# taz.de -- Die Fehler des US-Flugzeugsbauers: Boeings kulturelles Desaster
       
       > Manager haben nicht auf die Warnungen ihrer Testpiloten gehört. Sie
       > hielten blind an ihren Zielvorgaben fest.
       
 (IMG) Bild: In Reih' und Glied, aber nicht mehr lang: Der Bau der Boeing 737-Max wird eingestellt
       
       Es war eine Form der Realitätsverweigerung: Obwohl keine neuen Bestellungen
       mehr für das Katastrophenflugzeug 737 Max hereinkamen, hat Boeing die
       Maschinen weiterproduziert. Die [1][Nachricht vom Produktionsstopp]
       entspricht daher zunächst einem Eingeständnis der wahren Ausmaße des
       Problems. Denn anders als anfangs versichert, geht es nicht um eine
       Softwarepanne. Das Unternehmen hat ein grundlegendes Problem damit, wie es
       Flugzeuge entwirft und baut.
       
       Der Verdacht der Schlamperei kam schon kurz nach den Abstürzen in
       Indonesien und Äthiopien auf. Doch Experten und Öffentlichkeit zeigten sich
       zunächst ungläubig. Wie kann es denn sein, dass ausgerechnet der Entwurf
       eines Verkehrsflugzeugs kaum wirklich geprüft wurde? [2][Welches
       Unternehmen] würde es wagen, die Sicherheit von Menschen aufs Spiel zu
       setzen, um Kosten zu sparen oder um sich die Arbeit leichter zu machen?
       
       Wie im Fall der japanischen Atomindustrie, die mit [3][Fukushima Daiichi]
       ein veraltetes Kraftwerk an einer unsicheren Stelle trotz alarmierender
       Gutachten einfach weiterbetrieben hat, ist das Undenkbare dennoch
       geschehen. Mitarbeiter haben sich in internen E-Mails offenbar schon vor
       dem ersten Absturz über die grundsätzliche [4][Unsicherheit der
       eigensinnigen Flugsteuerung] ausgetauscht. Die Manager haben jedoch nicht
       auf die Warnungen der eigenen Testpiloten gehört. Sie haben blind an ihren
       Zielvorgaben festgehalten.
       
       Es geht für Boeing nun nicht mehr darum, ein technisches Problem zu lösen,
       sondern ein kulturelles. Der Fokus auf den Menschen war dort zum
       Lippenbekenntnis geworden. Die eigenen Mitarbeiter haben die Gefahren nicht
       mehr ernst genommen. Wer die Risiken kannte, durfte nicht offen
       kommunizieren.
       
       Die Genehmigungsbehörden müssen die Firmen daher künftig viel härter
       anfassen. Vertrauen gegenüber der Industrie war nie gut, doch wo es um
       Massenverkehrsmittel geht, ist strenge Kontrolle die einzige Option. Hier
       ähnelt das Flugzeugdesaster dem Dieselskandal: Die Aufseher haben den
       Herstellern zu sehr vertraut.
       
       17 Dec 2019
       
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