# taz.de -- Proteste gegen Weltwirtschaftsforum: Klima-Protest in Davos
       
       > Greta Thunberg und hunderte Aktivistin*innen reisen zum
       > Firmen-Politik-Gipfel nach Davos. Dort wollen sie für eine bessere
       > Klimapolitik streiten.
       
 (IMG) Bild: Letztes Jahr lag Schnee: Greta Thunberg Januar 2019 in Davos
       
       Berlin taz | Sie wollen auch über die Berge kommen. Kritiker*innen des
       [1][Weltwirtschaftsforums von Davos] haben angekündigt, mit Tourenski aus
       den umliegenden Tälern zu dem Bergort hinaufzukraxeln und durchs Gelände um
       die Polizei herumzufahren. Der Protest gegen den alljährlichen Manager- und
       Politikergipfel erlebt in diesem Jahr eine Renaissance – angetrieben durch
       die Klimadebatte.
       
       Das Weltwirtschaftsforum (WEF) beginnt am Dienstag. Zusammen mit Dutzenden
       Staatschefs, Hunderten Minister*innen und Tausenden Firmenvorständen
       werden auch US-Präsident Donald Trump, Kanzlerin Angel Merkel und
       [2][Klimaaktivistin Greta Thunberg] erwartet. „Die Mitglieder des WEF
       tragen eine große Verantwortung für die Klimakrise“, schreibt die Gruppe
       Strike WEF. Sie beruft sich auf eine Untersuchung des Carbon Accountability
       Institute (Institut für Kohlenstoff-Verantwortung) aus Colorado, USA,
       derzufolge allein 20 Erdöl-, Gas- und Kohlekonzerne ein Drittel aller
       globalen Kohlendioxidemissionen verursachten. Einige von ihnen wie
       [3][Saudi Aramco], Chevron und BP gehören zu den strategischen Partnern des
       WEF. Sie finanzieren die Veranstaltung und beeinflussen ihre Agenda.
       
       Als Teil der weltweiten Fridays-for-Future-Bewegung hat Strike WEF unter
       anderem eine Protestwanderung angemeldet. Der Fußmarsch beginnt am
       kommenden Sonntag in der Stadt Landquart in Graubünden und soll am Montag
       Klosters unterhalb von Davos erreichen. Nur für diesen Teil der
       Demonstration hat die Polizei die Benutzung der Straße erlaubt. Danach
       wolle man über Wanderwege, für die keine Erlaubnis nötig sei, nach Davos
       gelangen, sagte Payal Parekh von Strike WEF.
       
       Dort wollen die Klimastreiker*innen am Dienstag an einer Kundgebung
       teilnehmen, die die Jungsozialist*innen Graubünden bei der Polizei
       angemeldet haben. Die hat eine Veranstaltung mit 300 Leuten auf dem
       Rathausplatz in der Nähe des Bahnhofs genehmigt. Später gibt es eine
       „Volksversammlung“ in einer Schule, um zu beraten, wie sich die
       Kohlendioxidemissionen bis 2035 auf null senken lassen.
       
       Möglicherweise wird Greta Thunberg, die Initiatorin der
       Fridays-for-Future-Bewegung, an den Protesten teilnehmen. Sie soll aber
       auch im offiziellen Programm des Forums auftreten. Im großen Saal
       diskutiert sie unter anderem mit Oliver Bäte, dem Vorstandsvorsitzenden der
       Allianz Versicherung. WEF-Chef Klaus Schwab ist bemüht, seine Veranstaltung
       nicht als Kongress von Konzernen erscheinen zu lassen, sondern ihm den
       Anschein der Offenheit zu verleihen. Deshalb hat das WEF Aktivistin
       Thunberg als eine von zehn jugendlichen „Change Makers“ eingeladen.
       
       ## Davos als natürlicher Gegner der Globalisierungskritik
       
       Diese Flexibilität ist eine Lehre aus früheren Konfrontationen. Während das
       heutige WEF bis in die 1980er Jahre nur ein Managertreff mit begrenzter
       Reichweite war, mauserte es sich im Zuge der neuen Globalisierung zum
       Weltwirtschaftsforum. Linke Kritiker*innen der Globalisierung, die Ende
       der 1990er unter anderem die Organisation Attac und 2001 das
       Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre gründeten, betrachteten
       Davos als ihren natürlichen Gegner und Drehscheibe der globalen Herrschaft
       der kapitalistischen Konzerne.
       
       Im Jahr 2000 zog eine Demonstration mit rund 1.000 Leuten durch Davos, 2001
       kam es zu Straßenschlachten in Zürich. 2004 wurden linke
       Davos-Gegner*innen in Landquart von der Polizei eingekesselt. Jahrelang
       tagte parallel zum Forum in Davos die Organisation Public Eye (Öffentliches
       Auge) und verlieh ihre Schmähpreise an Konzerne. 2015 hatte sich diese
       Protestform erschöpft. Nun geht es wieder los. „Die Mitglieder des WEF
       stehen für ein System, das in einer endlichen Welt auf unendliches Wachstum
       baut“, schreibt Strike WEF. Das WEF gehöre abgeschafft.
       
       18 Jan 2020
       
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