# taz.de -- Starttermin trotz ausstehendem Urteil: Pkw-Maut soll 2020 kommen
       
       > Bundesverkehrsminister Scheuer legt den Starttermin für das umstrittene
       > Projekt fest. Dabei muss der Europäische Gerichtshof noch darüber
       > entscheiden.
       
 (IMG) Bild: Drohung oder Versprechen? Verkehrsminister Scheuer will 2020 die Pkw-Maut einführen
       
       Berlin taz | Die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
       (CSU) zum definitiven Start der Pkw-Autobahnmaut für AutofahrerInnen aus
       dem Ausland stößt auf scharfe Kritik des ökologischen Verkehrsclubs (VCD)
       und der Grünen. Obwohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) noch über die
       Rechtmäßigkeit des Projekts entscheiden muss, hat Scheuer den Start der
       AusländerInnen-Maut für Oktober 2020 als „fix“ bezeichnet.
       
       „Es ist absurd, dass der Zeitpunkt für den Start festgelegt wird, bevor der
       EuGH entschieden hat“, sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher
       des VCD, der taz. Lottsiepen geht davon aus, dass der EuGH das Projekt in
       der geplanten Form stoppen wird. „Die Kosten, die bereits jetzt entstehen,
       muss der Steuerzahlen tragen“, kritisierte er. Auch die Grünen fordern
       Zurückhaltung bei den Ausgaben für die Autobahngebühr. „Größere
       Investitionen zur Errichtung der Maut müssen unterbleiben“, forderte Oliver
       Krischer, Vize-Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Grünen. „Es ist
       unverantwortlich, Millionen für ein Projekt auszugeben, dass vor dem
       europäischen Gerichtshof durchaus scheitern kann.“
       
       Die Pkw-Maut für „gebietsfremde“ Fahrzeuge, also nicht in Deutschland
       zugelassene Pkw, war das Vorzeigeprojekt der CSU im vorvergangenen
       Bundestagswahlkampf. Sie ist allerdings auch in der Union umstritten. Der
       Bundestag hat die Einführung trotzdem 2017 beschlossen. „Die Pkw-Maut kommt
       zum Oktober 2020“, sagte [1][Scheuer jetzt in seiner Twitterbotschaft zum
       neuen Jahr].
       
       Für die Maut soll eine elektronische Vignette eingeführt werden. Der Preis
       ist von der Größe des Fahrzeugs, der Schadstoffklasse und dem
       Kraftstoffverbrauch abhängig. Bei Wohnmobilen hängt der Preis vom Gewicht
       ab. Für alle Fahrzeuge sieht das Verkehrsministerium eine Höchstgrenze von
       130 Euro im Jahr vor. In Deutschland lebende AutohalterInnen sollen über
       die Kfz-Steuer entlastet werden. Mit der Maut werde Gerechtigkeit auf den
       Straßen geschaffen, sagte Scheuer in seiner Neujahrbotschaft, und zwar
       „ohne Mehrbelastung für Inländer.“ FahrerInnen mit im Ausland zugelassenen
       Fahrzeugen können zwischen Vignetten mit einer Gültigkeit von zehn Tagen,
       zwei Monaten oder einem Jahr wählen. Die Vignetten sollen über eine App und
       an Tankstellen sowie speziellen Terminals gekauft werden können.
       
       ## Österreich und die Niederlande klagen
       
       Die entsprechenden Verträge mit den Firmen, die für das Eintreiben und die
       Kontrolle der Maut zuständig sind, wurden Ende 2018 unterzeichnet. Dabei
       handelt es sich um das auf Ticketverkauf und Live-Veranstaltungen
       spezialisierte Unternehmen CTS Eventim aus Deutschland und die Firma Kapsch
       TrafficCom aus Österreich. Das ist pikant. [2][Denn ausgerechnet Österreich
       hat] – wie die Niederlanden – vor dem EuGH Klage gegen das Projekt
       eingereicht. Nach Ansicht der österreichischen Regierung werden
       ausländische AutofahrerInnen durch die Maut diskriminiert.
       
       Das Urteil des EuGH wird für Mitte des Jahres erwartet. Dessen ungeachtet
       wurden 86 Millionen Euro für die Maut in den Bundeshaushalt 2019
       eingestellt, davon sind 29 Millionen Euro für Personal vorgesehen. Das
       Verkehrsministerium rechnet damit, dass der Bund durch nicht in Deutschland
       zugelassene Fahrzeuge jährlich rund 830 Millionen Euro einnimmt. Die
       Betriebskosten werden mit 210 Millionen Euro veranschlagt. Falls sich diese
       Kalkulation bestätigt, soll übrige Geld für den Ausbau der Straßen des
       Bundes verwendet werden.
       
       ## Maut ist nicht grundsätzlich falsch
       
       „Mit der Pkw-Maut droht ein Bürokratiemonster, dass mehr kostet als es
       einbringt“, sagte der grüne Fraktionsvize Krischer. Er bezweifelt, dass der
       anvisierte Starttermin realisiert werden kann. „Es müssen viele
       hochqualifizierte Stellen im Verkehrsministerium besetzt werden und das in
       wenigen Monaten. Der Stellenmarkt ist aber gerade leer gefegt“, sagte
       Krischer.
       
       Der Verkehrsclub VCD ist nicht grundsätzlich gegen eine Gebühr für
       Straßennutzung, aber gegen die geplante. „Diese Maut ist unsozial und
       ausländerfeindlich“, sagte Verkehrsexperte Lottsiepen. Denn sie werde
       unabhängig von den gefahrenen Kilometer erhoben. „Viel besser wäre eine
       fahrleistungsabhängige Maut für alle“, sagte er. Die geplante Gebühr dränge
       Autofahrer auf Landstraßen – auf denen bestehe eine erhöhte Unfallgefahr.
       Statt einer Maut nach Schadstoffklasse und Verbrauch des Autos fordert
       Lottsiepen die [3][Einführung einer Besteuerung des CO2-Ausstoßes]. „Das
       ist viel effektiver“, sagte er.
       
       2 Jan 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/AndiScheuer/status/1080075192376979456/video/1
 (DIR) [2] /Kommentar-Klage-wegen-Autobahnmaut/!5452577
 (DIR) [3] /Vor-dem-G20-Finanzministertreffen/!5389896
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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