# taz.de -- AfD in Thüringen: Gaulands cleverer Schachzug
       
       > Der AfD-Chef will, dass die Partei in Thüringen für Ramelow stimmt.
       > Selbst wenn die Faschisten ihn wählen, heißt das nicht, dass er der
       > Falsche ist.
       
 (IMG) Bild: Auf die Stimmen der Faschisten würde er gern verzichten: Bodo Ramelow vor der Wahl in Thüringen
       
       Was immer man Alexander Gauland vorwerfen kann – und das ist eine Menge –:
       Dumm ist er nicht. Der Ratschlag des AfD-Ehrenvorsitzenden, die
       thüringische Landtagsfraktion seiner Partei möge bei einer neuerlichen Wahl
       des Ministerpräsidenten den [1][Kandidaten der Linkspartei Bodo Ramelow]
       wählen, ist ebenso perfide wie intelligent. Was wäre denn die Folge, wenn
       die AfD für Ramelow stimmte?
       
       Müsste der frühere Ministerpräsident die Wahl dann ablehnen – weil der
       Vergleich mit dem [2][FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich] unabweisbar wäre?
       Oder dürfte, müsste er die Wahl annehmen, um wieder geordnete Verhältnisse
       herzustellen? So funktioniert das nicht, so wird das auch in Zukunft nicht
       funktionieren. Die Gemeinsamkeit der Demokraten darf nicht davon abhängen,
       ob Faschisten im Einzelfall mal mit ihnen stimmen.
       
       Wenn es sich um ein strategisches Manöver handelt – und vieles, wenn nicht
       alles spricht dafür, dass dies in Thüringen der Fall war, als Kemmerich zum
       Ministerpräsidenten gekürt wurde – dann soll, kann, muss man sich diesem
       zynischen Schulterschluss verweigern. Zugleich aber gilt: Wer sich nicht
       abhängig machen will von Rechtsextremisten, darf nicht wie das Kaninchen
       auf die Schlange auf deren – vermutetes, sicheres, mögliches –
       Abstimmungsverhalten starren.
       
       Wenn die AfD erklärt, dass die Erde keine Scheibe ist, dann wäre es absurd,
       wenn andere Parteien aus Prinzip dagegen sprächen. Die Erde ist keine
       Scheibe. Punkt. Das wird auch dann nicht falsch, wenn AfD-Abgeordnete sich
       dieser Erkenntnis anschließen. Was also kann getan werden, um tückische
       Unterstützung von Faschisten zu verhindern? Reden. Reden und reden. Klingt
       langweilig, ist langweilig, ist unendlich mühselig.
       
       Aber notwendig. Was sind die Gründe, warum eine demokratische Partei für
       einen Vorschlag stimmt, welche Überlegungen sprechen dagegen? Öffentliche,
       ehrliche Diskussion. Keine Absprachen hinter verschlossenen Türen. Das wäre
       – ja, schon klar – wirklich ein Kulturbruch in Deutschland. Die
       Öffentlichkeit, die doch immer Transparenz fordert, wird sich zu Tode
       langweilen. Tja. Pech. Ob es funktionieren kann, steht dahin. Aber eine
       Alternative, die ein Erstarken der Faschisten verhindern kann, ist nicht in
       Sicht.
       
       9 Feb 2020
       
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