# taz.de -- Rechte Krawalle zur EM 2016 in Lille: Sächsischer Beamter suspendiert
       
       > Bei der Fußball-EM 2016 in Frankreich randalierten deutsche Neonazis in
       > Lille. Mit dabei: ein sächsischer Beamter, der nun freigestellt wurde.
       
 (IMG) Bild: On Fire: Dynamo Dresden Fans bei einem Auswärtsspiel 2011
       
       Berlin taz | [1][Ein zwei Jahre altes Foto aus dem nordfranzösischen Lille]
       hat laut einem Medienbericht dazu geführt, dass ein Beamter des sächsischen
       Finanzministeriums vom Dienst freigestellt wurde.
       
       Das Foto zeigt [2][Männer, die während der Fußball-Europameisterschaft 2016
       vor dem Bahnhof in Lille posieren – mit Reichskriegsflagge und dem Banner
       „Dresden-Ost“]. Wie die [3][Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) berichtet],
       ist auf dem Foto offenbar auch ein junger Beamter der sächsischen
       Finanzverwaltung zu sehen. Das Ministerium hat bereits auf die Vorwürfe
       reagiert und den Beamten suspendiert.
       
       Offengelegt hatte die brisante Personalie laut DNN bereits Ende 2017 das
       Antifa-Rechercheteam Dresden in einem Blog-Eintrag. Die Beobachter der
       rechtsextremen Szene hatten den Beamten aus dem sächsischen
       Finanzministerium, der auch auf dem Bild zu sehen sein soll, nach eigenen
       Angaben zuvor schon bei ausländerfeindlichen Demos gesehen und rechnen ihn
       der rechten Fangruppierung „SGD (Sportgemeinschaft Dynamo) Supporters
       Bautzen“ zu. Er gelte als Aktivist der ostsächsischen Naziszene, so die
       DNN.
       
       Nach Bekanntwerden des Fotos sei der Mann zum Jahresbeginn zunächst in eine
       andere Behörde versetzt worden. Zugleich sei ein Disziplinarverfahren
       eingeleitet worden. Inzwischen, so bestätigt Ministeriumssprecher Stephan
       Gößl der DNN, sei der betroffene Beamte „vorläufig vom Dienst freigestellt
       worden“. Seine Bezüge seien teilweise einbehalten worden.
       
       ## Französische Ermittler kontaktierten deutsche Behörden
       
       Nach DNN-Recherchen beschäftigt sich mittlerweile auch die
       Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf mit dem Fall. Diese wurde als
       zentrale Anlaufstelle für Behörden aus dem Ausland geschaffen – bereits
       nach der Fußballweltmeisterschaft 1998, als ebenfalls in Frankreich
       deutsche Hooligans den Bereitschaftspolizisten Daniel Nivel beinahe zu Tode
       geprügelt hatten.
       
       Auch nach den Ausschreitungen in Lille im Juni 2016 hatten französische
       Ermittler die Behörde in Düsseldorf kontaktiert. Dabei sei es zwar nicht um
       den sächsischen Finanzbeamten gegangen, jedoch um zwei weitere Vorgänge,
       die ebenfalls nach Sachsen führen. Konkret um einen Mann, der auf dem Bild
       die Hand zum Hitlergruß hebt, sowie um einen anderen, der beschuldigt wird,
       in Lille ein Bengalo in ein Café geworfen zu haben.
       
       Beide Fälle blieben laut DNN bislang ohne Konsequenzen. Im ersten Fall,
       weil ein Hitlergruß in Frankreich nicht strafbar ist. Im zweiten Fall –
       einem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz – aus bisher nicht bekannten
       Gründen.
       
       ## Etwa 40 Deutsch griffen ukrainische Fans an
       
       Bei der Fußball-EM 2016 in Lille hatten etwa 40 Deutsche vor dem ersten
       Spiel der deutschen Mannschaft Anhänger der ukrainischen Mannschaft
       angegriffen und dabei zwei Menschen leicht verletzt.
       
       Die Deutschen hätten am Nachmittag in der Innenstadt eine Gruppe von
       Ukrainern mit Dosen beworfen, berichtete damals ein Sprecher der Polizei in
       der nordfranzösischen Stadt. Dabei wurden zwei Ukrainer verletzt, die sich
       später in einem Krankenhaus behandeln ließen. Schon damals kursierten im
       Internet Bilder aus Lille von einer Reichskriegsflagge und Männern, die den
       Hitlergruß zeigten.
       
       14 Sep 2018
       
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