# taz.de -- Angriff auf Hamburgs Innensenator: St. Pauli ist wieder Gefahrengebiet
       
       > Nach einem Angriff auf Innensenator Andy Grote (SPD) verurteilen
       > Politiker*innen die Tat. Im Internet ist ein Bekennerschreiben
       > aufgetaucht.
       
 (IMG) Bild: Rote Farbe auf der Straße: Ermittler untersuchen den Tatort auf St. Pauli
       
       Hamburg taz | Am vergangen Freitag, um kurz nach acht Uhr morgens, haben
       laut Polizei maskierte Unbekannte auf St. Pauli das Auto von Hamburgs
       Innensenator Andy Grote (SPD) mit Gegenständen beworfen. Die Polizei
       spricht von Steinen und mit Farbe gefüllten Behältnissen. Verletzt worden
       sei niemand. Der Staatsschutz ermittelt.
       
       Grote, der auf St. Pauli wohnt, äußerte sich noch am Freitag auf Twitter zu
       dem Vorfall. Als Innensenator müsse er mit solchen Angriffen rechnen,
       schrieb er. „Aber einen solchen Anschlag bewusst zu verüben, während ich
       gerade meinen zweijährigen Sohn zur Kita bringe – das ist erbärmlich.“
       
       Diesen Aussagen widerspricht [1][ein Bekennerschreiben, das am Samstag auf
       der linken Onlineplattform Indymedia auftauchte]. Grote würde sein Kind
       nicht regelmäßig zur Kita bringen, schreiben die Verfasser*innen. „Wir, er
       und auch seine Leibgardisten wissen sehr genau, dass das totaler Quatsch
       ist.“ Sollte das Kind tatsächlich mit im Auto gesessen haben, sei das eine
       seltene Ausnahme und ein tragischer Zufall gewesen. „Selbstverständlich
       galt der Angriff nicht dem Kind!“, steht in dem Schreiben.
       
       ## Verweis auf G20
       
       Laut den Verfasser*innen habe Grote in den vergangenen Jahren einiges
       unternommen, das Leben derer, „die in dem von ihm so geliebten St. Pauli
       nicht mehr viel zu verlieren haben, weiter zu verschlechtern“. St. Pauli
       sei der Hotspot der Immobilienhaie, „Obdachlose und [2][People of Colour
       werden von Grotes Polizei gejagt]“. Das Schreiben nimmt auch Bezug auf den
       G20-Gipfel 2017 in Hamburg. Es kritisiert das damalige Vorgehen der Polizei
       und die [3][Öffentlichkeitsfahndung]. Überschrieben ist es mit „Für die
       Parkbankcrew“, „Für die Verletzten und Angeklagten im Rondenbargverfahren“
       und „Für uns“.
       
       Mit der [4][Parkbankcrew sind zwei Männer und eine Frau] gemeint, denen die
       Staatsanwaltschaft die Verabredung zur gemeinschaftlichen Begehung von drei
       Brandstiftungen und einer schweren Brandstiftung vorwirft. Sie waren am
       zweiten G20-Jahrestag in einem Park festgenommen worden.
       
       Im „[5][Rondenbarg]verfahren“ geht es um eine Demonstration vom 07. Juli
       2017 in der Straße am Rondenbarg, die die Polizei gewaltsam aufgelöst
       hatte. Die Staatsanwaltschaft hat wegen gemeinschaftlichen schweren
       Landfriedensbruchs, gemeinschaftlichen tätlichen Angriffs auf
       Vollstreckungsbeamte, versuchter gefährlicher Körperverletzung und
       Sachbeschädigung Anklage gegen 19 Personen erhoben und will das Verfahren
       mit [6][dem von Fabio V. verbinden], dessen Prozess geplatzt war. Er soll
       sich durch die bloße Anwesenheit bei der Demonstration strafbar gemacht
       haben.
       
       ## GdP ätzt gegen Grüne
       
       Über den Angriff auf Grote äußerten sich Politiker*innen aus Hamburg
       empört. Christiane Schneider von der Linksfraktion twitterte: „Dieser
       Anschlag ist beunruhigend und durch nichts zu rechtfertigen.“ Dennis
       Gladiator (CDU), nannte den Anschlag eine „feige und hinterhältige Tat“.
       
       Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich zu dem Vorfall. Das
       Datum 13. 12. könne im Zusammenhang mit dem Anschlag stehen. Die Zahl steht
       auch für „All cops are bastards“. Die GdP nutzte ihre Mitteilung zum
       Angriff auf Grote auch, um sich in Sachen Versammlungsrecht zu äußern: Ein
       Festhalten am [7][Vermummungsverbot] sei wichtig.
       
       Die Grünen wollen Vermummung auf Demonstrationen von einer Straftat zur
       Ordnungswidrigkeit herabstufen. Die GdP fordert sie nun auf „sich von
       dieser Klientelpolitik zu verabschieden“. Auf Facebook machte sich die
       Gewerkschaft gar die Mühe, das Logo der Antifa mit dem einer
       Hilfsorganisation zu verbinden und schrieb darein: „!!!Nach dem Angriff auf
       Senator Grote ist klar: Die Antifa hat kein Herz für Kinder!!!“
       
       15 Dec 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.indymedia.org/node/53445
 (DIR) [2] /Racial-Profiling-auf-St-Pauli/!5494791
 (DIR) [3] /Jahrestag-des-G20-Gipfels-in-Hamburg/!5606059
 (DIR) [4] /Festnahme-am-G20-Jahrestag-in-Hamburg/!5640463
 (DIR) [5] /Prozess-in-Hamburg-nach-G20-Protesten/!5487396
 (DIR) [6] /Fabio-V-ueber-G20-Protest/!5484578
 (DIR) [7] /Aktivist-ueber-Vermummungsverbot/!5647112
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marthe Ruddat
       
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