# taz.de -- Wahlplakate aus Pappe und Plastik: Erst Werbung, dann Müll
       
       > Tausende Wahlplakate prägen derzeit das Straßenbild Hamburgs. Eine
       > Petition macht auf den dadurch entstehenden Müll aufmerksam und fordert
       > ein Verbot.
       
 (IMG) Bild: Taugt nicht mehr dazu, Altpapier zu werden: Plakat der Grünen Spitzenkandidatin Katharina Fegebank
       
       Hamburg taz | Zwei Sekunden: so lange wird ein Plakat im Durchschnitt
       angesehen. Länger hingegen sind die Folgen der intensiven Plakatierung nach
       einem Wahlkampf zu sehen, denn neben Ästen und Zweigen fliegen zurzeit auch
       zahlreiche abgerissene Plakate durch die Straßen Hamburgs. Das ist auch
       Felix Meschenmoser aufgefallen. Der 33-jährige Rechtsanwalt startete
       daraufhin [1][eine Petition], um die Wegwerfplakate im Wahlkampf verbieten
       zu lassen. „Früher waren mehr Plakate auf Holzaufstellern, heute überwiegt
       Pappe. Durch die gewaltigen Mengen ist die Stadt deutlich voller.“
       
       Meschenmoser ist selbst für die Grünen im Wahlkampf tätig. Als Freiwilliger
       hilft er der Partei beim Plakatieren. Obwohl Holzschilder logistisch
       schwieriger zu handhaben seien, wünscht er sich, dass die Parteien diese
       benutzen und auf die Masse an Papp- und Plastikplakaten verzichten. „Es
       gibt immer wieder Vorstöße, dass die Parteien sich beschränken. Wenn jede
       Partei nur zweitausend Plakate stellen dürfte, könnte man das problemlos
       mit Holzaufstellern machen.“ Außerdem weiß er, dass es Kandidaten gibt, die
       Garagen voll mit Holzschildern haben, aber nicht nutzen und stattdessen zum
       Pappplakat greifen.
       
       „Wir setzen Holzplakatständer noch ein, verwenden aber aus Kostengründen
       und logistischen Anforderungen zunehmend bedruckte Plastikplakate“, sagt
       Martin Wittmaack, Landesgeschäftsführer der Linken. Diese Plakate bestehen
       zu 50 Prozent aus wiederverwendeten Materialien und können nach der
       Benutzung wieder ins Recycling gegeben werden.
       
       Die Grünen benutzen ebenso wie die SPD einen Hersteller für ihre Plakate,
       der zu 90 Prozent wiederverwertete Ressourcen nutzt. „Wir haben uns
       intensiv mit der Ökobilanz der verschiedenen Werbeträger beschäftigt und
       sind daher ganz bewusst bei Plakaten aus Altpapier gelandet, die über das
       Altpapier entsorgt werden“, sagt Silke Lipphardt, Pressesprecherin der
       Grünen. Ob die Plakate nach intensivem Regen jedoch wirklich
       wiederverwendet werden, bezweifelt Meschenmoser: „Wenn die auf dem Boden
       lagen und versifft sind, glaube ich kaum, dass daraus noch Altpapier
       gemacht wird.“
       
       Für die Parteien sind Plakate ein unerlässliches Mittel im Wahlkampf. „Das
       Plakat hat seine Rolle behauptet. Plakate sind das in der Öffentlichkeit
       und von den Medien am stärksten beachtete Werbemittel“, sagt Alexander
       Fröhlich von Elmbach, Geschäftsführer der Hamburger FDP. „Plakate sind
       nicht wahlentscheidend, aber sie erzeugen ein gewisses Grundrauschen in der
       Stadt“, sagt auch Lipphardt. „Durch die Köpfe im Straßenbild bekommen viele
       Menschen überhaupt erst mit, dass Wahlen anstehen.“
       
       Die Grünen haben für ihren Wahlkampf 9.900 Pappplakate bestellt. Der
       Landesverband der FDP nutzt 4.000 Plakate, die Bezirksverbände und die
       einzelnen Kandidaten nicht eingerechnet. Die Linken haben circa 6.000
       Plakate für das Rennen um die Bürgerschaftssitze aufgehängt, davon etwa
       1.000 auf wiederverwendbaren Holzaufstellern. Die CDU verwendet 300
       Großplakate, weiß aber nicht genau, wie viele kleinere Plakate in den
       Bezirken und durch die Kandidaten im Umlauf sind. Auch die SPD kann keine
       Angabe machen, wie viele Plakate sie hat.
       
       „Für das Ansinnen der Petition haben wir Verständnis, dennoch ist es bei
       der Vielzahl von Kandidierenden nicht möglich, die Plakatierung
       ausschließlich mit klassischen Stellschildern zu stemmen“, meint
       SPD-Landesgeschäftsführer Lars Balcke. Ähnliches sagt auch die CDU, die aus
       Logistik- und Kostengründen Einmalplakate verwendet.
       
       „Pappplakate werden leichter kaputt gemacht als auf Holz geleimte Plakate“,
       meint dazu Meschenmoser. Er fordert eine Änderung der Fachanweisung für
       politische Werbung. Eine Beschränkung der zulässigen Materialien wäre dort
       möglich.
       
       18 Feb 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.openpetition.de/petition/online/wegwerfplakate-im-wahlkampf-verbieten
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Philipp Steffens
       
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