# taz.de -- Vorwürfe gegen Berliner Polizei: So werden Vorurteile bestätigt
       
       > Todesschuss, Zivilpolizisten auf der Demo, ein peinlicher Einsatz beim
       > Holocaust-Gedenken: Der Innensenator muss diese Vorfälle schnell
       > aufklären.
       
 (IMG) Bild: Was dahinter passiert, sollte dringend aufgeklärt werden
       
       Die Polizei, heißt es gern entschuldigend, sei auch nur ein Spiegelbild der
       Gesellschaft. Stimmt das, sollte sich Innensenator [1][Andreas Geisel
       (SPD)] angesichts der jüngsten gegen Linke gerichteten Vorfälle überlegen,
       ob wir tatsächlich schon in einer so reaktionären Stadt leben.
       
       Oder ob es sich eben doch um Vorkommnisse handelt, die dringend aufgeklärt
       und vor allem auch aufgearbeitet werden müssen. Gern schon in der
       anstehenden Sitzung des Innenausschusses an diesem Montag.
       
       Was ist passiert? Am Freitag [2][erschießt in Friedrichshain] ein Beamter
       eine 33-jährige wohl psychisch erkrankte Frau, offenbar Sympathisantin der
       linken Szene, in deren WG-Zimmer. Angeblich hatte sie den Beamten mit einem
       Messer angegriffen. Am Samstag drängt die Polizei laut Aussagen von
       Teilnehmern bei einer [3][Holocaust-Gedenkveranstaltung in Marzahn] auch
       Nachfahren von Nazi-Opfern ab. Sie hatten gegen die Teilnahme der
       Bezirks-AfD an dem Gedenken protestiert. Und vor wenigen Tagen hat die
       Berliner Polizei zugeben müssen, dass sie auf der von der Zivilgesellschaft
       organisierten riesigen Unteilbar-Demo 2018 [4][rechtswidrig
       Zivilpolizisten] eingesetzt hat.
       
       Wer will, kann aus diesen drei Vorkommnissen innerhalb von nur einer Woche
       sein eigenes Bild zusammensetzen, ganz nach alter Manier: Die Polizei
       schützt Rechte, Linke hingegen werden von ihr als Staatsfeinde betrachtet,
       und sozial Benachteiligten der Schutz versagt.
       
       Innensenator Geisel steht eigentlich für einen anderen Kurs, nämlich
       rechten und rechtsextremen Tendenzen entgegenwirken zu wollen. Das hat er
       zum Beispiel bei den regelmäßigen Neonazi-Demonstrationen für den einstigen
       Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß gezeigt.
       
       ## Die Arbeit hört nie auf!
       
       Doch wie beim Engagement gegen rechts gilt auch beim Einsatz für eine
       möglichst tolerante, offene und den Situationen angemessen reagierende
       Staatsmacht: Die Arbeit dafür hört nie auf; jeder noch so schöne Erfolg
       kann schon morgen durch einen Misserfolg zunichtegemacht werden.
       
       27 Jan 2020
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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