# taz.de -- Neues Wohnkonzept für Flüchtlinge: Man darf ruhig kleiner denken
       
       > Friedrichshain-Kreuzberg hat eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, wie
       > Flüchtlingswohnen und Integration zusammengehen können. Ein
       > Wochenkommentar.
       
 (IMG) Bild: Wirkt ein wenig wie ein Ufo – zumal mit dem notwendigen Sicherheitszaun: Fast fertige „MUF“ (Modulare Unterkunft für Flüchtlinge) im Märkischen Viertel im April 2018
       
       Für eine richtig gute Idee hält sie wohl niemand: Massenunterkünfte für 400
       bis 500 Flüchtlinge an ein und demselben Ort. Man muss kein „besorgter
       Bürger“ sein, um zu erkennen, dass die lokale Integration von so vielen
       NeubürgerInnen mit sprachlich-kulturell ganz verschiedenen Backgrounds für
       jede Nachbarschaft eine – vorsichtig formuliert – große Herausforderung
       ist. Dennoch gibt es von solchen Unterkünften Dutzende in der Stadt – und
       es sollen sogar noch mehr werden, wenn es nach dem Senat geht.
       
       Aber was passiert, wenn es in den Kiezen und Bezirken Widerstand gibt? Und
       wenn der Widerstand nicht von ressentimentgetriebenen „Wutbürgern“ kommt,
       sondern von Leuten, die durchaus mit Flüchtlingen leben, sie in ihrer Mitte
       aufnehmen wollen – aber nicht selber dafür verdrängt werden wollen, weil es
       so viele sind?
       
       Die Menschen, die auf dem Areal Ratiborstraße 14 arbeiten, versuchen seit
       fast einem Jahr diesen Spagat hinzubekommen: mit einem Konzept, das maximal
       150 Flüchtlingen Wohnraum bietet, ihr bestehendes Gewerbe erhält – und
       vielleicht sogar Arbeitsmöglichkeiten für die neuen Nachbarn bietet. Diese
       Woche hat Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) von
       Friedrichshain-Kreuzberg die Machbarkeitsstudie vorgestellt, die erklärt,
       wie das gehen kann.
       
       Klar ist: Damit solche Projekte, die sehr sinnvoll scheinen, möglich werden
       können, braucht es mehr Raum. Denn wenn die Bezirke kleiner bauen wollen –
       in Mitte denkt man in dieselbe Richtung wie in Kreuzberg –, brauchen sie
       mehr als zwei Standorte. Denn die Vorgabe des Senats, dass jeder Bezirk
       rund 1.000 Plätze bauen soll, ist angesichts der Wohnraumknappheit in der
       Stadt ja ebenfalls sinnvoll.
       
       ## Der Senat sollte keinen Zeitdruck machen
       
       Wie Baustadtrat Schmidt der taz nun am Freitag sagte, hat sein Bezirk in
       der Tat drei weitere Grundstücke für kleinere MUFs– die Modularen
       Unterkünfte für Flüchtlinge – im Visier. Für diese drei müssten nun,
       ähnlich wie für die Ratibor, individuelle Konzepte entwickelt werden, was
       dort jeweils möglich und integrationspolitisch sinnvoll ist.
       
       Das aber braucht Zeit. Der Senat sollte daher nicht darauf bestehen, dass
       die Bezirke das ursprüngliche „Masse statt Klasse“-Konzept umsetzen müssen,
       das in Zeiten voller Turnhallen geschrieben wurde und die Stadt mit
       Großunterkünften zupflastern wollte. Heute kommt es darauf an, neu
       ankommende Menschen – so viele sind es ja nicht mehr – gut und langfristig
       unterzubringen. Das Konzept Ratibor könnte dafür in der Tat eine Blaupause
       sein.
       
       3 Feb 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Memarnia
       
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