# taz.de -- Juli 2017 in rechten Medien: Die sozialen Stars
       
       > Am rechten Rand haben sich Medien etabliert, die über Social Media
       > erfolgreich sind. Im Juli diskutierten Rechte vor allem über Gewalt in
       > Hamburg.
       
 (IMG) Bild: So vermüllt wie rechte Medien: eine Hamburger Straße nach der G20-Randale
       
       Achtung: Links in diesem Artikel auf rechte Medien führen über [1][den
       Dienst „Do Not Link“] auf die Originalartikel. Mit dem Dienst wird
       ausgeschlossen, dass der Link zu einer Verbesserung von deren
       Suchmaschinenposition führt. 
       
       Wie informieren sich Rechte? Neben dem [2][Zusammensuchen von passenden
       Nachrichten aus dem Mainstream] und dem bewussten Aufsuchen klar rechts
       positionierter Medien wie die Junge Freiheit, gibt es einen dritten klaren
       Trend: Soziale Medien. Und so haben sich mehrere Websites auf diesen Kanal
       spezialisiert, insbesondere auf Facebook. Drei der erfolgreichsten: Die
       Epoch Times, „Anonymous News“ und „Journalistenwatch“. Alle drei holen mit
       reißerischen Überschriften in Sozialen Medien ihre LeserInnen ab. Ihre
       beliebtesten Themen: Flüchtlingsfeindlichkeit, Rassismus, Merkelhass und
       die AfD.
       
       Die Epoch Times wurde einst von Anhängern der Heilsbewegung Falun Gong
       gegründet, die in China verboten ist. Seit 2005 gibt es die Seite auch auf
       Deutsch. Seit mehreren Jahren fällt sie als [3][besonders erfolgreich in
       Sozialen Medien auf] – und für ihren [4][flüchtlingsfeindlichen Tenor]. Im
       vergangenen Monat war [5][einer der meistgeteilten Artikel der Seite] eine
       Falschmeldung, dass das „US-amerikanische Bundeskriminalamt“ die Antifa als
       „gefährliche Gruppe“ einstufe. Der Titel des Artikels benutzte die
       rechtsextreme Formel „Antifanten“ um Antifa-AktivistInnen zu bezeichnen.
       
       Übernommen wurde die Nachricht von einem Blog, der sie seinerseits von der
       [6][rechten US-Seite „Infowars“ übernommen] hatte. Im Gegensatz zu den
       deutschsprachigen Seiten berichtete diese korrekterweise, dass die
       Einstufung vom Heimatschutzministerium des Staates New Jersey vorgenommen
       wurde.
       
       Die Seite anonymousnews.ru ist sehr wahrscheinlich [7][aus der
       Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ hervorgegangen], die rechtsextreme,
       rassistische und verschwörungstheoretische Inhalte verbreitete.
       Anonymousnews.ru ist in den sozialen Medien ähnlich erfolgreich wie die
       Epoch Times, wenn auch rabiater in der Wortwahl. Regelmäßig werden
       Flüchtlinge, Ausländer und Muslime mit Tieren verglichen. Der
       [8][mutmaßliche Betreiber der Website, Mario Rönsch], wird inzwischen von
       der Staatsanwaltschaft gesucht. Er soll neben der Website auch den
       inzwischen vom Netz genommenen [9][Waffenshop „Migrantenschreck“ betrieben
       haben]. Im erfolgreichsten Artikel im Juli lobte die Seite ein „Kopfgeld“
       auf [10][vermeintliche Randalierer beim G20-Gipfel] aus.
       
       „Journalistenwatch“ spielt direkt im Titel auf die Medienfeindlichkeit der
       rechten Bewegungen Deutschlands an. Und auch [11][im Juli schreibt
       Betreiber Thomas Böhm] einen Brief an die „Ex-Kollegen“: „ihr kotzt mich
       alle an“. Diese seien eine „Schande für die Zunft“, weil sie die Wahrheit
       verschwiegen – nennt aber selbst in der Begründung die falsche Zahl von
       „1000“ Migranten, die i baden-württembergischen Schorndorf (mehr dazu unten
       unter „Fake News“) „marodiert“ haben sollen. [12][Laut Sächsische Zeitung]
       ist Böhm Bundesgeschäftsführer des rechtspopulistischen Vereins “Pax
       Europa“. Der Thüringer Landesverband der rechtsextremen Partei „Die
       Freiheit“ soll dieselbe Anschrift haben wie die Impressumsanschrift von
       „Journalistenwatch“.
       
