# taz.de -- Verfolgung in der Türkei: Menschenrechtler festgenommen
       
       > Die türkische Polizei hat erneut Akademiker und Zivilgesellschaftler
       > festgenommen. Alle kommen aus dem Umfeld des inhaftierten
       > Menschenrechtlers Kavala.
       
 (IMG) Bild: Osman Kavala und den anderen Verhafteten wird ein Umsturzversuch vorgeworfen
       
       Istanbul dpa | Mehr als zwei Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei
       gehen Behörden dort weiter gegen angebliche Staatsfeinde und Terroristen
       vor. In einer groß angelegten Aktion in Istanbul und drei weiteren
       Provinzen gingen Beamte der Abteilung für organisiertes Verbrechen am
       frühen Morgen zunächst gegen Akademiker*innen und Mitglieder der
       Zivilgesellschaft vor.
       
       Wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete, richtete sich die Operation
       gegen 20 Personen aus dem Umfeld des [1][Vorsitzenden des Kulturinstituts
       Anadolu Kültür, Osman Kavala]. Nach teilweise widersprüchlichen
       Informationen wurden mindestens 7 bis 13 von insgesamt 20 Gesuchten
       festgenommen. Anadolu Kültür arbeitet auch mit dem Goethe-Institut in
       Istanbul zusammen. Unter den Festgenommenen befinden sich Yigit Ekmekci,
       Vizechef von Anadolu Kültür, Turgut Tarhanli, Dekan der juristischen
       Fakultät der Istanbuler Bilgi Universität und Mathematikproffessorin Betül
       Tanbay.
       
       Kavala, ein renommierter Geschäftsmann und Intellektueller, war schon
       [2][vor mehr als einem Jahr festgenommen] worden. Seitdem sitzt er ohne
       Anklageschrift in Untersuchungshaft, was international scharf verurteilt
       wurde. Kavalas Anwälte sagen, ihm werde vorgeworfen, in Verbindung mit
       Ausländern gestanden zu haben, die eine „Rolle“ beim Putschversuch vom Juli
       2016 gespielt haben sollen. Außerdem werde ihm im Zusammenhang mit den
       regierungskritischen Gezi-Park-Protesten von 2013 versuchter Umsturz der
       Regierung vorgeworfen.
       
       Die Zeitung Cumhuriyet, die [3][seit ihrem Leitungswechsel im September in
       Regierungsnähe gerückt] ist, berichtete unter Berufung auf die Istanbuler
       Polizei, dass die 20 Verdächtigen mit Kavala zusammengearbeitet hätten.
       Gemeinsam hätten sie unter anderem die Gezi-Park-Demonstrationen
       auszuweiten versucht. Zum Beispiel hätten sie „Ausbilder“ und „Aktivisten“
       für die Proteste aus dem Ausland in die Türkei gebracht.
       
       ## Tausende Festnahmen seit Putschversuch
       
       Gleichzeitig wurden im Rahmen von Operationen gegen angebliche Mitglieder
       der [4][Bewegung des Predigers Fethullah Gülen] in Istanbul weitere 14
       Personen wegen „Terrorfinanzierung“ festgenommen. Die türkische Regierung
       macht Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich und hat seither
       Zehntausende Menschen festnehmen lassen. Die Festnahmen gehen auch [5][nach
       Ende eines zweijährigen Ausnahmezustands] weiter und werden international
       kritisiert.
       
       Laut DHA gingen im westtürkischen Izmir Sicherheitskräfte unterdessen auch
       gegen Kleinhändler vor, die der Gülen-Bewegung angehören sollen, und nahmen
       17 Menschen fest. Gleichzeitig begann die Staatsanwaltschaft in Ankara im
       Rahmen einer weiteren Anti-Gülen-Operation, nach insgesamt 188 Menschen aus
       26 Provinzen zu fahnden. Unter ihnen seien 100 Mitglieder der Luftwaffe
       sowie 88 Imame. Einige der Gesuchten seien bereits in Haft.
       
       Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hatte am Donnerstag
       [6][Innenminister Süleyman Soylu] im Parlament neue Zahlen zu den
       umfassenden Fahndungsaktivitäten gegen angebliche Gülenisten und
       Terroristen vorgestellt. Demzufolge seien seit dem Putschversuch rund 218
       000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zu den Putschisten festgenommen
       worden. Davon seien 16 .684 bereits verurteilt und 14 .750 befänden sich
       weiter in Untersuchungshaft.
       
       16 Nov 2018
       
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