# taz.de -- Protest gegen die AfD: Ein Dorf wehrt sich
       
       > Im kleinen niedersächsischen Ort Schwagstorf demonstrierten Hunderte
       > Menschen laut und friedlich gegen eine AfD-Veranstaltung.
       
 (IMG) Bild: Protest mit Dudelsack: Schwagstorfer gehen gegen die AfD und Beatrix von Storch auf die Straße
       
       Schwagstorf taz | Dorffeste hat es in Schwagstorf schon viele gegeben. Aber
       eins wie am Freitag noch nie: Bettlaken-Banner mit Botschaften wie „Hass
       ist krass, Liebe ist krasser!“ sind zwischen Bäume gespannt, an eine Hecke
       geknotet, in Bushaltehäuschen gehängt. Kids beschriften mit Malkreide die
       Straße: „Schwagstorf ist bunt!“
       
       Bleche voller Liebesperlen-Kuchen werden rumgereicht, Luftballons schweben
       über den Köpfen, mittendrin marschiert Fabian auf und ab, zwischen
       Kirchplatz und Polizeisperre, mit seinem Dudelsack. „Nicht hinnehmbar, dass
       die da ihren Reichsparteitag abhalten!“, sagt er.
       
       Mit „die“ meint Fabian die AfD. Im gemeindeeigenen Veranstaltungszentrum
       hat sie [1][zu einem „Bürgerdialog“ eingeladen]; Hauptrednerin ist die
       Vizechefin ihrer Bundestagsfraktion Beatrix von Storch. Die AfD hat knapp
       60 Anhänger mobilisiert. Die Dorfgemeinschaft 600, sagt die Polizei;
       viele der Anwesenden schätzen: 1.000, wenn nicht mehr.
       
       Der Verlierer des Abends, neben der AfD, ist Rainer Ellermann (CDU), der
       Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Ostercappeln, zu der
       Schwagstorf gehört. Er ist kein Freund der AfD, und als er ans Mikro tritt,
       um zu erklären, warum er ihr trotzdem die Gemeindehalle vermietet hat,
       klingt er kraftlos. Ob er noch immer glaubt, dass es die Demo, die sich vor
       ihm formiert, ohne ihn nicht gäbe?
       
       Einheimische sind da, vom Kleinkind bis zum Rentner. Städter sind da, viele
       in schwarz gekleidet, viele mit roten Fahnen. Land und Stadt haben sich
       solidarisiert, ohne Ellermann.
       
       ## Plakate, Fahnen und Protest
       
       Neben der Kirche steht ein „Kein Bock auf Nazis“-Stand. Antifa-Fahnen
       werden entrollt, das „bunt und solidarisch“-Banner von Ver.di spannt sich
       über die Straße, zwei junge Frauen halten ein Doppelplakat hoch: „Aus
       Protest AfD zu wählen, weil die aktuelle Politik nicht gefällt, ist wie im
       Club aus der Toilette zu trinken, weil das Bier nicht schmeckt.“ Alle sind
       sie da, vom Sportverein bis zu den Omas gegen Rechts. Die Linke hat einen
       Wald Parteifahnen dabei, der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Megaphon.
       
       Auch Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete der Grünen, steht auf dem
       Kirchplatz. „Ich stehe ja für all das, was die AfD abschaffen will“, sagt
       sie. „Und ich freue mich, dass sich die Zivilgesellschaft hier so breit
       aufstellt, so sichtbar macht.“ Ob das der AfD zu viel Aufmerksamkeit gibt?
       „Menschen, die unter Angriffen der Rechten leiden, müssen sehen, dass sie
       nicht allein sind!“
       
       Fikret Dokumaci, der Inhaber des Döner-Imbiss „Figos“, ein paar Schritte
       die Straße runter, hat noch keine Angriffe erlebt. Er sagt: „Ich habe mich
       hier immer zuhause gefühlt.“
       
       ## Löffel auf Töpfe hämmern
       
       Die Demo zieht Richtung AfD-„Dialog“. Regenbogenfahnen werden geschwenkt.
       Trillerpfeifen schrillen. Signaltröten, Trommeln, Klatschpappen ertönen.
       Familien hämmern Löffel auf Töpfe. Die Kirchengemeinde rollt eine riesige
       Glocke nach vorn, lässt sie dröhnen. „Nazis raus!“-Sprechchöre branden auf,
       die „Internationale“ ist zu hören.
       
       Der Schwagstorfer Landwirt Henning Aumund, der zum ersten Mal eine solche
       Demo mitorganisiert, schwenkt eine Kuhglocke. Chris, auch er von hier und
       Mitorganisator, sagt: „Es ist wichtig, dass Proteste von Bürgern ausgehen,
       nicht vom Bürgermeister, der die Sache, gegen die der Protest sich richtet,
       viel zu spät an die Öffentlichkeit gegeben hat!“
       
       ## Kein Rückzu, sondern neue Demo
       
       Die Polizei, mit drei Hundertschaften im Einsatz, ist entspannt. „Chaoten“
       kommen keine. Ellermann hatte vor ihnen gewarnt – und nicht die AfD
       gemeint. Als er die Demonstrierenden zum Rückzug auffordert, melden die
       spontan eine neue Demo an und bleiben. Von jetzt an ist es endgültig ein
       Fest der Bürger.
       
       Nur ihr 50-Mann-Außenkommando am anderen Ende des Orts ist unglücklich: Von
       Storchs Wagen kam durch, trotz Blockade.
       
       15 Sep 2019
       
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 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
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