# taz.de -- Bekämpfung von Kinderpornografie: Kinderschutz statt Ideologie
       
       > Wie kann die Polizei Täter aufspüren, die Kinder missbrauchen? Darüber
       > sollten die Innenminister pragmatisch diskutieren.
       
 (IMG) Bild: Aktion der Initiative „Kinder von Lügde“ nach dem hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz
       
       Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Donnerstag dem
       Deutschlandfunk ein Interview gegeben, in dem er für längere
       Datenspeicherung geworben hat. „What's new?“, könnte man da fragen. Denn
       gerade läuft die Innenministerkonferenz und Reul ist von der CDU, die seit
       Jahren die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen will.
       
       Was aufhorchen ließ, war Reuls Verzweiflung. Er bat fast flehend um eine
       unideologische Diskussion und warb für pragmatische Lösungen. Reul [1][hat
       auch Grund zur Verzweiflung]: In NRW wurden in der letzten Zeit zwei
       spektakuläre Serien von Kindesmissbrauch aufgedeckt. Erst die sexuellen
       Gewalttaten auf dem Campingplatz in Lügde, [2][deren fehlerhafte
       Ermittlung] nun per Untersuchungsausschuss geklärt wird. Noch im Gange ist
       die Aufdeckung eines riesigen Online-Kinderpornografie-Netzwerks mit bisher
       31 Tatverdächtigen und 21 bekannten Opfern.
       
       Reul hat versprochen, [3][dem Kindesmissbrauch] den Kampf anzusagen. Doch
       das ist ausgesprochen schwer angesichts einer gigantischen Bilderflut und
       unübersichtlicher Chat-Gruppen, die nach dem Trichterprinzip in
       geschlossene Missbrauchs-Zirkel münden. Reul hat einen Krisenstab
       aufgestellt, mit 300 Beamt:innen, die Terabyte-weise Material auswerten.
       Doch dieses Personal fehlt dann der Polizei anderswo – die Forderung nach
       mehr Stellen ist nur realistisch. Genauso muss die umstrittene
       Keuschheitsprobe für Ermittler:innen endlich zugelassen werden, also das
       Verschicken synthetisch erzeugter Missbrauchsabbildungen, um sich Zutritt
       zu geschlossenen Kinderporno-Ringen zu verschaffen.
       
       Bleibt [4][die heikle Frage der Datenspeicherung]: Wie können
       Ermittler:innen Menschen aufspüren, die gerade irgendwo in Deutschland
       Kinder missbrauchen, wenn sie keinen Zugriff auf deren IP-Adressen
       bekommen?
       
       Die Innenminister:innen, gleich welcher Partei, sollten sich Reul
       anschließen und über konkrete Möglichkeiten für mehr Kinderschutz sprechen.
       Ohne sich dabei durch ideologischen Dauerstreit zu blockieren.
       
       5 Dec 2019
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nina Apin
       
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