# taz.de -- Kommentar Tote bei autonomem Fahren: Ohne Fahrer sind wir sicherer
       
       > Ein computergesteuertes Auto tötet eine Fußgängerin. Das weckt
       > irrationale Ängste. Dabei passiert das mit von Menschen gefahrenen Autos
       > dauernd.
       
 (IMG) Bild: Auf diese Meldung haben viele Leute nur gewartet
       
       Im US-Bundesstaat Arizona hat ein computergesteuertes Auto des
       [1][Fahrdienstes Uber] eine Frau, die ihr Fahrrad über die Straße schob,
       [2][angefahren und getötet]. Diese Nachricht bestätigt viele Vorbehalte:
       Hat man es nicht schon immer geahnt, dass es nicht gut gehen kann, wenn
       Maschinen eigenständig agieren? Selbst U-Bahnen, die im festen Takt
       kreuzungsfrei auf Schienen rollen, stoßen bei vielen Menschen auf
       Misstrauen, wenn sie ohne Fahrer unterwegs sind. Wie soll das dann erst
       beim Auto gelingen, wo die technische Herausforderung ungleich größer ist?
       
       Rational ist diese Sorge allerdings kaum. Während nach dem tödlichen Unfall
       des fahrerlosen Wagens sofort alle weiteren Uber-Fahrten mit [3][autonomen
       Fahrzeugen bis auf weiteres gestoppt wurden], sind vergleichbare
       Forderungen überraschenderweise nie zu hören, wenn ein Mensch durch ein
       menschengesteuertes Fahrzeug zu Tode kommt. Während von Computern absolute
       Perfektion gefordert wird, wird menschliches Versagen als unvermeidbar
       hingenommen.
       
       Anderenfalls müsste der motorisierte Individualverkehr auch sofort
       eingestellt werden, denn menschliches Versagen gibt es reichlich: In den
       USA etwa sterben im Straßenverkehr jedes Jahr rund 40.000 Menschen. Durch
       fahrerlose Fahrzeuge sind bisher zwei Personen ums Leben gekommen – die
       erste saß in einem Tesla.
       
       Aufgrund der bisher sehr geringen Fahrleistung dieser Autos, die
       vollständig autonom ja bislang nur im Rahmen von Versuchsfahrten unterwegs
       sind, lässt sich die tatsächliche statistische Gefahr zwar noch nicht
       wirklich vergleichen. Doch alle Indizien deuten darauf hin, dass
       computergesteuerte Autos weitaus sicherer sein werden als
       menschengesteuerte.
       
       ## Elektronik sieht besser als das menschliche Auge
       
       Dazu passen auch die bisherigen Erkenntnisse zum aktuellen Uber-Unfall:
       Nach Einschätzung der Polizei hätte auch ein menschlicher Fahrer den
       Zusammenstoß mit der Frau, die sehr plötzlich auf die Fahrbahn trat, wohl
       nicht verhindern können. Elektronische Sensoren erkennen eine drohende
       Kollision im Zweifel stets besser als das menschliche Auge. Ablenkungen
       durch Handynutzung sind ebenso wenig zu befürchten wie betrunkenes Fahren
       oder Sekundenschlaf. Und theoretisch sollten Computer auch leichter als
       Menschen davon zu überzeugen sein, sich an die vorgeschriebenen Abstände,
       rote Ampeln, Parkverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten.
       
       Genau hier bietet der aktuelle Unfall Anlass, genauer hinzuschauen. Denn
       offenbar war das Uber-Fahrzeug deutlich schneller unterwegs als erlaubt.
       Offenbar nehmen die Ingenieure, die die Algorithmen programmieren,
       Tempolimits genauso wenig ernst wie viele AutofahrerInnen. Ermöglicht wurde
       das vielleicht dadurch, dass der US-Staat Arizona bewusst auf staatliche
       Regeln für autonome Testfahrten verzichtet hat, um Unternehmen anzulocken.
       
       Hier sollte die Kritik am autonomen Fahren ansetzen. Wenn die Gesellschaft
       diese Technologie akzeptieren soll, muss sie vollständig transparent
       gestaltet sein und klaren Vorgaben folgen: Sicherheit muss in jeder
       Hinsicht Vorrang haben und Verkehrsregeln sind jederzeit einzuhalten. Und
       natürlich muss sichergestellt werden, dass die Technik nicht gehackt werden
       kann.
       
       Noch wünschenswerter wäre es natürlich, wenn die moderne Technik zunächst
       dafür eingesetzt würde, Busse und Bahnen so zu verbessern, dass bald
       niemand mehr ein privates Auto vermisst. Doch überall wird das auf
       absehbare Zeit nicht gelingen. Und wenn es schon Autos geben muss, dann im
       Zweifel lieber solche, deren Fahrverhalten [4][auf Grundlage staatlicher
       Vorgaben von Sensoren und Algorithmen gesteuert] wird als von den
       unberechenbaren und oft verantwortungslosen menschlichen FahrerInnen, die
       derzeit auf unseren Straßen unterwegs sind.
       
       20 Mar 2018
       
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