# taz.de -- Grüne kritisieren Bundesregierung: Wer überprüft die Bundeswehr?
       
       > Im Bundeswehr-Mandat für den Irak ist die Evaluation eines
       > Auslandseinsatz vorgeschrieben. Unabhängige Experten bleiben außen vor.
       
 (IMG) Bild: Ursula von der Leyen zu Besuch in einer Bundeswehr-Lehrwerkstatt im Nord-Irak
       
       Berlin taz | Im Mandat für den Bundeswehreinsatz im Irak steckt eine
       ungewöhnliche Klausel. Und zwar unter Punkt 6: Das Mandat läuft bis Oktober
       2019, steht dort – aber schon ein halbes Jahr vorher soll der Erfolg der
       Mission evaluiert werden. „Der deutsche Beitrag (…) wird zum 30. April 2019
       überprüft“, heißt es im Mandatstext. Über das Ergebnis soll die Regierung
       den Bundestag informieren. Das wäre eine Premiere: Eine solche
       [1][Evaluierung von Auslandseinsätzen] war in vorherigen Mandaten nicht
       vorgeschrieben.
       
       Durchgeführt wird die Überprüfung aber nicht von unabhängigen Experten,
       sondern von der Bundesregierung selbst. Das geht aus der Antwort auf eine
       Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. „Die zuständigen Ressorts der
       Bundesregierung werden die Überprüfung des deutschen Beitrags (…) gemeinsam
       durchführen.“ Die „Einbindung externer Akteure“ sei nicht vorgesehen.
       
       Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger kritisiert das. „Wenn die
       Bundesregierung die Einsätze und ihre eigene Strategie selbst überprüft,
       ist eine kritische Evaluation wohl kaum zu erwarten“, sagte sie der taz.
       „Das Ergebnis wird einmal mehr ein oberflächliches Papier sein, das die
       Realität schönzeichnet und dem die kritische Perspektive fehlt.“
       
       Neu ist die Debatte nicht: [2][Konfliktforscher, Friedensaktivisten und
       auch die Grünen fordern schon seit Jahren], Bundeswehreinsätze
       kontinuierlich zu evaluieren. Sie wollen externe Wissenschaftler während
       und nach jedem Einsatz überprüfen lassen, ob die Bundeswehr die jeweiligen
       Ziele erreicht und welche Auswirkungen ihre Präsenz sonst noch hat. Daraus
       soll die Regierung dann Lehren für zukünftige Einsätze ziehen.
       
       ## Norwegen legt vor
       
       Vorbild ist Norwegen. Die Regierung dort [3][setzte schon 2014 eine
       Kommission ein], die großteils aus unabhängigen Experten bestand und den
       norwegische Afghanistan-Einsatz bilanzierte. In Deutschland evaluiert die
       GIZ regelmäßig ihre Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit – [4][teils
       intern, teils extern].
       
       Im Gegensatz dazu will die Bundesregierung den Irak-Einsatz also komplett
       alleine evaluieren. Und eine Ausweitung plant sie offenbar nicht: Die
       Grünen fragten im Bundestag auch, ob es denn ein Konzept für die Evaluation
       anderer Auslandseinsätze gibt. In der Antwort verweist das
       Verteidigungsministerium nur darauf, dass es dem Parlament nach Einsätzen
       schon heute Abschlussberichte vorlegt. Die sind aber kurz und wenig
       analytisch – Evaluation geht anders.
       
       2 Nov 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundeswehrsoldaten-im-Ausland/!5490242
 (DIR) [2] https://www.hsfk.de/fileadmin/HSFK/hsfk_publikationen/report0816.pdf
 (DIR) [3] https://thruttig.wordpress.com/2016/10/20/selbstkritisches-norwegen-der-bericht-zum-afghanistan-einsatz-und-deutschland/
 (DIR) [4] https://www.giz.de/fachexpertise/html/4987.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
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