# taz.de -- Umstrittener „Reinhalteplan“: Das ist Kieler Luft
       
       > Die Kieler Luft ist seit Jahren belastet. Nun soll ein neuer
       > „Reinhalteplan“ endlich Abhilfe schaffen. Doch dieser Plan ist
       > umstritten.
       
 (IMG) Bild: Hohe Stickstoffbelastung an Kieler Straße: Diese Anlage soll schlechte Luft verbessern.
       
       Rendsburg taz | Täglich schieben sich Tausende Fahrzeuge über den
       Theodor-Heuss-Ring in Kiel. Die vierspurige Straße, die den erweiterten
       Innenstadtbereich umschließt, zählt zu den Orten, die bundesweit am
       stärksten mit Stickstoffdioxid belastet sind. Nun soll ein neuer
       Luftreinhalteplan für bessere Luft sorgen.
       
       Vom örtlichen Naturschutzbund (Nabu) [1][gab es postwendend ein
       „Mangelhaft“]. „Gute Nachrichten“ hingegen verkündete Kiels
       Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) [2][in einer Videonachricht auf der
       Homepage der Stadt]: Im Jahr 2019 sank die Stickstoffdioxid-Belastung auf
       dem Heuss-Ring, sie lag nur noch bei 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
       Blöd nur, dass auch dieser Wert oberhalb des Grenzwerts von 40 Mikrogramm
       liegt, den das Bundesumweltamt für das Schad-Gas festgelegt hat.
       
       Seit Jahren kämpft die Stadt, die sich selbst zum
       [3][„Klimanotstandsgebiet“ erklärt] hat, für bessere Luft. Aber Kiel ist
       nicht nur durch Straßenverkehr, sondern [4][auch durch Schiffsdiesel für
       Frachter und Kreuzfahrtriesen belastet].
       
       Um die Schadstoff-Werte auf dem Theodor-Heuss-Ring zu senken, wäre ein
       Fahrverbot für Dieselautos der schnellste Weg. Das soll es zunächst nicht
       geben, so sieht es der Luftreinhalteplan vor, den Umweltminister Jan
       Philipp Albrecht (Grüne) vorstellte. Mit diesem Plan „können
       Schadstoffgrenzwerte eingehalten und ein Fahrverbot auf dem
       Theodor-Heuss-Ring vermieden werden“, so Albrecht. Die Stadt Kiel muss den
       Plan noch annehmen.
       
       ## Ministerium verspricht „Maßnahmenkaskade“
       
       Er sieht eine „zweistufige Maßnahmenkaskade“ vor, so das Umweltministerium.
       Unter anderem sollen Filteranlagen aufgestellt werden, die am Straßenrand
       stehen, Schmutzluft ansaugen und sie reinigen. Die Stadt [5][hatte bereits
       Prototypen getestet] – die Maßnahme war bundesweit beachtet worden. Die
       Kosten wurden beim ersten Test mit rund 80.000 Euro pro Gerät angegeben.
       
       Das Land habe im Haushalt rund 500.000 Euro zur Verfügung gestellt, sagte
       Dennys Bornhörft (FDP). Er wie auch der umweltpolitische Sprecher der
       CDU-Fraktion, Heiner Rickers, begrüßten den Plan, Luftfilter aufzustellen.
       „Etwa sieben oder acht Luftfilteranlagen“ sollen aufgestellt werden, hieß
       es in einem Pressegespräch. Die Stadt rechnet mit Kosten von mehr als
       hunderttausend, aber weniger als eine Million Euro.
       
       ## Straße gesperrt
       
       Als Modell für andere Städte taugt das Verfahren aber wohl nicht. Der
       Nachrichtenagentur dpa sagte Oberbürgermeister Kämpfer, Kiel setze als wohl
       einzige Stadt in Deutschland so stark auf Luftfilteranlagen, weil hier nur
       ein kurzer Straßenabschnitt viel zu hohe Schadstoffwerte aufweise.
       
       Als weitere Schritte zur Entlastung des Heuss-Rings soll eine Abfahrt
       zeitweilig gesperrt werden. Zudem wird sich eine geplante Großbaustelle,
       die während der Sommermonate einen Teil der Straße sperrt, als gut für die
       Luftverschmutzungswerte erweisen. Hilft das alles nichts, sind
       Dieselfahrverbote geplant. Sie können alle Fahrzeuge mit Dieseltechnik
       ganzjährig betreffen oder nur bestimmte Klassen und zeitweise.
       
       ## Juristisches Damoklesschwert
       
       „Ein Plan, der die Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte nur dadurch
       gewährleistet, dass eine Baustelle eingerichtet wird, ist das Papier nicht
       wert, auf dem er gedruckt wird“, sagte Hartmut Rudolphi, Leiter des Nabu
       Kiel. Statt sich auf – bisher kaum getestete – Filteranlagen zu verlassen,
       müsse die Stadt „ernsthaft die Ursachen der Luftverschmutzung bekämpfen und
       Farbe bekennen: Die Grenzwerte sind kurzfristig nur mit Fahrverboten
       einzuhalten.“ Der Nabu wünscht sich eine autofreie Innenstadt, um Luftwerte
       wie Lebensqualität zu verbessern.
       
       Auch ein juristisches Damoklesschwert hängt noch über der Stadt und über
       dem noch zu verabschiedenden neuen Luftreinhalteplan: Die Deutsche
       Umwelthilfe hatte Kiel verklagt, unter anderem, weil der alte Reinhalteplan
       nicht fortgeschrieben wurde. Gegen den nun vorliegenden neuen Plan könnte
       der Verein inhaltlich angehen, sagte Kämpfer der dpa. Er sei aber
       zuversichtlich, dass das Konzept gerichtlich Bestand haben werde.
       
       14 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nabu-kiel.de/
 (DIR) [2] https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/umwelt_naturschutz/luftreinhaltung.php
 (DIR) [3] /Klimanotstand-Staedte-im-Norden/!5608230/
 (DIR) [4] /Aktivist-ueber-Kreuzfahrt-Protestaktionen/!5606497&SuchRahmen=Print/
 (DIR) [5] /!5568873/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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