       Im Folgenden werden mehrere Themen besprochen, die auf den Onlineauftritten
       von Junge Freiheit, Compact und „PI-News“ von Bedeutung waren.
       
       ## Der Staat und die G20-Randalierer
       
       Der G20-Gipfel, insbesondere die zu dieser Zeit in Hamburg stattgefundene
       Randale, wurde von der rechten Presse ausführlich besprochen – vor allem
       als Gelegenheit, rhetorische Punkte gegen die „linke Szene“ zu machen, und
       dabei Gruppen von Antifa bis SPD und Bundesregierung gleichzusetzen. So
       argumentierte Compact beispielsweise, dass G20-Demonstranten und die
       internationalen Regierungsvertreter beim G20-Gipfel [13][auf derselben
       Seite stünden] und die Randale von den Ergebnissen des Gipfels
       [14][ablenken sollten].
       
       Bei „PI-News“ wurde [15][ein Focus-Interview mit SPD-Politiker Sigmar
       Gabriel besprochen], in dem dieser den Randalierern eine politische
       Motivation absprach und sie nur als Straftäter behandeln wollte. Damit
       versuche Gabriel die Wähler für dumm zu verkaufen, argumentiert die Seite.
       Die Junge Freiheit versuchte dagegen in mehreren Beiträgen zu
       argumentieren, dass nun [16][härteres Vorgehen gegen die linke Szene] im
       Allgemeinen von Nöten sei, dass der Staat [17][auf dem linken Auge blind
       sei] und linksextremistische Aktivitäten im Rahmen von Projekten gegen
       rechts auch noch fördere.
       
       ## Hamburg-Barmbek
       
       Nach dem Messerattentat in Hamburg berichteten ebenfalls alle rechten
       Medien. Wie auch im Mainstream wurde hervorgehoben, dass der Täter ein
       abgelehnter Asylsuchender war, der wegen mangelnder Papiere nicht
       abgeschoben wurde. Die Junge Freiheit führt die Verantwortung für den
       Angriff [18][auf die Aufnahme von Flüchtlingen seit dem Sommer 2015
       zurück], als „hunderttausende Einwanderer zum größten Teil unregistriert“
       nach Deutschland gekommen seien. Unterschwellig scheint sie auch alle, die
       Flüchtlinge unterstützten, für mitschuldig zu halten.
       
       Compact dagegen macht [19][an anderer Stelle einen Generalverdacht auf] und
       verweist auf alle Flüchtlinge, die nur geduldet sind. „PI-News“ hält den
       Angriff ebenfalls für [20][eine Folge der Einwanderungspolitik] und spricht
       vom „Behörden-Irrsinn der Großen Umvolkung“.
       
       Fake News 
       
       Die [21][Junge Freiheit berichtet], dass der Berliner Buchladen „Topics“
       wegen Antifa-Angriffen schließen muss. Der Text zitiert vor allem aus einem
       Facebook-Post und scheint ohne Eigenrecherche geschrieben zu sein. Als der
       Laden [22][auf seiner Facebook-Seite richtigstellt], dass er vor allem aus
       finanziellen Gründen schließt, gibt es weder ein Update noch eine
       Korrektur.
       
       Alle drei rechten Medien berichten über die Randale in Schorndorf. Die
       erste Polizeimeldung über 1.000 Menschen, „die meisten wohl mit
       Migrationshintergrund“ zitieren sie allerdings nur eingeschränkt in dieser
       Differenzierung. Stattdessen wird daraus [23][„1000 Merkel-Gäste“],
       [24][„Einwanderermob“] und [25][„Taharrusch-Mob“]. Als sich [26][in den
       folgenden Tagen herausstellt], dass sich das Meiste in Schorndorf nicht
       zugetragen hat, wie zunächst berichtet, gibt es keine Korrektur.
       [27][Compact ] und [28][„PI-News“] regen sich über „Verharmlosung“ auf,
       während die Junge Freiheit nicht weiter berichtet.
       
