# taz.de -- Trauern um Kobe Bryant: Innocent und Anna
       
       > Ich habe Basketball geliebt, weil mein Vater Basketball geliebt hat. Und
       > plötzlich nimmt der Tod eines Basketballers mich mehr mit als erwartet.
       
 (IMG) Bild: Kobe Bryant während einem Spiels zwischen den Rockets und den Lakers im Jahre 2016
       
       Mein Leben lang habe ich Basketball geliebt. Nie gespielt, obwohl jeder
       mich im Sportunterricht für ein Naturtalent hielt und in seiner Mannschaft
       haben wollte. Das habe ich davon, dass ich Schwarz und groß bin und ab und
       zu ein „Chicago Bulls“-Shirt trage.
       
       Ich habe Basketball geliebt, weil mein Vater Innocent diesen Sport geliebt
       hat, und Innocent war mein Held. Er war Schuldirektor, Sportlehrer und ein
       talentierter Basketballspieler. Ich war als Kind bei fast jedem Spiel
       dabei. Ich habe Basketball geliebt, weil mein Cousin Louis lange für die
       ruandische Nationalmannschaft gespielt hat und ich meinen Cousin so
       dermaßen cool finde. Wir in seinem Zimmer NBA-Spiele auf VHS geschaut und
       er hat mich die Namen der Mannschaften abgefragt.
       
       „Washington?“ – „Wizards!“
       
       „Boston?“ – „Celtics!“
       
       Heute betreibt mein Cousin eine Basketballschule und trainiert neben seinem
       Sohn Malvin viele andere Kinder. Ich liebe die Videos, in denen mein Cousin
       und sein Sohn gemeinsam Basketball spielen. Den Stolz. Die Verbindung, die
       sie zueinander haben. Ich spüre trotzdem einen Stich. Weil ich mir wünsche,
       ich hätte so viel Zeit mit meinem Vater gehabt.
       
       Am Sonntag ist der Basketballstar [1][Kobe Bryant] bei einem
       Helikopterabsturz gestorben. Auch seine 13 Jahre alte Tochter Gianna
       –„Gigi“ – kam dabei ums Leben. Der Tod Kobes hat mich ungewöhnlich hart
       getroffen. Also für einen Prominenten, den ich nicht kannte. Ich stelle mir
       vor, wie er Gigi festhält. Wie die letzten Minuten in diesem Helikopter
       waren.
       
       Basketball. Väter und ihre Kinder. Kobe und Gigi. Louis und Malvin.
       Innocent und Anna.
       
       Ich habe, als mein Vater umgebracht wurde und ich Schüsse gehört habe,
       meine Mutter gefragt: „Ist das Papa?“ Früher habe ich mir oft vorgestellt,
       wie es wäre, hätte ich meinen Vater festhalten können in den schwersten
       Minuten seines Lebens.
       
       ## Die Trauer und die Scham
       
       Als mich die Nachricht von Kobes Tod erreicht hat, konnte ich es erst nicht
       glauben. Ich wollte darüber reden, aber ich wusste nicht, mit wem. Es gilt
       irgendwie als albern und peinlich, Promis hinterherzutrauern. Und bei Kobe
       kam auch schnell die Kritik, dass man ihn nicht unreflektiert verehren
       sollte.
       
       Ich will Opfer [2][sexualisierter Gewalt] nicht vor den Kopf stoßen – oder
       fordern, dass sie warten sollen, bis wir mit dem Trauern fertig sind. Ich
       wurde als Kind sexuell missbraucht. Ich kann trotzdem nicht für alle
       sprechen. Nicht für alle Opfer sexualisierter Gewalt, nicht für alle
       Schwarzen.
       
       Ich bin traurig und verletzt. Über diesen plötzlichen tragischen Tod. Über
       den fehlenden Raum zum Trauern. Ich schäme mich auch für die Gedanken, die
       ich hatte, als ich traurig und wütend war. Es nervt mich, dass ich
       vorschnell und etwas unempathisch reagiert habe, mir die richtigen Worte
       fehlen. Trauern ist kompliziert. Menschen sind kompliziert.
       
       Und es wäre schön, wenn wir in solchen Zeiten mehr Rücksicht aufeinander
       nehmen könnten.
       
       30 Jan 2020
       
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