# taz.de -- Kommentar Dieselgate-Abschlussbericht: Angriff auf die Fakten
       
       > Der Abgasskandal-Bericht der Regierungsfraktionen im Bundestag strotzt
       > vor Falschinformationen. Das ist unverzeihlich.
       
 (IMG) Bild: Die Gefährdung der Menschen durch Stickstoffdioxid wird mal eben infrage gestellt
       
       Jeder hat das Recht auf eine falsche Meinung. Das gilt auch für die
       Abgeordneten der Großen Koalition und [1][ihr Fazit des größten deutschen
       Industrie- und Umweltskandals] seit Jahrzehnten.
       
       Man kann es richtig finden, dass Behörden auf Warnungen von außen nicht
       reagieren, auch wenn es um die Gesundheit der Menschen geht. Man kann es
       unterstützen, wenn der wichtigsten Industrie des Landes bei
       millionenfachem Betrug am Kunden keine Sanktionen drohen.
       
       Man kann öffentlich gutheißen, dass die Autoindustrie die Schlupflöcher
       ausnutzt, die sie vorher mit Wissen und Unterstützung ebendieser Regierung
       und dieser Parteien gebohrt hat. All das ist politisch falsch, aber die
       große Koalition der Raser und Bremser kann es als ihre Art der
       Wirtschaftspolitik bezeichnen.
       
       Aber keineswegs hat jeder das Recht auf seine eigenen Fakten. Der Bericht
       der Koalitionäre lässt alle Alarmglocken schrillen. Da werden etablierte
       wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gefährdung der Menschen durch das
       Reizgas Stickstoffdioxid mal eben in Abrede gestellt, da werden die
       Ergebnisse internationaler Forschung in der Epidemologie angezweifelt, weil
       sie einem politisch nicht in den Kram passen. Und da wird eine weltweit
       renommierte Forscherin bewusst falsch zitiert.
       
       ## Trump als Freund im Geiste?
       
       Das passiert wohlgemerkt nicht in irgendeinem internen Thesenpapier,
       sondern in einem offiziellen Bericht der Mehrheitsfraktionen des
       Bundestags. Dort, wo sich sonst die Parlamentarier zu Recht über Fake News
       und „alternative Fakten“ aus den USA, Russland und der Türkei erregen.
       Dort, wo gleich nebenan und unter dem Applaus der Politik vor zwei Wochen
       der „Marsch für die Wissenschaft“ die Freiheit der Forschung forderte.
       
       Die Parlamentarier sollten diese Passagen ganz schnell aus dem Bericht
       streichen, ehe Donald Trump davon erfährt und in ihnen Freunde im Geiste
       (t)wittert. Alle falschen politischen Rückschlüsse aus dem Bericht sind
       verzeihlich. Dieser Angriff auf die Fakten ist es nicht.
       
       11 May 2017
       
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