# taz.de -- Magazin-Gründerin über Finanzen: „Mitglieder müssen zahlen“
       
       > Das Onlinemagazin „Republik“ will unabhängigen Journalismus, doch das
       > Geld wird knapp. Vorständin Clara Vuillemin erklärt, warum sie keinen
       > Sparkurs will.
       
 (IMG) Bild: Mitglieder des digitalen Magzins „Republik“ im Hotel Rothaus in Zürich im Juli 2017
       
       taz: Frau Vuillemin, [1][Republik hat bei der Gründung vor zwei Jahren
       große Aufmerksamkeit bekommen]. In der Zwischenzeit hatten Sie aber, wie
       Sie neulich bekannt gegeben haben, nicht genug Zulauf. [2][Mit einem
       Hilferuf haben Sie im Dezember] um neue Abonnements geworben. Warum haben
       Sie sich bei der Wachstumsprognose verschätzt? 
       
       Clara Vuillemin: Ich bin nicht sicher, ob wir uns verschätzt haben. Beim
       Crowdfunding zu Beginn hatten wir viel größeren Erfolg als erwartet. Da
       haben wir uns nach unten verschätzt. Dieser Erfolg war eine große
       Verantwortung, verbunden mit großen Hoffnungen – also haben wir versucht,
       ein möglichst gutes Produkt zu machen. Wir wollten dabei einen Fehler
       vermeiden, den andere gemacht haben: zu klein anzufangen. Wir wollten alles
       geben, um etwas richtig Gutes zu machen. Und das hat auch funktioniert. Wir
       sind beim Wachstum vielleicht gerade nicht da, wo wir sein sollten – aber
       auch nicht so weit daneben.
       
       Dennoch sind Sie großen Schwankungen ausgesetzt, je nachdem wie stark Sie
       gerade Aufmerksamkeit erlangen, etwa durch das Crowdfunding oder den Aufruf
       neulich. Wie wollen Sie diese Schwankungen künftig abfangen? 
       
       Unsere Herausforderung ist die Erneuerung der Mitgliedschaften. Wir haben
       das Problem, dass viele Jahresmitgliedschaften im Januar auslaufen, weil
       wir einst im Januar gestartet sind. Das heißt: zwar liegen wir gerade
       wieder über der Zahl der 19.000 Mitglieder, die wir anvisiert haben. Aber
       erfahrungsgemäß werden wir das nicht über den Januar halten, weil ein Teil
       seine Mitgliedschaft nicht weiterführen wird. Im Moment ist unsere
       Strategie ganz einfach, klar zu kommunizieren, was wir tun. Den Mitgliedern
       zu erklären: Wenn man so eine Republik will, die nicht werbefinanziert ist
       und nicht von Mäzenen, dann müssen Mitglieder dafür zahlen. Wir sind auf
       eine gewisse Treue angewiesen. Die erreicht man durch Kommunikation.
       
       Bei journalistischen Projekten mit Bezahlschranke hört man als
       Außenstehender immer viel Eigenkommunikation, aber bekommt wenig von den
       Inhalten mit. Müssten Sie nicht hin und wieder mal einen Artikel öffnen? 
       
       Unsere Inhalte sind alle offen, in dem Sinne, dass sie von Mitgliedern
       geteilt werden können. Die Bezahlschranke betrifft die Startseite und die
       Kommentarfunktion. Unsere Texte werden auch generell gut von
       Nichtmitgliedern gelesen. Das dient uns natürlich erst mal als
       Kommunikationsmittel, so können Leute uns kennenlernen. Aber wir tun es
       natürlich auch, um unseren Journalismus mehr Menschen zugänglich zu machen.
       Wir wollen nicht nur für einen exklusiven, abgeschotteten Kreis arbeiten.
       Die Bezahlschranke brauchen wir aber, um uns zu finanzieren. Denn wir
       glauben nicht, dass wir genug rein ideell motivierte Mitgliedschaften
       verkaufen könnten, wenn wir sie nicht hätten.
       
       Für Republik bezahlt man im Jahresabo 240 Franken, etwa 220 Euro.
       [3][Vergleichbare Magazine wie Krautreporter] in Deutschland und De
       Correspondent in den Niederlanden kosten 70 Euro im Jahr. Zwar ist die
       Kaufkraft in der Schweiz größer, aber nicht um so viel. Warum haben Sie
       sich als Luxusprodukt positioniert?
       
       Wir verstehen uns nicht als Luxusprodukt. Wir sind mit dem Preis sehr
       zufrieden – sicher weiß man nie, was wäre, wenn. Wir bekommen aber eher das
       Feedback, dass Leute mehr zahlen möchten. Was sie natürlich dürfen. Von den
       gut 4.000, die nach unserem Aufruf ihre Mitgliedschaft bereits verlängert
       haben, haben 1.500 freiwillig mehr gezahlt als die 240 Franken. Zusätzlich
       haben wir noch die „Ich kann mir das nicht leisten“-Funktion. Das heißt,
       dass Leute zahlen können, was sie wollen. Etwa 5 bis 10 Prozent der
       Mitglieder nehmen das in Anspruch.
       
       In Ihrem Aufruf vom Dezember heißt es, wenn Republik bis März 2020 nicht
       die 19.000 zahlenden Mitglieder halten kann, dann erklären Sie [4][das
       Experiment] für beendet. Warum gleich dichtmachen? Geht’s nicht auch
       kleiner? 
       
       Es geht kleiner, aber es geht einfach nicht schnell kleiner und vor allem
       nicht gleich gut, denn was für uns nicht verhandelbar ist, ist die
       Qualität. Natürlich haben wir uns verschiedene Szenarien überlegt, als
       absehbar wurde, dass es mit dem Geld langsam schwierig wird. Aber wir haben
       jetzt gerade endlich eine einigermaßen konsolidierte Redaktion, haben ein
       Produkt, das für viele unserer Leser*innen zum ersten Mal greifbar wird. Da
       steckt extrem viel Aufbauarbeit drin. Natürlich geht es kleiner, aber nicht
       auf die Schnelle. Und wir finden, dass das Produkt gerade stimmt. Und
       glauben, dass wir jetzt noch mal finanziell einen Schub brauchen, mit dem
       wir uns weiterentwickeln können. Damit wir so einen Aufruf nicht in einem
       oder in zwei Jahren wieder machen müssen.
       
       16 Jan 2020
       
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