# taz.de -- Der Osten und die Medienlandschaft: Am Grill der deutschen Einheit
       
       > Wie sieht es mit der Ost-West-Diversität bei (öffentlich-rechtlichen)
       > Medien aus? Könnte besser sein, aber es gibt auch Positives zu berichten.
       
 (IMG) Bild: Ein ganz gewöhnlicher Imbiss in Hamburg
       
       So [1][kurz vor dem Geburtstag der friedlichen Revolution] wird die Debatte
       wieder virulent: Über Wessis und Ossis und was uns nach drei Jahrzehnten
       immer noch trennt. „Wir brauchen beim Grillen keine Schischi-Wessi-Sachen
       wie Calamaretti, uns reichen Wurst und Brätel“, hatte die Mitbewohnerin
       eben wieder im Angesicht des von mir angeschleppten Meeresgetiers befunden.
       
       Wobei sich am Grill die Einheit noch ziemlich einfach herstellen lässt.
       Medial sieht die Sache anders aus: Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
       spricht ja wiederholt vom „Westfernsehen“ und meint damit die ARD genau so
       wie das ZDF. Dass bei den Aktuellen in Hamburg (ARD) und Mainz (ZDF)
       Ostbiografien rar sind und mangels eigener Kenntnis zu viele Geschichten
       durch die Brille der alten Bundesländer erzählt werden, ist ein alter Hut.
       
       Spätestens wenn jemand wie der oben erwähnte Reiner Haseloff mal wieder den
       Spruch vom „Westfernsehen“ raushaut, beschäftigen sich auch
       Senderhierarchien notgedrungen damit. Und dann passiert – eher mal nichts.
       Vergangene Woche haben also Mitglieder des MDR-Rundfunkrats moniert, das
       „Morgenmagazin“ habe ideologisch verzerrt aufs Ableben von Sigmund Jähn
       regiert. Seine Vereinnahmung durchs DDR-Regime habe stärker im Vordergrund
       gestanden, als seine Leistung als Kosmonaut.
       
       Allerorten wird derzeit über mangelnde Diversität in den Medien diskutiert,
       wobei der Befund meist „akademisch, weiß, männlich“ lautet. „West“, müsste
       man ehrlicherweise (zu) oft noch hinzufügen. Hilft eine solche
       Ost-West-Denke aber noch weiter? Klar ist: Die tatsächliche
       Lebenswirklichkeit Ost vieler Menschen findet in den Medien nicht statt.
       Fürs gehobene Klientel gibt es immerhin die „Zeit im Osten“, die zur
       Verhandlung solcher Fragen einlädt. Das ist mit der Lebenswirklichkeit West
       aber genau so. Und das „die Medien“ in ihrem Westdrall unisono nur auf der
       Suche nach Dunkeldeutschland sind, ist als Befund genau so undifferenziert
       wie manche dafür zu Recht kritisierte Berichterstattung über Neufünfland.
       
       Nun könnte sich nach dem Motto „Zeit heilt alle Wunden“ (nein, nicht ihr in
       Hamburg!) das Ganze ja auswachsen. Schaut man sich aber die
       verdienstvollerweise vom medium magazin erhobenen Zahlen von
       Journalistenschüler*innen bei den einschlägigen Ausbildungsstätten an,
       folgt Ernüchterung: Die Henri-Nannen-Schule meldet 14 (West) zu 2 (Ost),
       beim ifp München heißt es 34:2, bei der Kölner Journalistenschule 18:2, an
       der RTL Journalistenschule goes niemand east. Bei Springer steht es 66:5,
       bei Burda 23:1 und bei der Evangelischen Journalistenschule 15:1. Von
       Springer und EJS (beide Berlin) abgesehen sind übrigens alle Schulen –
       logisch – im Westen.
       
       Wo bleibt das Positive? Hier: Zum Tag der Einheit labt sich die
       Mitbewohnerin gern an einer Pizza Frutti di mare. Und die Calameretti waren
       bei unseren (Ost-)Mietzen eh der Hit.
       
       3 Oct 2019
       
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