# taz.de -- Ackerböden verlieren Nährsubstanz: Humus im Minus
       
       > Humus, der wichtige Teil des Ackerbodens, wird in Deutschland zusehends
       > weniger. Darunter leiden Fruchtbarkeit und Klima.
       
 (IMG) Bild: Locker, flockig, nährstoffreich: Humus
       
       Berlin taz | Der durchschnittliche Ackerboden in Deutschland verliert
       Humus. Das legen am Mittwoch veröffentlichte Modellrechnungen [1][des
       bundeseigenen Thünen-Forschungsinstituts] nahe. Humus besteht aus
       organischem Kohlenstoff und bindet Treibhausgas, Wasser sowie Nährstoffe.
       Oder negativ formuliert: Humusverlust beschleunigt den Klimawandel und kann
       die Ernte verringern.
       
       Dass die Humusgehalte von Wiesen und Feldern [2][auf trockengelegten
       Moorböden] zurückgehen, ist bekannt. Sie machen nur etwa 6 Prozent der
       Agrarfläche aus. Doch die erste „Bodenzustandserhebung Landwirtschaft“
       zeigt: In den kommenden zehn Jahren wird der durchschnittliche Hektar auch
       des übrigen, „grundwasserfernen“ Ackerlands in der wichtigen Schicht bis 30
       Zentimeter Tiefe wohl 0,21 Tonnen organischen Kohlenstoff jährlich
       verlieren.
       
       Es werden also jeweils 0,4 Prozent des Humus abgebaut, wenn Klima und
       Bewirtschaftung unverändert bleiben. In Ostdeutschland sind es 0,5, im
       Norden 0,4 und im Süden 0,2 Prozent. Bei Wiesen und Weiden
       („Dauergrünland“) dagegen sehen die Forscher im Bundesschnitt „keine
       signifikante Änderung“.
       
       Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte bei der Vorstellung des
       Bodenberichts zwar, man könne noch nicht sagen, wie sich die Humusmenge
       entwickele. Denn die Wissenschaftler haben bisher nur einmal den
       organischen Kohlenstoff an 3.104 repräsentativen Punkten unter Agrarflächen
       gemessen. Doch zusätzlich haben sie Bauern befragt, etwa wie viel Mist sie
       ausgebracht haben, der Humus bilden kann.
       
       ## Zu wenig Luzerne
       
       Alle Daten haben die Wissenschaftler in erprobte Modelle eingespeist, um
       eine Prognose zu erstellen. Dass sie auch in diesem Fall zuverlässig ist,
       legen Messungen unter knapp 140 Flächen nahe, die schon seit Jahren von
       mehreren Bundesländern beobachtet werden. Auch sie zeigen Humusverluste.
       
       Warum also der Rückgang? „Humus wird ja gebildet aus Biomasse, die in den
       Boden reinkommt: Stroh, Wurzelreste, Erntereste, Kompost, organischer
       Dünger wie Gülle oder Stallmist“, antwortet Co-Autor Axel Don der taz.
       „Davon bleibt einfach weniger auf dem Acker, wenn man zum Beispiel Stroh
       abfährt und energetisch nutzt.“
       
       Zudem würden die Landwirte schon seit Jahrzehnten in ihren Fruchtfolgen
       weniger Pflanzen wie Kleegras und Luzerne anbauen, deren Wurzeln besonders
       tief in den Boden eindringen und nach der Ernte zu Humus werden können.
       „Luzerne gibt es quasi nur noch bei Ökobauern. Und Luzerne ist einfach eine
       Kulturart, die unheimlich wichtig ist für den Humusaufbau“, so Don.
       
       „Aber wir sind uns nicht sicher, denn es gibt eine zweite Möglichkeit: Das
       ist der Klimawandel“, ergänzt der Forscher. „Wir haben ja schon eine
       Temperaturerhöhung von über 1 Grad. Je wärmer es wird, je aktiver sind die
       Mikroorganismen, die den Humus abbauen. Wir haben ausgerechnet, dass, wenn
       wir 1 Grad Temperaturerhöhung haben, brauchen wir 14 Prozent mehr
       Erntereste, um den Humus auf gleichem Niveau zu erhalten.“
       
       ## Tierhaltung besser verteilen
       
       Aber warum ist der Humusrückgang gerade im Osten so hoch? „Da ist in den
       1990er Jahren quasi die gesamte Tierhaltung zusammengebrochen. Deswegen
       haben wir keinen organischen Dünger tierischer Herkunft mehr dort.“
       
       Gut wäre es Don zufolge deshalb, die Tierhaltung in Deutschland besser zu
       verteilen: Weniger Vieh zum Beispiel in Niedersachsen, wo bisher sehr viele
       Tiere konzentriert sind, mehr in Brandenburg. Für sinnvoll hält es der
       Wissenschaftler zudem, wieder mehr Luzerne oder Kleegras anzubauen, das zum
       Beispiel in Biogasanlagen verwertet werden könnte.
       
       Ministerin Klöckner sagte, auch durch Humusaufbau lasse sich der
       Klimawandel bekämpfen. Wie genau sie für mehr Humus sorgen will, ließ sie
       allerdings offen.
       
       5 Dec 2018
       
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