# taz.de -- Oberbürgermeisterwahl in Gera: Die AfD will eine Großstadt regieren
       
       > Im thüringischen Gera kam Dieter Laudenbach in die Stichwahl der
       > Oberbürgermeister-Wahl. Nun entscheidet sich, ob er sie auch noch
       > gewinnt.
       
 (IMG) Bild: AfD-Mitglied Dieter Laudenbach wird vielleicht Oberbürgermeister von Gera
       
       Dresden taz | Kommunalwahlen in einem kleinen Bundesland wie Thüringen
       erregen sonst kaum überregionale Aufmerksamkeit. Wenn aber am Sonntagabend
       die Stimmen der Stichwahl von Bürgermeistern und Landräten ausgezählt sein
       werden, könnte in Gera erstmals ein AfD-Kandidat Oberbürgermeister einer
       deutschen Großstadt regieren. Vor zwei Wochen war die mit der CDU
       sympathisierende Oberbürgermeisterin Viola Hahn abgewählt worden.
       AfD-Kandidat Dieter Laudenbach verwies sie knapp auf den dritten Platz. Nur
       zwei Punkte vor ihm lag der parteilose ehemalige CDU-Kandidat Julian Vonarb
       mit 23,5 Prozent der Stimmen.
       
       Schon zur Bundestagswahl 2017 hatte die AfD in Gera ihr bestes Thüringer
       Ergebnis erzielt. Die ehemalige reußische Hauptstadt und Bezirkshauptstadt
       der DDR gilt als besonders problematische Kommune. Ostthüringen fühlt sich
       im Landesvergleich abgehängt, die Einwohnerzahl Geras schrumpfte nach der
       Wende um ein Drittel auf knapp unter 100.000.
       
       Die Stadt steckt in der Schuldenfalle und wird von
       Haushalts-Konsolidierungsauflagen erdrückt. Sie hängt am Tropf des Landes,
       die Stadtwerke mussten 2014 Insolvenz anmelden. 9,4 Prozent
       Arbeitslosigkeit bedeuten Landesrekord. Überdies beherbergt Gera
       überproportional viele Flüchtlinge, die auch wegen der günstigen Mietpreise
       herziehen.
       
       Diese objektiven Probleme verschlissen schon mehrere Oberbürgermeister und
       würden auch einen AfD-Kandidaten entzaubern. Zumal der 60-jährige
       Ingenieur-Ökonom aus DDR-Zeiten und praktizierende Gastwirt kaum über
       politische Erfahrung verfügt. Das gilt auch für seinen Gegenkandidaten, den
       bislang ebenso unbekannten Banker Vonarb. Im zweiten Wahlgang wurde der
       auch von den auf Landesebene koalierenden Parteien Linke, SPD und Grüne
       unterstützt, zuletzt sogar von der CDU. Auch in anderen Kreisen und
       kreisfreien Städten Thüringens hatten sich Linksbündnisse gebildet.
       
       Dieter Laudenbach gilt im ultrarechten AfD-Landesverband Thüringen als
       vergleichsweise gemäßigt, distanzierte sich auch schon von Landeschef Björn
       Höcke. Gera aber will er „weniger attraktiv für Flüchtlinge machen“, trifft
       sich dennoch laut Spiegel bald mit dem Imam der einzigen Moschee der Stadt.
       Pikanterweise steht jedem neuen Oberbürgermeister in Gera ein Stadtrat
       gegenüber, in dem die Linke mit fast einem Drittel der Räte die größte
       Fraktion stellt.
       
       29 Apr 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Bartsch
       
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