# taz.de -- „Welt“-Autorin gefeuert: Hickhack um Salomé Balthus
       
       > Die Sexarbeiterin hatte in ihrer Kolumne auch Vorwürfe gegen einen
       > Schweizer Talkmaster erhoben. Nun ist sie gefeuert. Oder?
       
 (IMG) Bild: Hanna Lakomy nennt sich auch Salomé Balthus – und schrieb bis vor kurzem für die „Welt“
       
       Berlin taz | Sie fand es unverschämt, im Fernsehen nach
       Missbrauchserfahrungen in der Kindheit gefragt zu werden. Nun darf die
       Autorin und Escort-Dame Salomé Balthus nicht mehr ihre Kolumne in der Welt
       schreiben. Die Digitalsparte des Blattes hat Balthus’ Kolumne [1][„Das
       Kanarienvögelchen]“ eingestellt, nachdem die Autorin in einem Text vom
       Sonntag Vorwürfe gegen den Talkmaster Roger Schawinski erhoben hat – und
       diesen dabei unsauber zitierte.
       
       Salomé Balthus schreibt seit 2018 für die Welt über Prostitution und
       Feminismus, „eine linke Kolumne in einem rechtsliberalen Medium“, wie sie
       gegenüber der taz sagt. Kürzlich war sie zu Gast [2][in der SRF-Talksendung
       des Schweizer Journalisten Roger Schawinski], worüber sie in ihrer jüngsten
       Kolumne schreibt. Darin kritisiert sie, der 73-Jährige Schawinski habe
       gefragt, ob sie als Kind von ihrem Vater (dem DDR-Musiker Reinhard Lakomy)
       sexuell missbraucht worden sei. Im Wortlaut ist dies wohl nie gefragt
       worden.
       
       „Dies können wir nicht tolerieren, denn so ein Vorgehen entspricht nicht
       unseren journalistischen Leitlinien“, begründet ein Welt-Sprecher die
       Trennung von Balthus. Deswegen habe man „den irreparablen Text“ gelöscht
       und die Kolumnistentätigkeit von Balthus für beendet erklärt. „Es ist
       natürlich unverzeihlich, falsch zu zitieren“, räumt Balthus gegenüber der
       taz ein. „Aber ich hatte nicht die Absicht zu täuschen.“
       
       An ihrer grundsätzlichen Kritik hält sie jedoch fest. Denn: In der Tat
       stellte Schawinski in der Sendung, die am Montag im Schweizer Fernsehen
       ausgestrahlt wurde, eine Frage zum Missbrauch – nach einem Einspieler, in
       dem Alice Schwarzer behauptet, eine „überwältigende Mehrheit“ der
       Prostituierten habe „in der Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren“. Direkt
       im Anschluss an den Clip fragt Schawinski: „Ist das auch bei Ihnen der Fall
       gewesen?“
       
       ## Don Alphonso bietet Zusammenarbeit an
       
       Ein bekanntes Diskreditierungsmuster sei es, Prostitution als Folge eines
       Traumas darzustellen, sagt Balthus jetzt. „Diese Art von Frage wollte ich
       in meiner Kolumne entlarven.“ Mit weitreichenden Folgen: Denn kurz nach
       Veröffentlichung wurde der Text kommentarlos von welt.de gelöscht – nach
       einem Anruf von Schawinski in der Redaktion, heißt es in Schweizer Medien.
       Eine „arge Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als
       Journalist“ sei die Kolumne für den Talkmaster gewesen, wird Schawinski
       zitiert.
       
       Nicht nur, dass der Text getilgt wird, Salomé Balthus erhält die Kündigung
       – per E-Mail von Welt-Digitalchef Oliver Michalsky, wie sie sagt. „Das hat
       mich total schockiert, ich bin unglaublich wütend.“ Sie habe bislang bei
       der Welt immer schreiben können, was sie wollte – sie habe sich für den
       Zitierfehler außerdem bei Michalsky entschuldigt. Man könne sich keinen
       Relotius leisten, soll laut Balthus in der Mail an sie stehen. Ein Gespräch
       habe es nicht gegeben, auf Mails und Anrufe von Balthus und ihres Agenten
       hätten weder Michalsky noch Chefredakteur Ulf Poschardt reagiert.
       
       Dafür aber ein anderer Welt-Autor: Rainer Meyer (bekannt als
       Rechtsaußen-Kolumnist Don Alphonso) habe Balthus eine Zusammenarbeit für
       die Reihe [3][„Die Stütze der Gesellschaft“] angeboten. Seitens der Welt
       heißt es auf Nachfrage, es gebe das Angebot an Balthus, eine gemeinsame
       Kolumne mit Meyer zu schreiben. Die aber winkt ab: „Auf keinen Fall werde
       ich mit dem Zusammenarbeiten, das wäre ja Selbstmord“, sagt sie.
       
       Meyer stehe für das Gegenteil von dem, was sie schreibe. Stattdessen denke
       sie darüber nach, den von welt.de gelöschten Text auf ihrem eigenen Blog zu
       veröffentlichen. Wie es zusammenpasst, dass man einer Autorin einen Verstoß
       gegen die „journalistischen Leitlinien“ attestiert, um sie dann für eine
       Kolumne unter Aufsicht anzufragen, das erklärt man bei der Welt nicht.
       
       11 Apr 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/
 (DIR) [2] https://www.srf.ch/play/tv/schawinski/video/salome-balthus-bei-schawinski?id=11c78ed4-ab66-47e9-b8f5-314363796536
 (DIR) [3] https://www.welt.de/kultur/stuetzen-der-gesellschaft/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Finn Holitzka
       
       ## TAGS
       
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