# taz.de -- Integrationsbeauftragte im Bund: SPD-Vizechefin Özoğuz tritt ab
       
       > Die Politikerin Aydan Özoğuz zieht sich aus der SPD-Spitze zurück. Ihre
       > Nachfolgerin soll Natascha Kohnen aus Bayern werden.
       
 (IMG) Bild: Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz wirbt für ihre Nachfolgerin Natascha Kohnen
       
       Berlin taz | Aydan Özoğuz wird ihr Amt als SPD-Vizevorsitzende aufgeben und
       beim Parteitag am 9. Dezember nicht mehr kandidieren. Die Hamburgerin, die
       derzeit noch Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist, wirbt aber
       gleich für eine Nachfolgerin.
       
       Ihren Job im SPD-Parteivorstand soll Natascha Kohnen bekommen,
       Spitzenkandidatin und Chefin der GenossInnen in Bayern. Dort wird 2018
       gewählt – Kohnen als Vizechefin ist auch ein Zeichen der Unterstützung aus
       Berlin für die notorisch schwache SPD im Süden.
       
       Über die eigene Nachfolge zu verfügen, ist ungewöhnlich. Die SPD müsse, so
       Özoğuz’Erklärung, ernst machen damit, weiblicher zu werden. Nur einen der
       seit der Niederlage bei der Bundestagswahl rar gewordenen SPD-Posten hat
       eine Frau besetzt: Andrea Nahles als Fraktionschefin. Alle anderen Ämter
       gingen an Männer, meist dem rechten Flügel zugehörig. Özoğuz’Intervention
       soll somit wohl auch die Frauenquote in der SPD-Spitze schützen.
       
       Die 50-jährige Kohnen hatte sich in Bayern per Basisvotum durchgesetzt und
       gilt als moderate Linke. Falls sie zur SPD-Vize gewählt wird, sinken die
       Chancen der Juso-Chefin Johanna Ueckermann. Denn die stammt ebenfalls aus
       Bayern. Dass der Parteitag zwei Frauen aus demselben Landesverband in die
       sechsköpfige SPD-Spitze wählt, ist eigentlich ausgeschlossen.
       
       ## Chancen für Ueckermann sinken
       
       Bereits 2016 bewarb sich Ueckermann erfolglos um einen sicheren
       Listenplatz für den Bundestag. Nach der Wahl bot ihr SPD-Parteichef Martin
       Schulz den Posten der Bundesgeschäftsführerin im Willy-Brandt-Haus an –
       einen Job, der nicht unwichtig ist, aber stets im Schatten des
       Generalsekretärs, künftig Hubertus Heil, steht. Ueckermann lehnte ab.
       Zurück blieb ein Scherbenhaufen. Als Bundesgeschäftsführerin Juliane
       Seifert von der Offerte erfuhr, erklärte sie, auf dem Parteitag nicht mehr
       anzutreten.
       
       Die SPD soll, so erklärt es Schulz immer wieder, weiblicher und
       kapitalismuskritischer werden. Ueckermann ist eine der wenigen profilierten
       linken Frauen in der SPD. Wenn sie politisch auf dem Abstellgleis landet,
       wäre das jedenfalls ein Kontrapunkt zu Schulz’Ankündigungen.
       
       Özoğuz will nach ihrem Rückzug für den rund 30-köpfigen Parteivorstand
       kandidieren. Dort will sie sich weiterhin um Migration kümmern und die
       Zusammenarbeit von Fraktion und Partei verbessern.
       
       13 Nov 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
       
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