# taz.de -- AfD-Parteitag in Braunschweig: Leiser Protest weit weg erwünscht
       
       > Die Stadt Braunschweig hat dem Bündnis gegen Rechts strenge Auflagen für
       > den Protest gegen den AfD-Parteitag gemacht.
       
 (IMG) Bild: Will nicht mit AfD in Verbindung gebracht werden: VW-Betriebsrat lässt Hallen-Namen verhüllen
       
       Hamburg taz | In Braunschweig heißt die Volkswagen-Halle nicht mehr
       Volkswagen-Halle. Das Logo am Gebäude wurde am Donnerstag auf Wunsch des
       VW-Konzernbetriebsrates verhüllt. Ein symbolischer Akt: Denn am ersten
       Adventswochenende findet in der Halle der AfD-Bundesparteitag mit rund 600
       Delegierten statt. „Wir verurteilen die völkisch-nationalistischen
       Positionen der sogenannten Alternative für Deutschland“, sagte der
       VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Die Programmatik der Partei
       würde den Werten des Konzerns entgegenstehen.
       
       Andere Protestformen rund um den Europaplatz hat die Stadt Braunschweig
       hingegen weitgehend untersagt. „Der AfD wird der rote Teppich ausgerollt“,
       kritisiert Udo Sommerfeld. Der Anmelder der [1][Gegenaktionen des
       Braunschweiger Bündnisses gegen Rechts] berichtet, das die Halle mit
       Gittern rundum abgeriegelt und mit Planen ein zwei Meter hoher Sichtschutz
       errichtet worden sei.
       
       Die Auftaktkundgebung am Europaplatz wurde zudem durch die städtischen
       Auflagen stark eingeengt und örtlich verlagert. Weitere Kundgebungen hat
       die Stadt untersagt. „Ein rechtlich zulässiger Protest ist so nicht mehr in
       Sicht- und Hörweite möglich“, sagt Sommerfeld. „Das ist ein Skandal.“
       
       Seit zwanzig Jahren melde er für das Bündnis Aktionen gegen rechtsextreme
       Aufmärsche und rechtspopulistische Veranstaltungen an. „Die zuständigen
       Stellen haben es uns noch nie leicht gemacht“, sagt er, aber jetzt würde
       der Protest fast unmöglich gemacht.
       
       ## Polizei fürchtet „gewaltbereite Linksextreme“
       
       Der Grund: die Gefahreneinschätzung der Polizei. Die Versammlungsbehörde
       rechnet am Samstag mit etwa 12.000 Gegendemonstranten. Über 500
       „gewaltbereite Linksextreme“ will sie unter den möglichen Demonstranten
       ausgemacht haben. Darauf gingen auch die hohen Auflagen zurück.
       
       Zwar zog das Bündnis deswegen vor das Verwaltungsgericht, das hielt die
       Auflagen jedoch für rechtens. Sommerfeld kann das nicht nachvollziehen: Dem
       Bündnis ist unter anderem untersagt worden, eine große Bühne zu nutzen.
       Erlaubt sind nur drei mal drei Meter. Die Polizei habe gewarnt, dass
       Demonstranten eine größere Bühne zerlegen könnten, um mit den Gegenständen
       die Polizei oder AfD-Mitglieder zu bewerfen. Zudem könne auf einer größeren
       Bühne auch Material für Straftaten gelagert werden.
       
       „Haben Sie schon mal erlebt, dass Demonstranten ihre eigene Bühne
       auseinandernahmen? Ich nicht“, sagt Sommerfeld. Dem Gegenprotest ist zudem
       eine Dezibel-Beschränkung – 90 Dezibel, einen Meter vor den Lautsprechern –
       auferlegt. „Mit dieser Beschränkung ist es kaum möglich, die Tausenden
       Kundgebungsteilnehmer*innen akustisch zu erreichen“, kritisiert der
       Bündnissprecher.
       
       In der Politik würde immer wieder der Widerstand gegen rechts eingefordert,
       Gesicht solle gezeigt und Haltung bezogen werden, sagte auch Sebastian
       Wertmüller von Ver.di. Die Gewerkschaft gehört zu den vielen Organisationen
       und Initiativen, die den Protest mittragen. Die Verantwortlichen in den
       Verwaltungen und Behörden müssten endlich auch Verantwortung übernehmen,
       sagte Wertmüller unlängst bei einer Podiumsveranstaltung.
       
       ## „Bedrohung der Demokratie“
       
       „Angriffe, verbal und körperlich, auf Journalisten am Samstag in Hannover,
       Attacken auf die Braunschweiger Gewerkschaftsjugend auf der Facebook-Seite
       der AfD-Bundespartei, Anträge auf Aufhebung der Unvereinbarkeit der AfD mit
       neonazistischen Gruppen und Kameradschaften sowie den Identitären beim
       Bundesparteitag – hier zeigt sich eine bedrohliche Kulisse und eine
       Bedrohung der Demokratie“, sagte Wertmüller.
       
       Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Dietmar
       Schilff, betonte: „Nach der eindrucksvollen Bunt-statt-braun-Demo in
       Hannover am vergangenen Wochenende wird auch die Braunschweiger
       Bürgergesellschaft ein deutliches Zeichen setzen.“ Auch die GdP halte
       „viele Aussagen der AfD für rechtspopulistisch bis rechtsextrem“.
       
       Das Bündnis versucht derzeit, die strengen Auflagen noch vom
       Oberverwaltungsgericht Lüneburg kippen zu lassen. Um 7 Uhr sollen am
       Samstag die ersten kleinen Gegenaktionen starten, ab 9 Uhr die große
       Demonstration.
       
       Aktuelle Infos: [2][https://buendnisgegenrechts.net/]
       
       28 Nov 2019
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://buendnisgegenrechts.net/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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