# taz.de -- Gerichtsentscheidung in Chile: Rechte von Trans* gestärkt
       
       > Trans*-Personen können nun persönliche Angaben auch ohne vorherigen
       > chirurgischen Eingriff ändern lassen. Das entsprechende Gesetz aber fehlt
       > noch immer.
       
 (IMG) Bild: Tausende Menschen demonstrierten im letzten Jahr für die Rechte von LGBTI-Personen in Chile
       
       Quito/Santiago/Berlin epd/ap/taz | In Chile hat das Oberste Gericht die
       Rechte von Transsexuellen gestärkt. Der Gerichtshof entschied am Mittwoch
       (Ortszeit), dass Trans*-Menschen ihren Namen und ihr Geschlecht auf dem
       Standesamt auch ohne chirurgische Operation ändern können. Damit hob das
       Oberste Gericht mit vier von fünf Stimmen das Urteil eines
       Berufungsgerichts in der Hauptstadt Santiago aus der Vorinstanz auf, wie
       die Zeitung La Nación berichtete.
       
       Internationale Menschenrechtsgrundsätze ermächtigten die Richter diese
       Änderung vorzunehmen, auch wenn die bestehende Gesetzgebung die
       Geschlechteränderung für Trans* nicht regelt, heißt es in dem Urteil. Die
       Entscheidung des Obersten Gerichts wurde von lokalen Medien als historisch
       und fortschrittlich bezeichnet. Auch die Rechtsprofessorin Lorena Lorca,
       die den Fall leitete, wertete die Entscheidung als historisch.
       
       Zwar wurde Trans*-Personen schon früher das Recht auf Namensänderung, auch
       ohne vorherigen operativen Eingriff zu Änderung des Geschlechts,
       zugesprochen. Dies sei jedoch der erste Fall, in dem das Recht auf einen
       Namen bekräftigt wird, der zum jeweiligen Geschlecht der Person passt.
       
       Ein entsprechendes Gesetz gibt es in Chile noch nicht. Ein Entwurf, der
       bereits von Ex-Präsidentin Michelle Bachelet initiiert wurde, wird seit
       Jahren im Kongress beraten. Dort kommt der Gesetzentwurf zur Änderung des
       Geschlechts auf offiziellen Papieren derzeit nicht weiter und wird
       besonders von der katholischen Kirche kritisiert.
       
       Konservative Politiker wollen die Maßnahme lediglich unterstützen, wenn
       Minderjährige davon ausgenommen werden. Auch der chilenische Justizminister
       Hernán Larraín betonte, die aktuelle Entscheidung des Obersten Gerichts
       gelte nur für Erwachsene. Jugendliche Trans*-Personen im Alter zwischen 14
       und 17 Jahren müssten erst einen Gerichtsprozess durchlaufen, bevor sie
       ihre Angaben ändern können.
       
       31 May 2018
       
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