# taz.de -- Doku-Regisseurin über Künstler Nekes: „Einen unschuldigen Blick bewahrt“
       
       > Mit dem persönlichen Dokumentarfilm „Werner Nekes. Das Leben zwischen
       > Bildern“ zeigt die Hamburgerin Ulrike Pfeiffer, was den Künstler antrieb.
       
 (IMG) Bild: Werner Nekes konnte nur die Rohfassung des Filmes sehen: Er verstarb im Januar 2017.
       
       taz: Frau Pfeiffer, wie haben Sie Werner Nekes und seine Sammlung gefunden? 
       
       Ulrike Pfeiffer: Ich habe ihn erst 2005 kennengelernt. Ich habe im Altonaer
       Museum gearbeitet und dort gab es eine riesige Ausstellung über sechs Räume
       von der Sammlung von Nekes. So hatte ich die Gelegenheit, diese Ausstellung
       täglich zu sehen. Ich konnte sie richtig studieren. Und je länger ich sie
       mir anguckte, desto neugieriger wurde ich.
       
       Was machte Sie so neugierig? 
       
       Nekes schöpfte seine Filmideen auch aus dem Potential seiner Sammlung und
       das fand ich spannend. Parallel lief eine Retrospektive seiner Filme im
       Metropolis Kino. So konnte man durch die Sammlung zurück in die
       Vorgeschichte des Kinos blicken und hatte zugleich den Blick nach vorne mit
       seiner avantgardistischen Filmarbeit.
       
       Ist deswegen Ihr Film zugleich ein Künstlerporträt, ein Rundgang durch
       Nekes Sammlung und eine Kompilation seiner Experimentalfilme? 
       
       Werner Nekes war ja auch vieles gleichzeitig: Wissenschaftler, Künstler,
       Sammler und ich wollte mit meinem Film zeigen, wie das bei ihm zusammenkam.
       
       Am bekanntesten ist Nekes wohl, weil er mit „Johnny Flash“ den ersten Film
       mit Helge Schneider gemacht hat. 
       
       Die waren in Mühlheim fast Nachbarn. Werner Nekes hat Helge Schneider als
       Musiker entdeckt. Sie hatten einen ähnlichen Humor und das merkt man auch
       am Film, wie sie sich darin die Bälle zuspielen.
       
       Sie haben Nekes Gesprächspartner in für sie typischen Situationen gefilmt:
       Der Filmkritiker Daniel Kothenschulte stellt Fragen am Küchentisch, und der
       emeritierte Ästhetik-Professor Bazon Brock fragt ihn gar nichts, weil der
       ja eh schon alles weiß.
       
       Bazon Brock und Werner haben viele Filme miteinander gemacht. Die waren
       sehr vertraut miteinander. Und Brock hat sich auch sehr darum bemüht, dass
       Werner ein Haus für die Sammlung findet. Im Film meinte er ja, das Vatikan
       Museum sollte das übernehmen. Es war schön, dass er so hoch gegriffen hat.
       
       Was wird denn nun aus Nekes Sammlung? 
       
       Das ist noch nicht entschieden. Und ein wenig hat er daran auch selber
       schuld. Er hat selber von sich gesagt, er wäre ein „besessener Sammler“ und
       wenn man so wie er an seinen Objekten hing, dann gibt man nichts weg. Es
       ist mir ein wichtiges Anliegen, dass seine Sammlung jetzt nicht in
       Einzelteilen veräußert wird und einer sich zum Beispiel nur die Apparaturen
       nimmt und ein anderer die tollen Bücher. Das muss zusammenbleiben, denn
       gerade die Kombination der Objekte war ja das Spannende.
       
       Warum ist die Sammlung von Werner Nekes so wichtig? 
       
       Viele kennen ja gar nicht die Ausmaße und die Bedeutung seiner Sammlung:
       40000 Objekte aus sechs Jahrhunderten hat er zusammengetragen. Und ein
       Filmmuseum sollte nach meiner Meinung nicht nur die Schuhe von Klaus Kinski
       und den Morgenmantel von Marlene Dietrich ausstellen, sondern auch die
       Vorgeschichte des Kinos verdeutlichen.
       
       Der schönste Moment in Ihrem Film ist der, wenn Werner Nekes einen seiner
       Freunde sehr überlegen ansieht und ihn fragt: „Was, du kennst „Grandville“
       nicht?“ War Werner Nekes auch ein Besserwisser ? 
       
       Ja, diese Szene mit dem Musiker Anthony Moore ist für mich auch ganz
       wichtig, denn immer wenn Werner mir etwas Neues gezeigt hat und ich erst
       einmal nichts kapierte, dann kam diese Reaktion. Jeder, der Werner Nekes
       kennt, hat das erlebt. Da fühlte man sich dann nicht so wohl.
       
       Sie selbst machen ja ganz andere Filme als Werner Nekes. Hat er sie
       trotzdem inspiriert? 
       
       Jetzt, wo man so vielen optischen Einflüssen ausgesetzt ist, finde ich es
       umso wichtiger zu zeigen, wo das alles herkommt. Dann kann man auch besser
       durchschauen, wo und wie manipuliert wird. Und wenn man dann jemanden hat,
       wie den Werner Nekes, der nicht nur Kulturhistoriker, sondern eben auch
       Künstler ist, der manchmal einen verspielten Blick auf die Dinge hat und
       sie unterhaltsam präsentieren kann, dann ist das für mich ein Vorbild.
       
       Tatsächlich sind ja das Spielen und Kinder zwei wichtige Leitmotive Ihres
       Films. Sie zeigen, wie Kinder in der Ausstellung vor einem Zerrspiegel
       spielen. Ist ihr Film nicht auch das Porträt des Künstlers als Kindskopf? 
       
       So muss man ihn verstehen. Bei der Ausstellung haben Kinder die optischen
       Phänomen oft viel schneller verstanden als die Erwachsenen. Die hatten noch
       diesen unschuldigen, unmittelbaren Blick und den hat auch Werner Nekes sich
       bewahrt.
       
       Werner Nekes ist im Januar gestorben. Hat er den Film noch gesehen ? 
       
       Da war er schon im Krankenhaus, aber keiner hatte damit gerechnet, dass er
       sterben würde. Wir haben ihm den Rohschnitt auf einem großen Monitor
       gezeigt. Er hat wegen der Krankheit wenig gesagt, aber er mochte ihn und
       meinte, es wäre ein „reicher Film“. Das fand ich schön zu hören.
       
       Der Film läuft am 3.11. auf den [1][Nordischen Filmtagen in Lübeck].
       Kinostart ist der 9.11.
       
       1 Nov 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.luebeck.de/filmtage/de/index.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wilfried Hippen
       
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