# taz.de -- Kommentar Flugverbot für Boeing 737: Sicher geht vor
       
       > Das von der EU und Deutschland verhängte Flugverbot ist eine richtige und
       > angemessene Risikovorsorge. Auch wenn die USA bisher nicht mitziehen.
       
 (IMG) Bild: In Europa aus dem Verkehr gezogen: die Boeing 737 MAX 8, hier eine geparkte Maschine in Indonesien
       
       Etlichen asiatische Ländern [1][reichte eine einzige Tatsache für ein
       Flugverbot:] Zwei neue Maschinen dieses Typs sind innerhalb weniger Monate
       kurz nach dem Start abgestürzt. Die Ursachen kennt niemand, es gibt viele
       Spekulationen und kaum Erkenntnisse. China, Indonesien und andere Länder
       haben mit Flugverboten für die 737 Max 8 und das Schwestermodell Max 9 eine
       Kettenreaktion ausgelöst. Mit einiger Verzögerung haben auch Deutschland
       und die EU ein Flugverbot erlassen. Die Botschaft von
       Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: Im Zweifels für die Sicherheit.
       
       Da hat der CSU-Politiker völlig recht. Das Flugverbot ist eine richtige und
       angemessene Risikovorsorge, gerade weil noch vieles unklar ist. Die
       Vorstellung, dass erst ein weiteres Unglück Gewissheit bringt, ist
       schockierend. Allerdings: Die jetzt an den Tag gelegte Risikovorsorge würde
       man sich gerade von der deutschen Bundesregierung generell wünschen.
       
       Was ist mit den [2][Risiken, die von dem Pestizid Glyphosat] ausgehen? Die
       Krebsforschungsagentur der WHO hält das Mittel für „wahrscheinlich
       krebserregend“. Doch darauf reagiert die Regierung nicht. Was ist mit
       einem Tempolimit von 130 Kilometern auf deutschen Autobahnen? Es besteht
       kein Zweifel daran, dass es Menschenleben retten würde – umstritten ist
       nur, ob in zweistelliger oder in dreistelliger Zahl. Und? Nichts passiert.
       
       Die [3][US-amerikanischen Behörden haben auf ein Flugverbot für die Boeings
       verzichtet]. Bis Redaktionsschluss haben sie es nicht erlassen, weil ihnen,
       anders als den Verantwortlichen in der EU, die Indizien für eine Gefahr
       nicht ausreichen. Die Rechte der Unternehmen haben dort einen höheren
       Stellenwert als die vorsorglichen Schutzinteressen der VerbraucherInnen.
       
       Hier wird greifbar, wie fundamental unterschiedlich der Umgang mit Risiken
       dies- und jenseits des Atlantiks ist. Noch nie wurde so deutlich, wie recht
       die FreihandelskritikerInnen hatten, die gegen das Handelsabkommen TTIP
       zwischen der EU und den USA protestierten und bei der Neuauflage von TTIP
       light hoffentlich wieder auf die Straße gehen.
       
       13 Mar 2019
       
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