# taz.de -- Fridays for Future in Berlin: Protest-Ferien verlängert
       
       > FFF protestiert am Freitag bundesweit gegen Siemens. In Berlin wird es
       > keine Demo geben. Stattdessen berät die Ortsgruppe, wie es weitergehen
       > soll.
       
 (IMG) Bild: Diesen Freitag dürfen SchülerInnen was gegen ihre 6 in Mathe tun: Protest in Berlin im November
       
       Berlin taz | Viele Berliner SchülerInnen müssen sich an diesem Freitag von
       einer im vergangenen Jahr liebgewonnenen Tradition verabschieden: Sie
       können die Schulwoche nicht mit einer Demo ausklingen lassen. „An diesem
       Freitag wird es von der Berliner Fridays-for-Future-Ortsgruppe keine
       Aktionen geben“, sagte die [1][Berliner Aktivistin Clara Mayer] am
       Montagabend der taz.
       
       Damit wird auch nicht wie seit 2019 üblich am Invalidenpark gegen die
       Klimakrise protestiert. Die selbst verordnete Streikpause der Berliner
       [2][Fridays-for-Future]-Gruppe (FFF) geht also in der ersten Woche nach den
       Weihnachtsferien weiter. Und die Berliner Gruppe beteiligt sich auch nicht
       an den bundesweiten Protesten von FFF gegen Siemens, obwohl das Unternehmen
       hier eine wichtige Niederlassung hat.
       
       Am Freitag wollen AktivistInnen in mehr als 20 Städten an
       Siemens-Standorten gegen dessen [3][Beteiligung am Bau der Adani-Kohlemine]
       in Australien demonstrieren, wie FFF Deutschland auf seiner Internetseite
       angekündigt hat. Die Mine wäre nach der Fertigstellung eines der größten
       Kohlebergwerke der Welt, Siemens soll dafür laut FFF die Signalanlage für
       die zum Abtransport der Kohle benötigte Bahn liefern. Protestiert wird
       dagegen etwa in Magdeburg, Weimar und Erfurt.
       
       „Wir als Berliner FFF-Ortsgruppe haben eine Streikpause beschlossen, um zu
       besprechen, wie es weitergehen soll, und um unsere Kräfte zu sammeln und
       sie richtig einzusetzen“, sagte Clara Mayer der taz. Statt den
       wöchentlichen Protest vorzubereiten, gehen die AktivistInnen am Samstag in
       Klausur. „Wir werden dort über vieles reden, unter anderem über unsere
       Aktionsformen und welche die richtigen sind; über unsere Hauptthemen, auch
       über nationale Themen.“
       
       ## Saturday for Future?
       
       Die Aktivistin macht keinen Hehl daraus, dass sie tief enttäuscht ist von
       der Reaktion der Politik auf die Proteste. „Wir waren geschockt, dass uns
       die Politik ignoriert hat und immer noch ignoriert, obwohl wir ein Jahr
       lang mit so vielen Menschen demonstriert haben“, erklärte sie. Die größte
       Demonstration in Berlin hatte am 20. September im Rahmen des weltweiten
       Aktionstags stattgefunden: Damals zählten die Veranstalter mehr als 250.000
       TeilnehmerInnen.
       
       Diese Ernüchterung betrifft viele junge Aktivistinnen. Auf der letzten
       Berliner Demo vor Weihnachten am Invalidenpark Mitte Dezember wurde breit
       darüber nachgedacht, wie es weitergehen könnte und sollte. „Wir tun das,
       was die Regierung nicht tut: wir reflektieren“, hatte Luisa Neubauer, die
       wohl bekannteste Berliner FFF-Mitstreiterin, [4][erklärt].
       
       Unter den rund 500 jungen TeilnehmerInnen kursierten da bereits viele
       Ideen: Eine schlug vor, die Proteste auf Samstag zu verlegen, um wieder
       mehr Menschen anzulocken – zuletzt waren die TeilnehmerInnenzahlen nach der
       Rekorddemo im September erwartungsgemäß gesunken – und gleichzeitig dem
       Vorwurf des Schulschwänzens zu entgegnen.
       
       Eine andere forderte mehr zivilen Ungehorsam, wie sie die Gruppe Extinction
       Rebellion praktiziert, indem sie etwa Straßen blockiert. Welchen Weg die
       [5][weltweit erfolgreichste soziale Bewegung] seit der Friedensbewegung in
       den 60er Jahren letztlich einschlagen wird, ist bislang schwer
       abzuschätzen.
       
       Die Berliner Gruppe ist sich jedoch klar, dass es um eine immens wichtige
       Richtungsentscheidung geht. „Wir als Berliner Ortsgruppe sind uns der
       medialen Aufmerksamkeit unserer Entscheidungen bewusst“, sagt Clara Mayer.
       Etwa 150 Menschen bilden laut ihrer Aussage den harten Kern, der sich meist
       wöchentlich auf einem Plenum trifft. Zur Organisation der Proteste kommen
       laut Mayer dann weitere hinzu.
       
       Georg Kössler, Sprecher für Klimaschutz der Grünen-Fraktion im Berliner
       Abgeordnetenhaus, widersprach dem Eindruck, dass FFF auf wenig Resonanz in
       der Politik gestoßen ist. „Fridays for Future hat wahnsinnig geholfen“,
       sagte er am Dienstag der taz. Grund dafür sei gewesen, dass Fridays for
       Future eine breite überparteiliche Bewegung „von unten“ sei. „Da laufen
       auch die Kinder von Politikern aus SPD und Linken mit, und sogar von
       einigen Konservativen.“ Das habe viel bewirkt.
       
       Kössler nannte zum Beispiel das Ausrufen der Klimanotlage in Berlin durch
       den rot-rot-grünen Senat. „Das stand nicht im Koalitionsvertrag“, betonte
       der Grünen-Politiker.
       
       Er hofft auf weitere Maßnahmen, auf die sich die Koalition Anfang dieses
       Jahres einigen könnte, etwa ein Verbot von innerdeutschen Dienstreisen mit
       dem Flugzeug oder einer Pflicht für Solaranlagen auf Gebäudedächern.
       Kössler gab aber zu, dass es auf Landesebene oft zu lange dauere, bis
       konkrete Vorschläge umgesetzt werden können.
       
       Was in Berlin klimapolitisch in dieser Legislatur noch möglich sein wird,
       hängt von einem wichtigen Treffen der SPD ab, dem größten der drei
       Koalitionspartner und in Klimafragen bisher eher zurückhaltend: Ihre
       Fraktion trifft sich Ende Januar traditionell zu einer Klausur. Ein
       inhaltlicher Schwerpunkt diesmal: Klimaschutz.
       
       Kössler, selbst ein ehemaliger Klimaaktivist, der in die
       institutionalisierte Politik gegangen ist, verfolgt die Entwicklung von FFF
       und die Veränderung von deren Taktik „sehr interessiert“, wie er sagt.
       Konkrete Proteste etwa gegen einzelne Unternehmen, wie am Freitag gegen
       Siemens geplant, könnten eine Ergänzung sein zu den allgemeinen politischen
       Forderungen von FFF.
       
       7 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Streitgespraech-ueber-Klimaaktivismus/!5627732
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Fridays-For-Future/!t5571786
 (DIR) [3] http://fridaysforfuture.de/siemens/
 (DIR) [4] /Fridays-for-Future-in-Berlin/!5646829
 (DIR) [5] /Beginn-der-weltweiten-Klimaproteste/!5645386
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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