# taz.de -- Kommentar Steigende KFZ-Steuer: Wir Steuerhinterzieher
       
       > Die Kfz-Steuer steigt! Ein Skandal? Im Gegenteil: Die Politik hat uns
       > Autofahrer lang genug subventioniert. Es ist höchste Zeit für faire
       > Preise.
       
 (IMG) Bild: Freiheit, Abenteuer und PS – für dieses Märchen sind die Deutschen noch immer empfänglich
       
       Endlich dürfen wir Autofahrerinnen und Autofahrer uns mal wieder so richtig
       als Opfer fühlen. Eine „Steuererhöhung durch die Hintertür“ sei die
       [1][Neuberechnung der Kfz-Steuer durch das jetzt gültige
       WLTP-Prüfverfahren], heißt es vom ADAC. Der Autoclub, der sich in letzter
       Zeit zur Verkehrspolitik zunehmend vernünftig gezeigt hat, fordert gar
       einen Ausgleich für die Autobesitzer, die angeblich unter den höheren
       Abgaben ächzen. Überall wird wieder gejammert, Autofahrer seien „die
       Melkkühe der Nation“.
       
       Das stimmt auch irgendwie – denn ähnlich wie Kühe werden die Autofahrer vom
       Staat subventioniert, dass es nur so qualmt. Die Kfz-Steuer, auch berechnet
       auf Basis des CO2-Ausstoßes, ist derzeit in Deutschland so niedrig, dass
       sie uns nicht vom Kauf eines spritsaufenden SUVs abhält. Auch die
       Mineralölsteuer hindert uns nicht daran, unbeschwert aufs Gas zu drücken.
       
       Wenn die Industrie mit ihren legalen, aber falschen Verbrauchsangaben den
       Deutschen jedes Jahr 5,5 Milliarden Euro mehr für Sprit aus der Tasche
       zieht, juckt uns das nur kurz. Und wenn wir alle dem Fiskus jedes Jahr 1,2
       Milliarden Euro vorenthalten, weil unsere Autos angeblich weniger
       verbrauchen, als sie es tatsächlich tun, so ist das legale
       Steuerhinterziehung.
       
       Wenn dieser Skandal nun ein wenig gemildert wird, sollten wir nicht so
       empört auf die Hupe drücken. Sondern uns klarmachen, wie sehr der Staat
       diese menschen- und umweltschädliche Mobilität immer noch unterstützt. Auch
       wer kein Auto hat, zahlt Steuern für Straßen; die Schäden infolge von Lärm,
       Abgasen und Klimawandel werden nur zum geringen Teil dem Autohalter in
       Rechnung gestellt; mit Dienstwagen und Dieselautos lassen sich Steuern
       sparen, ohne dass es dafür einen guten Grund gibt.
       
       Wir Autofahrer haben schon beim Dieselskandal so getan, als seien wir
       ahnungslose Opfer. Beim Spritverbrauch wird diese Heuchelei endgültig
       absurd. Wer lesen kann, weiß, dass sein Auto mehr schluckt als offiziell
       angegeben, jeder weiß, dass Auto fahren zu billig ist. Wir sollten für uns
       akzeptieren, was wir von anderen immer fordern: ehrliche Preise.
       
       2 Sep 2018
       
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