# taz.de -- Neuer Pop von Banks: Innerer Frieden mit Geige
       
       > Ein feiner Sinn für Romantik trotz Herzschmerz: Die US-Darkpopkünstlerin
       > Banks bewahrt auf ihrem neuen Album „III“ die Fassung.
       
 (IMG) Bild: Da waren die Haare noch schwarz: Die Sängerin Banks bei einem Auftritt in London 2017
       
       Die kalifornische Künstlerin Jillian Rose Banks blendet in den Songtexten
       ihres schlicht „III“ betitelten neuen Albums Niederlagen und Probleme nicht
       aus, das soll glaubwürdig wirken und tut es zu einem bestimmt Grad auch.
       Offen geht die US-amerikanische Musikerin damit um, dass sie eine Trennung
       hinter sich hat. Herzschmerz, sagt sie im Gespräch, habe sie zu einer
       stärkeren Persönlichkeit gemacht: „Ich bin kein naives Mädchen mehr,
       sondern eine weise Frau.“ Eine übersteigerte Aussage für eine 31-Jährige.
       Verbitterung scheint darin mitzuschwingen, was Banks allerdings energisch
       verneint: „Mein Motto ist: Ich verliere nie die Hoffnung – egal, was
       passiert.“
       
       Wohl deshalb lässt sie ihr neues Album mit der Ballade „What about Love“
       ausklingen. Zu wimmernden Geigen besingt sie mit ihrer rauchigen Stimme
       eindrucksvoll ihr Herzeleid. Sie fühle sich einsam, weil ihr Exfreund eine
       neue Partnerin hat. Das klingt nicht gerade euphorisch, also muss irgendwie
       ein Ausgleich her. Trost kommt von Banks’ vierjähriger Nichte, die am
       Schluss wispert: „I love you.“ So siegt die Liebe letztlich doch, das war
       der gebürtigen Kalifornierin aus Orange County, dem Speckgürtel von Los
       Angeles, wichtig: „Ich wollte mir meinen Sinn für Romantik zumindest ein
       Stück weit bewahren.“
       
       Die übrigen Songs bleiben indes dem typisch theatralischen Banks-Stil treu.
       Sie funkeln düster. Bereits auf ihrem Debütalbum „Goddess“ (2014) stellte
       Banks eine verwundbare Seite zur Schau und landete damit in zahlreichen
       Ländern in den Top 20 der Charts. Ihr zweites Werk „The Altar“ (2016)
       bescherte ihr dann kommerziell nur bescheidenen Erfolg, begeisterte aber
       weiterhin mit hypersensiblem Songwriting. Musikalisch experimentierte Banks
       mit elektronischem Pop, R&B- und HipHop-Elementen – an diesem Mix hält sie
       bis heute fest. KritikerInnen behaupten, ihre Musik sei nah am Gothicpop.
       Diese Stilrichtung wurde dank Sängerinnen wie [1][Halsey] salonfähig, Lorde
       und [2][Billie Eilish] katapultierte den Sound dann in den Mainstream.
       
       Solche Beckmessereien prallen an Banks einfach ab. „In erster Linie
       komponiere ich meine Lieder für mich selbst“, betont sie. „Sie entspringen
       meinem Unterbewusstsein.“ Als ihr der Satz „I can’t let you go“ durch den
       Kopf schwirrte, baute sie ihn zu „Hawaiian Mazes“ aus. Diese abgründige
       Midtempo-Nummer handelt vom Loslassen. „Es ist falsch, sich an die
       Vergangenheit zu klammern“, glaubt Banks. „Nur wer sich von seinen alten
       Dämonen löst, wird seinen inneren Frieden finden.“
       
       ## Der Trubel ist nichts für sie
       
       Folgerichtig hat sie ihr Leben komplett umgekrempelt. Sie zog raus aus dem
       Zentrum von Los Angeles, jetzt wohnt sie weitab der Metropole in den
       Bergen, das erdet sie: „Ich bin vor dem Großstadttrubel geflüchtet. Das,
       wonach ich mich wirklich sehnte, war Ruhe.“ Kein Wunder: Vor sechs Jahren
       veröffentlichte die ehemalige Psychologiestudentin ihren Song „Before I met
       you“ im Netz und bekam binnen kürzester Zeit einen Plattenvertrag. Seither
       gönnte sie sich keine Verschnaufpause, tourte ununterbrochen, die Hallen
       wurden zusehends größer. Zwischendurch tüftelte sie im Studio weitere
       Songideen aus. Auf der Straße blieb sie nicht mehr unerkannt. Den Trubel um
       ihre Künstlerperson konnte sie nie richtig verarbeiten: „Ich entwickelte
       Routinen, die nicht gut für mich waren. Irgendwann war ich total
       erschöpft.“
       
       Eine Therapie brachte sie wieder auf Kurs. Sie zog sich eine Weile aus den
       sozialen Medien zurück, entdeckte sich neu, sonst tat sie im Grunde nichts:
       „Mich machen vor allem einfache Dinge glücklich – Freunde treffen und Filme
       gucken.“ Sie geht gern wandern, am liebsten allein: „Im Idealfall begegnet
       mir meilenweit keiner. Das tut mir so gut.“ Dabei kann sie nämlich ihre
       introvertierte Seite pflegen: „Wie alle Menschen prägen mich die
       unterschiedlichsten Eigenschaften. Mal bin ich traurig, mal albern. Ich
       lerne gerade, all das zu verbinden und mich als ganzheitliche Person zu
       akzeptieren.“
       
       Das sieht man ihr auch äußerlich an. Banks färbt sich ihre Haare nicht mehr
       schwarz, sie ist zu ihrer Naturhaarfarbe Hellbraun zurückgekehrt. Auf dem
       Cover ihres neuen Albums hat sie ein rotes Kleid an, was vor drei Jahren
       vollkommen undenkbar gewesen wäre: „Ich habe damals eigentlich immer
       schwarze Sachen getragen. Sie waren für mich wie ein Schutzschild.“ Wieso
       sie das inzwischen abgelegt hat? „Ich bin offener geworden. Heute bekenne
       ich mich zu meiner Sanftmut.“
       
       5 Aug 2019
       
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