# taz.de -- Kolumne Ich meld mich: Themenwelten mit Tonalität
       
       > Man entschied sich, mit dem Marketing-Asset „Natur“ zu spielen. Und
       > entwickelte so eine Region für Best-Ager in blühenden Themenwelten.
       
 (IMG) Bild: Pittoreske Naturkulisse. Zielgruppenädequat aufbereitet
       
       Nun raten Sie mal, welch schönes Stückchen Erde es geschafft hat, in den
       letzten Jahren eine solche Performance hinzulegen: Fünfeinhalb Millionen
       Übernachtungen zählte man da 2007, im vergangenen Jahr waren es satte zwei
       Millionen mehr. Ein schwindelerregender Auftritt. Aber von nichts kommt
       nichts.
       
       Früher haben sich in dieser Ecke Fuchs und Hase gute Nacht gesagt, der
       Weidmann schritt aus und die Blümelein blühten. Aber dann erkannte man,
       dass sich damit kein Blumentopf mehr gewinnen ließ. Und man startete ein
       Projekt nach dem Roper-Consumer-Style-Modell. Man erkannte, dass Blümelein
       und Fuchs und Hase zwar ein Teil der eigenen DNA sind, es aber nun darum
       ginge, diese Wurzeln neu zu positionieren. Man entschied sich, mit dem
       Marketing Asset Natur zu spielen.
       
       Nunmehr ging’s ans Eingemachte. Man nahm sich die Besucher vor, Best-ager
       vor allem. Aber innerhalb dieses Pools von Menschen hatten sich ganz
       unterschiedliche Bedürfnisse entwickelt. Also reagierte man
       zielgruppenadäquat. Man definierte vier Reisewelten, entwickelte
       Themenwelten und fand Inhalte und Bilder in der entsprechenden Tonalität.
       Man kam bei der Lifestyle-Betrachtung voran und baute die passenden
       Produkte dazu. Man setzte auf Toptrails mit ständiger Naturkulisse, auf
       Edutainment und Authentizität. Und man kümmerte sich endlich auch um
       Erlebnishungrige und weltoffene Vitalliebhaber.
       
       Dank Aumented Reality in den Katalogen flutschte das Ganze bald. Und siehe
       da: Endlich klappte auch die Sache mit dem Sender-Empfänger-Image. Und
       schon bald setzte in den Quellmärkten der Imagewandel ein, der aber, wie
       man weiß, eine Sache von Dekaden ist.
       
       Ach ja – und die Sache mit Fuchs und Hase und den Blümelein, die wird man
       künftig noch stärker herausarbeiten. Schließlich sind das Kostbarkeiten, am
       Ende ist der Star immer die Natur.
       
       Und Sie? Wie, Sie haben nicht alles verstanden? Die reden da nun mal so.
       Das ist das Platt der Lüneburger Heide.
       
       21 May 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franz Lerchenmüller
       
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