiten verhelfen will. Dadurch soll erreicht
       werden, dass die AfD im Landtag nicht das Zünglein an der Waage ist.
       Rot-Rot-Grün fehlen vier Stimmen im Landesparlament.
       
       In der Bundes-CDU ist die Vereinbarung des CDU-Landesverbandes mit den
       anderen Parteien jedoch am Samstag auf massive Ablehnung. Hintergrund ist
       der Beschluss eines Parteitages, nach dem die CDU „Koalitionen und ähnliche
       Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der
       Alternative für Deutschland“ ablehnt.
       
       „Es geht hier um nicht weniger als um die Glaubwürdigkeit der CDU
       Deutschlands insgesamt“, [3][sagte Generalsekretär Paul Ziemiak]. Ähnlich
       äußerte sich der mögliche Bewerber um den CDU-Vorsitz,
       Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz. [4][Er schrieb bei Twitter], die
       Entscheidung der Thüringer CDU, Ramelow auf Zeit mitzuwählen, „beschädigt
       die Glaubwürdigkeit der CDU in ganz Deutschland“.
       
       ## Auch Spahn gegen Ramelow
       
       Mit Jens Spahn sprach sich ein weiterer möglicher Kandidat für den
       Parteivorsitz gegen den Thüringer Kompromiss aus. Er lehne die Wahl
       Ramelows mit Stimmen der CDU ab, [5][twitterte der
       Bundesgesundheitsminister]. „Es geht jetzt um die Substanz unserer Partei –
       nicht nur in Thüringen.“
       
       CDU, CSU und SPD hatten sich Anfang Februar in einer Sitzung des
       Koalitionsausschusses in Berlin für eine baldige Neuwahl in Thüringen
       ausgesprochen. Zuvor soll demnach umgehend ein neuer Ministerpräsident
       gewählt werden. Die Thüringer CDU will zügige Neuwahlen vermeiden – wohl
       auch, weil sie laut Umfragen in der Wählergunst stark abgesackt ist.
       
       Unklar blieb, wie genau die Wahl Ramelows im Thüringer Landtag mit
       absoluter Mehrheit abgesichert werden soll. Garantien, für ihn zu votieren,
       gab die Thüringer CDU-Landtagsfraktion nicht ab. Sie stimmte zwar der
       Vereinbarung über eine zeitlich befristete Unterstützung einer
       Minderheitsregierung und Neuwahlen im April 2021 zu. Sie erklärte aber
       gleichzeitig: Sie wähle „im Thüringer Landtag Bodo Ramelow nicht aktiv als
       Ministerpräsidenten mit“.
       
       Ramelow sagte der Thüringer Allgemeinen: „Es gibt keinerlei Vereinbarung
       mit der CDU, dass deren Fraktion mich wählt.“ Darüber sei nicht einmal
       geredet worden. „Im Gegenteil: Wir haben stattdessen durchgängig darüber
       gesprochen, dass die Thüringer CDU natürlich ihre Bundesbeschlüsse beachten
       muss. Das war Ausgangslage und wurde von allen vier Fraktionen am Tisch
       respektiert.“
       
       Auslöser der Regierungskrise war die Wahl des FDP-Politikers Thomas
       Kemmerich zum Ministerpräsidenten am 5. Februar mit Stimmen von FDP, CDU
       und AfD. Er ist nach seinem Rücktritt nur noch geschäftsführend und ohne
       Minister im Amt.
       
       23 Feb 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.thueringer-allgemeine.de/politik/ramelow-geht-fest-von-mehrheit-im-thueringer-landtag-aus-id228505823.html
 (DIR) [2] /Einigung-in-Thueringen/!5665541
 (DIR) [3] https://twitter.com/PaulZiemiak/status/1231226007853682688
 (DIR) [4] https://twitter.com/_FriedrichMerz/status/1231247406563504128
 (DIR) [5] https://twitter.com/jensspahn/status/1231154309255090178
       
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