# taz.de -- Klimaaktivistin reagiert auf Gerüchte: Greta Thunberg und die Trolle
       
       > In einem langen Statement auf Facebook hat sich die Klimaaktivistin Greta
       > Thunberg gegen Vorwürfe gewehrt. Es gebe niemanden „hinter ihr“.
       
 (IMG) Bild: „Viele Menschen lieben es, Gerüchte zu streuen“: Greta Thunberg stellte nun einiges richtig
       
       Greta Thunberg hat bei Facebook [1][in einem langen Post] auf Vorwürfe
       reagiert, dass sie von jemandem gesteuert werde und Geld für ihre Proteste
       erhalte. „Ich habe beobachtet, dass über mich viele Gerüchte zirkulieren
       und enorme Mengen an Hass“, schreibt sie in ihrer Stellungnahme. „Deshalb
       möchte ich einige Sachen über meinen Schulstreik klarstellen.“
       
       Die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden, die jeden Freitag vor dem
       schwedischen Parlament gegen den Klimawandel protestiert, wurde in den
       vergangenen Wochen weltweit berühmt. Seitdem erlebt sie im Netz einen
       Shitstorm, der sich vor allem aus rechten Kreisen speist. Die
       Beschimpfungen zielen auf ihr Alter, ihr Geschlecht und ihre
       Asperger-Diagnose ab.
       
       Auch Publizisten und Medien aus dem rechten Spektrum beschäftigen sich mit
       der jungen Frau und verbreiteten in den vergangenen Tagen und Wochen das
       Gerücht, dass Greta Thunberg eine Art PR-Coup und Marionette von
       Unternehmern und Aktivisten sei.
       
       „Ich bin für eine Verschärfung des Tatbestands ‚Kindesmissbrauch‘, um auch
       solche Fälle verfolgen zu können wie den der bereits erwähnten Greta aus
       Schweden, die von den Klimarettern zur Ikone ihrer Bewegung erkoren wurde“,
       [2][sagte beispielsweise der Publizist Henryk M. Broder] vergangene Woche
       in seiner Rede vor der AfD-Fraktion im Bundestag.
       
       ## „Altklug und verhaltensgestört“
       
       „Ein 16-jähriges Mädchen, altklug und verhaltensgestört, von
       Untergangsphantasien verfolgt und von der Idee besessen, die Welt retten zu
       müssen, wird innerhalb weniger Wochen zur Ikone einer neuen Jugendbewegung.
       Mit dem Missbrauch Minderjähriger kennen sich die Grünen aus“, schrieb der
       deutsche Anwalt Joachim Steinhöfel [3][auf Twitter].
       
       „Wir basteln uns eine Klima-Ikone“, titelte die Schweizer Weltwoche. In dem
       Text vom 23. Januar 2019 schrieb die schwedische Journalistin Katerina
       Janouch, die dem rechten Spektrum zugerechnet wird, hinter „Klima-Greta“
       stecke eine PR-Kampagne von Umweltaktivisten, die das Mädchen für ihre
       Zwecke „als Zugpferd benutzen, um Spendengelder einzusammeln und linke
       Botschaften zu verbreiten“. Mehrere Nachfolgetexte in rechten Blogs
       beziehen sich auf den Weltwoche-Text.
       
       In ihrem langen Facebook-Post reagierte Greta Thunberg auf die Kritik. Sie
       beschreibt, wie der Umweltaktivist Bo Thorén sie im Mai 2018 kontaktierte,
       nachdem sie einen Schreibwettbewerb in einer schwedischen Zeitung gewonnen
       hatte. Thorén gehört dem Umweltverband Fossil Free Dalsland an und der
       internationalen Graswurzelbewegung Extinction Rebellion.
       
       „Ich hatte ein paar Telefonkonferenzen mit anderen Aktivisten“, schreibt
       Greta Thunberg in ihrem Post. Sie wollten Ideen entwickeln, wie sie
       Aufmerksamkeit auf die Klimakrise lenken könnten. Bo Thorén habe einige
       Ideen gehabt – von Demonstrationen bis hin zu Schulstreiks. Diese Idee war
       inspiriert von den Studenten aus Parkland, schreibt Greta, die sich nach
       dem Amoklauf an ihrer Schule geweigert hatten, zur Schule zu gehen.
       
       „Ich mochte die Idee eines Schulstreiks“, schreibt Greta Thunberg. Also
       entwickelte sie die Idee weiter und wollte andere junge Leute überzeugen,
       sich ihr anzuschließen. Da sie keinen Erfolg hatte, beschloss sie, alleine
       in den Streik zu treten. Sie nahm an keinen weiteren Konferenzen mehr teil.
       
