# taz.de -- Psychiater über minderjährige Flüchtlinge: „Es fehlt die richtige Behandlung“
       
       > Basel Allzoy betreut minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Er weist
       > darauf hin, dass Betreuung durch Pädagogen und Pflegefamilien fehlt.
       
 (IMG) Bild: Jugendliche Flüchtlinge brauchen ihre Familien. In Athen protestieren sie gegen die Verzögerung der Familienzusammenführung
       
       taz: Was brauchen minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die hier
       ankommen? 
       
       Basel Allozy: Als Minderjährige sind sie Schutzbefohlene und brauchen
       Betreuung, nicht nur durch formale Vormünder, sondern als richtigen Ersatz
       für die Eltern, also Pädagogen und professionelle Betreuer, die rund um die
       Uhr ansprechbar sind. Oder auch in Form von Pflegefamilien.
       
       Die meisten leben in betreuten Einrichtungen. Reicht das? 
       
       Manche kommen aus Kriegsgebieten und man weiß nicht, was sie erlebt haben
       und in welcher Verfassung sie sind. Manche waren Kindersoldaten, manche
       haben Folter erlebt oder sind traumatisiert, und einige haben ihre Familien
       ganz verloren. Das sind psychische Ausnahmebelastungen, wo die Betreuer
       genau prüfen müssen und wir individuelle psychologische Screenings
       brauchen.
       
       Passiert das nicht, wenn sie hier in die Betreuung aufgenommen werden? 
       
       Selbst wenn der Bedarf erkannt ist, fehlt es oft an der richtigen
       Behandlung, weil die Jugendlichen in bürokratischen Schleifen feststecken
       oder die Kapazitäten in der psychologischen Betreuung fehlen.
       
       Längst nicht alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge haben psychische
       Probleme oder sind traumatisiert. Viele sind doch einfach Jugendliche, die
       ihre Familie vermissen, oder? 
       
       Ja, natürlich. Die Familie fehlt ihnen, viele sind mitten in der Pubertät
       und dann auch überfordert von der Freiheit, die sei hier haben. Die Eltern
       könnten sie etwas begrenzen, stattdessen sind viele ganz auf sich gestellt.
       Deshalb ist gerade der Anfang ist wichtig, wenn sie hier ankommen. Da
       müssen wir eine intensive Betreuung gewährleisten, nicht nur
       Heimverwaltung. So können wir mögliche Probleme gleich viel besser
       auffangen.
       
       29 Dec 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Flüchtlinge
 (DIR) Minderjährige Geflüchtete
 (DIR) Betreuung
 (DIR) Minderjährige Geflüchtete
 (DIR) Identitäre Bewegung
 (DIR) Unterbringung von Geflüchteten
 (DIR) Minderjährige Geflüchtete
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Alice Weidel
 (DIR) Medienethik
 (DIR) Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausbildung von Geflüchteten in Bremen: Industrie schafft Integration
       
       Ein Berufsschulzentrum, das SOS-Kinderdorf Bremen und Airbus haben sich
       zusammengetan. Sie bilden junge Geflüchtete zu Mechatronikern aus.
       
 (DIR) Rechtsextreme wollen Vormünder werden: Minderjährige Flüchtlinge in Gefahr
       
       Die Identitäre Bewegung ruft auch in Hamburg dazu auf, Vormundschaften für
       minderjährige Flüchtlinge zu übernehmen. Ihr Ziel ist es, Abschiebungen zu
       befördern.
       
 (DIR) Geflüchtete Jugendliche unerwünscht: Keine Unterkunft im Landkreis Stade
       
       Im niedersächsischen Stade wird noch immer eine Turnhalle als Unterkunft
       für geflüchtete Jugendliche genutzt. Alternativen haben Anwohner*innen
       verhindert.
       
 (DIR) Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: „Wir haben viel Erfahrung entwickelt“
       
       Eine obligatorische Altersfeststellung bei minderjährigen Migrant*innen?
       Der Leiter des Trierer Jugendamts hält davon nichts.
       
 (DIR) Altersfeststellung bei Asylsuchenden: Bis auf die Knochen geprüft
       
       Die CSU will, dass junge Asylsuchende sich einer medizinischen
       Altersprüfung unterziehen. Viele Ärzte finden das unsinnig.
       
 (DIR) Tödliche Messerstiche in Kandel: AfD befeuert hysterische Debatte
       
       Den Tod einer 15-Jährigen schlachtet die AfD brutal aus, lange bevor
       Einzelheiten klar sind. Dem umkämpften Familiennachzug fehlt dabei jede
       Lobby.
       
 (DIR) Kolumne Geht’s noch?: Vorsicht, begründetes Interesse!
       
       Die Berichterstattung über ein Tötungsdelikt in der Pfalz zeigt: In Sachen
       Herkunftsnennung bei Straftätern ist abzuwägen ob … Ach, egal!
       
 (DIR) Kommentar Geflüchtete und Zahlen: Kinder brauchen ihre Eltern
       
       Bei den Sondierungen war das Thema Familiennachzug besonders umstritten.
       Doch Menschenrechte kennen keine Obergrenze.