# taz.de -- Österreichs grüne Superministerin: Gestatten, Gewessler
       
       > Die 43-Jährige Leonore Gewessler ist der Shooting-Star der
       > österreichischen Grünen. Nun soll sie erste Klimaministerin werden.
       
 (IMG) Bild: Noch nur Nationalratsabgeordnete der Grünen: Leonore Gewessler
       
       Wien taz | Wenn es in Österreichs jüngster Politik eine Senkrechtstarterin
       gibt, dann die 43-jährige Leonore Gewessler. Vor wenig mehr als einem
       halben Jahr nur Insidern aus der NGO-Szene bekannt, wird sie in wenigen
       Tagen ein Mega-Ministerium leiten.
       
       Und zwar das Schlüsselressort für die Grünen, mit dem diese ihrer
       Wählerschaft beweisen müssen, dass es sich lohnt, auch [1][schmerzhafte
       Kompromisse] einzugehen. Das bisherige Infrastrukturministerium wird um die
       Bereiche Umwelt und Energie erweitert und damit zu einem Klimaministerium.
       Und dafür ist Gewessler vorgesehen.
       
       Im Juni legte sie nach fünf Jahren die Geschäftsführung der Umwelt-NGO
       Global 2000 zurück, um auf dem prominenten zweiten Listenplatz für den
       Nationalrat zu kandidieren. Auf ausdrücklichen Wunsch von Parteichef Werner
       Kogler, für den die Umweltaktivistin eine [2][zuverlässige Beraterin] in
       Sachen internationaler Handelsabkommen gewesen war.
       
       Denn bei Kampagnen gegen die Handelsabkommen TTIP und CETA, für den
       Kohleausstieg Österreichs und gegen den Bau der dritten Flughafenpiste in
       Wien-Schwechat hatte sie die Auseinandersetzung mit den Unternehmern und
       konservativen Politikern bereits geprobt.
       
       ## Harte Verhandlerin
       
       Die Erfahrung war in den Verhandlungen mit der ÖVP sicher hilfreich. Dort
       fand sie als Gegenüber die frühere Landwirtschafts- und Umweltministerin
       [3][Elisabeth Köstinge]r, mit der sie auf diversen Diskussionspodien wegen
       deren wenig ambitionierter Klimapolitik immer wieder zusammengekracht war.
       
       Global 2000 darf sich anrechnen, dass die Kohleverstromung in Österreich
       mit kommendem Frühjahr ausläuft. Das umstrittene grenznahe
       [4][Atomkraftwerk Mochovce] in der Slowakei wird zwar nicht verschrottet,
       muss aber dank einer Kampagne von Global 2000 und der Kronen Zeitung einer
       internationalen Überprüfung unterzogen werden, bevor es in Betrieb gehen
       kann. Auch an der Europäischen Bürgerinitiative [5][„Stop Glyphosat“] zum
       Schutz der natürlichen Vielfalt war Gewessler mit der Umwelt-NGO beteiligt.
       
       Internationale Erfahrung sammelte die Politikwissenschaftlerin sechs Jahre
       lang als Direktorin der Green European Foundation in Brüssel, eine vom
       Europaparlament finanzierte Stiftung mit enger Verbindung zu den
       europäischen Grünen. Davor hatte sie als Büroleiterin bei der
       Bezirksvorstehung im Wiener Bezirk Neubau bereits die Grünen kennen
       gelernt. Wiens 7. Gemeindebezirk war der erste grün regierte Bezirk der
       Bundeshauptstadt.
       
       Gewessler hat das mit 60 Seiten umfangreichste Kapitel im Regierungspakt
       erstritten und sich dafür entsprechende Ressourcen zusagen lassen. Es geht
       um erneuerbare Energien und Ausbau des öffentlichen Verkehrs. „Die
       Photovoltaik-Förderung ist zu Jahresbeginn nach drei Minuten ausgeschöpft.
       Das zeigt: Die Leute wollen, aber wir lassen sie oft nicht“, klagte sie.
       
       Die Besteuerung der CO2-Emissionen soll 2022 über eine ökosoziale
       Steuerreform kommen. Flugtickets sollen schon früher belastet werden.
       
       3 Jan 2019
       
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 (DIR) Ralf Leonhard
       
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