       Ihre Eltern waren laut Greta Thunberg davon nicht besonders begeistert.
       „Sie sagten, wenn ich das tun würde, müsste ich es alleine tun und ohne
       ihre Unterstützung.“ Also begann sie am 20. August 2018 mit ihrem Streik.
       Sie habe dann einen Post bei Instagram und Twitter veröffentlicht, der
       schnell geteilt wurde. Journalisten und Zeitungen wurden auf sie
       aufmerksam. Unter den ersten Menschen, die auf sie zukamen, war der
       schwedische Unternehmer Ingmar Rentzhog, der das Start-up und die
       Klimaplattform [4][wedonthavetime.org] gegründet hat. „Er sprach mit mir
       und machte Fotos, die er auf Facebook postete“, schreibt Greta Thunberg.
       Sie habe vorher noch nie mit ihm zu tun gehabt.
       
       ## Sie habe nie Geld erhalten, schreibt Greta Thunberg
       
       „Viele Menschen lieben es, Gerüchte zu streuen, dass es Menschen ,hinter
       mir’ gebe oder dass ich ,bezahlt’ werde oder ,benutzt’, das zu tun, was ich
       tue“, schreibt sie weiter. „Aber es gibt niemanden ,hinter’ mir außer mir
       selbst.“
       
       Sie gehöre keiner Organisation an. Manchmal kooperiere sie mit
       verschiedenen NGOs, die sich mit dem Klima und der Umwelt beschäftigen.
       „Aber ich bin absolut unabhängig und repräsentiere nur mich selbst.“ Sie
       habe außerdem von niemandem Geld erhalten – genauso wenig wie ihre Familie.
       Ihre Eltern bezahlen ihre Zugtickets und ihre Unterkünfte. Manchmal frage
       sie Wissenschaftler um Hilfe, wenn sie ihre Reden formuliere, da sie keine
       Fehler machen möchte.
       
       „Manche Menschen verhöhnen mich wegen meiner Diagnose“, schreibt sie
       weiter. „Aber Asperger ist keine Krankheit, sondern ein Geschenk.“ Wäre sie
       „normal“ und sozial, hätte sie sich einer Organisation angeschlossen oder
       eine Organisation gegründet. Aber da sie nicht so gut darin sei, sich mit
       Leuten zusammenzutun, habe sie eben alleine mit dem Schulstreik begonnen.
       Manchmal habe es einen größeren Effekt, etwas nicht zu tun. „Genauso wie
       ein Flüstern manchmal lauter ist als ein Schrei.“
       
       Gegen ein Argument könne sie nichts sagen, schreibt sie zum Schluss. Und
       das sei der Fakt, dass sie „nur ein Kind sei und man nicht auf Kinder hören
       solle“. Aber das könne leicht behoben werden – man müsse sich nur auf die
       Wissenschaft verlassen. „Wenn jeder den Wissenschaftlern zuhören würde und
       den Fakten, auf die ich mich die ganze Zeit beziehe – dann würde niemand
       mir zuhören müssen oder den Hunderttausenden Schülern, die auf der ganzen
       Welt für das Klima streiken. Dann könnten wir alle zurück in die Schule
       gehen.“
       
       4 Feb 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.facebook.com/gretathunbergsweden/posts/767646880269801?__xts__%5B0%5D=68.ARAxJaL0QTWKrb9qqkCMMc2SEotGHHE9--Rt-BdpHxGLimf8znN1weV_PSqxSuk6UekNbSsE8xel-j7CJFu_Jg4OijxQv96T4is3Hud0xeG_rs9DPkqjmgZvEuWjbOw5pSS6ek9jQ_hx09Y_49mNzobxN9wkW_CKpxlzgWoj8--9aZqU_CHOTd9cpR1lgR6L_PuuzujHgBHuEOFbnWiYv25A8xrr6Ig-3debLAephRvd2JW36eDANXsPK5m2pe9gheXIs09zVFI7JR2Hb-UBqU9PUZ2AqJJ_kF4wx9HyIzZ5VuumbIIUl5wd7aeQHdHIm9JXV_8IcJW8s5L_x3QOaoU&__tn__=K-R
 (DIR) [2] /Juedischer-Autor-bei-der-AfD/!5567331
 (DIR) [3] https://twitter.com/Steinhoefel/status/1089078655920324608
 (DIR) [4] http://wedonthavetime.org
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffi Unsleber
       
       ## TAGS
       
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