# taz.de -- Vorurteile gegen Muslime: Volksverhetzung aus Versehen
       
       > In einer Filmrezension hetzt die „Bild“-Zeitung gegen Muslime. Nach
       > Protesten macht sie einen Rückzieher, aber der Hass ist in der Welt.
       
 (IMG) Bild: Bildblog zeigt Wirkung: Die Bild.de-Redaktion reagierte auf die Kritik des Watchblogs
       
       Bei Netflix ist ein neuer Thriller zu sehen: [1][„The Red Sea Diving
       Resort“]. Der Film erzählt die Geschichte von Mossad-Agenten, die in einer
       Undercover-Mission versuchen, äthiopische Juden aus dem
       bürgerkriegsgeschüttelten Sudan nach Israel zu evakuieren. Der Film ist von
       der realen [2][„Operation Brüder“] zu Beginn der 1980er Jahre inspiriert,
       erhebt aber nicht den Anspruch, eine historisch korrekte Darstellung der
       dramatischen Ereignisse zu sein.
       
       Die Bild-Zeitung fand die Geschichte spannend und veröffentlichte eine
       [3][Filmrezension]. Zum geschichtlichen Background hieß es auf Bild.de:
       „Der Sudan ist ein überwiegend muslimisches Land. Muslime hassen Juden. Ein
       Menschenleben ist dort nichts wert. Ein jüdisches umso weniger.“
       
       Es sind nur vier kurze Sätze, in denen sich doch so viel Falsches
       aneinanderreiht. Nein, Menschen muslimischen Glaubens hassen nicht
       automatisch Menschen jüdischen Glaubens. „Ein Menschenleben ist dort nichts
       wert. Ein jüdisches umso weniger.“ – Auch jüdische Leben sind
       Menschenleben. Und was ist bitte die Steigerung von nichts wert? Gar nichts
       wert?
       
       Das unabhängige, journalistische Portal [4][Bildblog] reagierte und
       konfrontierte den Chefredakteur Julian Reichelt auf [5][Twitter]: „Sagen
       Sie, Julian Reichelt, ist das wirklich die Ansicht Ihrer Bild.de-Redaktion?
       Oder ist Ihnen einfach völlig egal, was so bei Ihnen auf der Seite steht?“
       Eine Verlinkung im Post verwies auf den Artikel. Ebenfalls angehängt war
       dem Tweet ein Screenshot der betreffenden Zeilen. Bildblog hat die Stelle
       „Muslime hassen Juden“ gelb markiert.
       
       ## Auf Twitter: Entsetzte Reaktionen über „Bild“-Text
       
       Der Tweet zeigte Wirkung. Nur etwa eine halbe Stunde nach dem ersten Post
       reagiert die Bild.de-Redaktion und [6][ändert den Text]: „Im Sudan ist ein
       Menschenleben eher weniger wert. Ein jüdisches umso weniger.“ Bildblog war
       mit dieser Änderung zu Recht nicht zufrieden und kritisierte die Zeilen als
       ein „sprachlich wie logisch interessantes Konstrukt“.
       
       Der Watchblog, der seit 2009 kritisch über die deutsche Medienlandschaft
       berichtet, vermerkt, dass Bild bei ihrer unglücklichen Korrektur leider den
       Hinweis auf ebendiese vergaß – sicherlich ganz unbeabsichtigt, wo die
       Zeitung doch sonst stets transparent mit den eigenen Fehlern umgeht. Auch
       hier zeigt sich, was öffentliche Aufmerksamkeit bewegen kann, denn nach
       einer halben Stunde fand sich unter dem Bild-Text eine [7][Anmerkung der
       Redaktion]: „ Eine frühere Version dieses Artikels enthielt die
       Formulierung: ‚Muslime hassen Juden.‘ Der Satz wurde ersatzlos entfernt.“
       Derweil wurde der Post von Bildblog zum Originaltext in den sozialen
       Netzwerken fleißig geteilt und [8][entsetzt kommentiert].
       
       Am Abend des gleichen Tages verschwanden die vier Sätze ganz aus der
       Filmrezension. An ihrer Stelle las man jetzt einen aktualisierten,
       [9][längeren Vermerk der Redaktion]: „Eine frühere Version dieses Artikels
       enthielt die Formulierung: ‚Der Sudan ist ein überwiegend muslimisches
       Land. Muslime hassen Juden. Ein Menschenleben ist dort nichts wert. Ein
       jüdisches umso weniger.‘ Für diese falsche Pauschalisierung bitten wir um
       Entschuldigung. Der Absatz wurde ersatzlos entfernt.“
       
       Die Redaktion zeigte Einsicht, wenn auch spät und erst nach wiederholter
       Aufforderung. Doch Volksverhetzung geschieht nicht aus Versehen. Bild lebt
       von großen Skandalen und der vermeintlichen Dehnbarkeit von Wahrheit. Doch
       wenn sie dabei nicht nur moralische und ethische Standards verletzt,
       sondern auch gegen Gesetze verstößt, dann sollte sie für den Verstoß
       juristisch belangt und vom deutschen Presserat offiziell gerügt werden.
       
       16 Aug 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/The_Red_Sea_Diving_Resort
 (DIR) [2] https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/mossad-am-roten-meer/
 (DIR) [3] https://www.bild.de/unterhaltung/kino/kino/netflix-red-sea-diving-ressort-als-urlauber-getarnte-fluechtlinge-63916262.bild.html
 (DIR) [4] https://bildblog.de/
 (DIR) [5] https://twitter.com/BILDblog/status/1161941597594034177
 (DIR) [6] https://twitter.com/BILDblog/status/1161949613756157953
 (DIR) [7] https://twitter.com/BILDblog/status/1161957398099218433
 (DIR) [8] https://twitter.com/shadesofmett/status/1161947382529101824
 (DIR) [9] https://www.bild.de/unterhaltung/kino/kino/netflix-red-sea-diving-ressort-als-urlauber-getarnte-fluechtlinge-63916262.bild.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Charlotte Köhler
       
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