# taz.de -- Erster Trans*-Mensch im Parlament: Aus dem Schatten treten
       
       > Markus Ganserer lebt zwischen den Geschlechtern und will sich für keines
       > entscheiden. Außerdem sitzt Ganserer für die Grünen im bayerischen
       > Landtag.
       
 (IMG) Bild: Markus Ganserer, Mitglied des bayerischen Landtages und transident
       
       München taz | „Siehst gut aus!“, schreibt die Landtagsabgeordnete der
       Grünen, Kerstin Celina, schlicht als Antwort auf den Tweet ihres
       Fraktionskollegen Martin Ganserer. In diesem ist das Bild einer Frau mit
       langen blonden Haaren zu sehen, dezentes Make-up, Perlenkette. Die Frau ist
       Ganserer, das Foto illustriert einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, in
       dem der Parlamentarier sich nun als transgender geoutet hat. In den USA
       wäre eine Transgender-Frau gerade beinahe Gouverneurin geworden, in
       Deutschland ist es das erste solche Coming-out.
       
       Eigentlich bevorzugt Ganserer die Bezeichnung trans-ident, doch der
       besseren Verständlichkeit halber nennt auch er sich transgender. Oder
       einfach nur trans* – was sich praktischerweise auch noch auf Gans reimt.
       Wortspiele mit dem eigenen Namen gefallen Ganserer nämlich, sein Slogan
       lautet „Gans Grün“, die Gans hat er sich auch zum persönlichen Maskottchen
       erkoren, er verwendet ein eigenes Logo, auf dem der Vogel an der
       Sonnenblume der Grünen vorbeifliegt.
       
       „Ich will leben, wie ich leben will, denn ich will ich sein, anders kann
       ich nicht sein. Hier bin ich, ich bin trans*, ich kann nicht anders“,
       [1][schrieb Ganserer auf Twitter], als er den Artikel über sein Coming-out
       teilte – dazu noch der Hashtag [2][#ZukunftWirdAusMutGemacht]. Er wechsle
       zwischen den zwei Geschlechtern, erklärte Ganserer der Süddeutschen.
       Entscheiden wolle er sich für keines.
       
       Künftig wolle er sein weibliches Ich häufiger ausleben – nicht nur alle
       zwei Wochen beim Spaziergang durch Nürnberg oder daheim hinter
       verschlossenen Türen. Auf der politischen Bühne will Ganserer Mann bleiben,
       sich aber stärker für die Rechte von Transgender-Menschen einsetzen.
       
       ## Kein leichtes Coming-out
       
       Der 41-jährige Forstwirt ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bei den
       Landtagswahlen im Oktober hat er das Direktmandat nur knapp verfehlt. In
       seinem Stimmkreis Nürnberg-Nord bekam Ganserer 25,9 Prozent der
       Erststimmen. Aufgewachsen ist er im Bayerischen Wald. Seit 1998 ist er bei
       den Grünen, seit 2013 sitzt er als Abgeordneter im Bayerischen Landtag.
       Seinen Arbeitsplatz hatte er jedoch schon zuvor hier; er war Mitarbeiter
       des grünen Urgesteins Christian Magerl, und in dieser Funktion Nachfolger
       von Toni Hofreiter, dem Fraktionschef im Bundestag. In der abgelaufenen
       Legislatur war Ganserer verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, saß
       im Verkehrsausschuss. Zu seinen Schwerpunktthemen zählt der Ausbau des
       öffentlichen Personennahverkehrs.
       
       Leicht sei ihm das Coming-out nicht gefallen, gibt Ganserer zu. „Mir graut
       vor dummen Kommentaren. Die Erleichterung, endlich offen leben zu können,
       ist aber größer.“ Dass er trans* sei, habe er selbst erst vor zehn Jahren
       entdeckt. Seine Frau habe ihn jetzt ermutigt, aus dem Schattendasein
       herauszutreten.
       
       Jeder kenne einen Transgender-Menschen, glaubt Ganserer, die meisten
       wüssten es nur nicht. Nur Schuhverkäufer müssten ahnen, wie viele
       Transgender-Menschen es gibt – wenn sie mal darüber nachdächten, wie viele
       Männer Damenschuhe in großen Größen kaufen.
       
       11 Nov 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/KerstinCelina/status/1061005469580488704
 (DIR) [2] https://twitter.com/search?q=%23ZukunftWirdAusMutGemacht&src=typd&lang=de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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