# taz.de -- Kolumne Right Trash: Logikbefreit im „Hippiestaat“
> Die Anerkennung eines „weiteren Geschlechts“ findet nicht überall
> Zuspruch. Die rechte Blase übertrifft sich mal wieder selbst.
(IMG) Bild: Würde Deutschland vielleicht ganz gut tun? Ein bisschen mehr Hippietum
Das Bundesverfassungsgericht beschließt eine wichtige Änderung, [1][die
80.000 intersexuelle Menschen in Deutschland mit allen anderen Menschen
gleichstellt] und sie so vor Ausgrenzung schützt. Neben den Kategorien
männlichen und weiblich soll die Bundesregierung bis Ende 2018 [2][eine
dritte Zuordnung einführen]. Rechte Trollkommentare in 3, 2, 1…
Es war abzusehen, dass Menschen, die vom „Genderwahn“ sprechen und Frauen
am liebsten wieder hinter dem Herd sehen würden, mit der Entscheidung nicht
zufrieden sind. Wie auf Bestellung gingen Rechte im Netz auf das Urteil los
– von der AfD über Compact bis hin zur rechtsextremen NPD.
„Heutzutage“ müsse man sich ja schon für den Standpunkt rechtfertigen, dass
„wir die Anzahl der Geschlechter mit der Zahl ‚zwei‘ für abschließend
beantwortet halten“, jammert AfD-Mann Jörg Meuthen auf seiner
Facebook-Seite.
Eine AfD-Ortsgruppe spricht von einem „Recht auf Schizophrenie“ und
illustriert die Entscheidung mit einem Piktogramm einer Frau, eines Mannes
– und eines regenbogenfarbigen Clowns. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Frank
Pasemann spricht von einer „Kopfgeburt“.
Etwas paranoid und ohne logischen Zusammenhang wettert die rechte Seite
Compact über einen „neuen Totalitarismus“, in dem „die Staatsmacht (uns)
die Kinder (stiehlt)“. Die NPD ist im Vergleich dazu fast zutraulich, wenn
sie von einem „Hippiestaat“ spricht.
Nun muss man sich wirklich fragen, was die überwiegend männlichen und
weißen Kommentatoren vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts befürchten.
Wird ihnen dadurch, dass eine Minderheit ein Recht bekommt, [3][das ihr
schon lange zustehen sollte], in irgendeiner Art und Weise etwas
weggenommen? Welchen direkten Einfluss hat das Urteil auf ihr Leben?
Genau. Gar keinen. Aber Menschen ihre Rechte zu verweigern ist eben ein
Lieblingshobby der Blase. Da kann man nur hoffen, dass die
Geschlechterkategorien als Eintrag in das Geburtenregister und in
offiziellen Dokumenten komplett abgeschafft werden. Dann gäbe es plötzlich
keine Zuordnung mehr, aufgrund derer man sich anderen überlegen fühlen
kann.
9 Nov 2017
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## AUTOREN
(DIR) Belinda Grasnick
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