# taz.de -- Namensdebatte in Berlin: Der Nazi im Schulnamen
       
       > Ludwig Heck war Berliner Zoodirektor und betrieb Rassenforschung für die
       > SS. Erst jetzt will sich eine Grundschule umbenennen.
       
 (IMG) Bild: Ludwig Heck (li.) posiert im Berliner Zoo
       
       Berlin taz | Wer war noch mal Ludwig Heck? Der Mann ist schon lange tot,
       sein Wirken offenbar in Vergessenheit geraten. Heck (1860–1951) war
       langjähriger Direktor des Berliner Zoos und überzeugter Nazi.
       
       Bereits als Zoochef betrieb er rassistische „Völkerschauen“; anschließend
       betätigte er sich in der von Heinrich Himmler geschaffenen
       „Forschungsgemeinschaft Deutschen Ahnenerbes“ der SS. Hier wurde versucht,
       den rassisch-okkulten Vorstellungen Himmlers ein wissenschaftliches
       Fundament zu verschaffen. Hitler verlieh Heck an seinem 80. Geburtstag die
       höchste Kulturauszeichnung des NS-Regimes.
       
       Und bis heute trägt eine Grundschule in Mariendorf seinen Namen. Warum,
       fragt ein am Wochenende bekannt gewordener Brief aus Bayern. Verfasst wurde
       er von Vertretern des Forums kritischer Psychologie und dem Institut für
       Kunst und Forschung in München, die auf die geistige Haltung des
       Namensgebers aufmerksam machten. Kann eine Bildungseinrichtung derart
       geschichtsvergessen sein?
       
       Nichts da, sagt Sibylle Kähler-Schubert, Rektorin der Schule. Ihr sei der
       Name bereits 2013 übel aufgestoßen, als sie die Schulleitung übernahm. Doch
       wie wird man einen Nazi im Schulnamen los, dem 1957 die Deutsche Bundespost
       Berlin sogar eine Briefmarke mit seinem Konterfei widmete? Jene Marke ziert
       immer noch den Internetauftritt der Grundschule, versehen mit einem Hinweis
       zum „bekannten Berliner Zoodirektor“. Kein Wort von Rassenforschung, kein
       Wort von einer Hitler-Ehrung.
       
       ## Entscheidung nach vier Jahren
       
       In diesem Sommer – nach immerhin vier Jahren interner Beschäftigung –
       einigte sich die Schulkonferenz auf einen neuen Namensgeber. Man habe sich
       in dieser Zeit intensiv mit alternativen Namen beschäftigt, betont
       Kähler-Schubert.
       
       Doch als die Entscheidung gefallen war, mussten die Verwaltungsmühlen
       weiter mahlen: Erst prüfte die Bildungsverwaltung den Namensvorschlag, dann
       ging der Vorgang zurück zum Bezirksamt und wartet dort noch auf seine
       Zustimmung. Üblich sei eigentlich eine Umbenennung zum Schuljahreswechsel,
       so die Pressestelle der Bildungsverwaltung, nun werde aber eine zügigere
       Lösung präferiert. Mit der aktuellen Debatte habe dies nichts zu tun, so
       die Sprecherin.
       
       Vermutlich ebenso wenig wie die Tatsache, dass am Dienstagmittag eine
       Pressemitteilung verschickt wurde, die den zukünftigen Schulnamen
       preisgibt: Mascha Kaleko – eine jüdische Lyrikerin, die den Holocaust
       überlebte – soll Heck ersetzen. Bleibt die Frage, weshalb Heck
       jahrzehntelang nur als Zoodirektor bekannt war.
       
       28 Nov 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Raphael Piotrowski
       
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