       8 Aug 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://donotlink.it/
 (DIR) [2] /April-2017-in-rechten-Medien/!5406889
 (DIR) [3] http://meedia.de/2016/03/18/kopp-sputnik-epoch-times-co-nachrichten-aus-einem-rechten-paralleluniversum/
 (DIR) [4] http://www.deutschlandfunk.de/epoch-times-klicks-mit-kritik-an-fluechtlingspolitik.761.de.html
 (DIR) [5] https://donotlink.it/naG5
 (DIR) [6] https://donotlink.it/2yO5
 (DIR) [7] http://www.zeit.de/digital/internet/2016-06/anonymous-kollektiv-rechte-hetze
 (DIR) [8] http://www.sueddeutsche.de/digital/mario-roensch-mutmasslicher-betreiber-der-hetzseite-anonymouskollektiv-taucht-unter-1.3014157
 (DIR) [9] http://www.buzzfeed.com/janelytvynenko/mario-roensch-und-der-migrantenschreck
 (DIR) [10] https://donotlink.it/OQbO
 (DIR) [11] https://donotlink.it/4yeA
 (DIR) [12] http://www.sz-online.de/nachrichten/pegida-will-partei-gegruendet-haben-3446749.html
 (DIR) [13] https://donotlink.it/LGJY
 (DIR) [14] https://donotlink.it/q6Qr
 (DIR) [15] https://donotlink.it/rjVy
 (DIR) [16] https://donotlink.it/Xw7A
 (DIR) [17] https://donotlink.it/547X
 (DIR) [18] https://donotlink.it/BXRJ
 (DIR) [19] https://donotlink.it/YQ0r
 (DIR) [20] https://donotlink.it/oWb1
 (DIR) [21] https://donotlink.it/lagP
 (DIR) [22] http://www.facebook.com/topicsberlin/posts/2007767109468193
 (DIR) [23] https://donotlink.it/j5V4
 (DIR) [24] https://donotlink.it/Jexm
 (DIR) [25] https://donotlink.it/l/G5Yl
 (DIR) [26] /Fake-News-aus-Schorndorf/!5428805
 (DIR) [27] https://donotlink.it/bOVp
 (DIR) [28] https://donotlink.it/w6bM
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lalon Sander
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Der Monat in rechten Medien
 (DIR) G20-Gipfel
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Terrorismus
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Fake News
 (DIR) Mario Rönsch
 (DIR) Fake News
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) CDU
 (DIR) Der Monat in rechten Medien
 (DIR) Lesestück Meinung und Analyse
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Internetplattform „Migrantenschreck“: Waffenhändler Rönsch gefasst
       
       Der rechtsextreme Mario Rönsch, Betreiber der Webseite „Migrantenschreck“,
       soll nun von Ungarn zeitnah ausgeliefert werden.
       
 (DIR) Facebook-Aufreger: Hund zu Tode gejagt?: Fake, kein Fake oder ein bisschen Fake
       
       Facebook-Nutzer*innen ereifern sich über einen angeblich von Migranten
       misshandelten Hund. Stimmt die Geschichte? Ein Teil davon schon. Der Rest
       bleibt unklar.
       
 (DIR) August 2017 in rechten Medien: Müll im Netz
       
       Schadenfreude über Flüchtlingsretter, ein islamistischer Anschlag und die
       Wortwahl eines AfD-Politikers: Darüber berichteten rechte Medien im August.
       
 (DIR) Austritt eines Theologen aus der CDU: Ohnehin weiter links vermutet
       
       Dass Frank Richter CDU-Mitglied war, erfahren viele erst durch seinen
       Austritt. Freunde würden sich von ihm abwenden, bliebe er weiter in der
       Union.
       
 (DIR) Mai 2017 in rechten Publikationen: Die Übergangsmedien
       
       „Tichys Einblick“, „Achse des Guten“ und „Cicero“ bilden die Brücke zum
       rechten Rand. Unter rechten Twitterern und Facebook-Profilen sind sie
       beliebt.
       
 (DIR) April 2017 in rechten Medien: Das Braune aus dem Mainstream
       
       Rechte Twitterer verbreiten häufig Texte von „Welt“, „Focus“ und „Bild“. Am
       liebsten lassen sie sich von Kriminalitätsmeldungen Angst einjagen.