# taz.de -- Kommentar Lebensmittel von Amazon: Markt mit Potenzial
       
       > Man darf sich nichts vormachen: Amazons bequeme Lieferungen direkt an die
       > Haustür sind ein gutes Verkaufsargument.
       
 (IMG) Bild: Bald auch in der Bundesrepublik? Eine Filiale des Lieferservice Amazon fresh in Seattle (USA)
       
       Bei Käse, Obst, Fleisch und Fisch sind die deutschen Verbraucher doppelt
       pingelig. Die einen kaufen dort ein, wo es am billigsten ist. Die anderen
       achten auf die Qualität jedes Apfels, jedes Salatkopfes.
       
       Beides ist mit dem Einkauf im Internet kaum vereinbar, den Amazon nun
       anbietet. Deshalb erscheinen die Erfolgsaussichten des Versandriesen im nun
       startenden Lebensmittelgeschäfte zunächst zweifelhaft. Doch auf lange Sicht
       könnte die Firma den Markt aufmischen.
       
       Aktuell teilen sich wenige Supermarktketten weitgehend den
       Nahrungsmittelumsatz. 150 Milliarden Euro geben die Verbraucher jährlich
       etwa für Essen und Trinken aus. Nur jeder hundertste Euro davon wird online
       bezahlt. Das wird sich vermutlich im Verlauf der kommenden Jahre ändern.
       Denn es wächst eine internetaffine Generation in das Alter hinein, in dem
       viel konsumiert wird.
       
       Auf der anderen Seite werden immer mehr Menschen älter. Bequeme Lieferungen
       direkt an die Haustür sind ein gutes Verkaufsargument. Beides zusammen
       eröffnet Amazon und anderen Lieferdiensten Wachstumsmöglichkeiten.
       
       Zudem hat Amazon-Gründer Jeff Bezos unter Beweis gestellt, dass ihn lange
       Anlaufphasen mit Verlusten nicht sonderlich kümmern. Der Konzern hat auch
       genügend Kapital, verfügt über effiziente Logistikstrukturen und geht hohe
       Risiken ein. Auch ist die Produktpalette mit anfänglich 85.000 Angeboten
       siebenmal so groß wie die eines gut sortieren Marktes an der nächsten Ecke.
       
       Bis auf Rewe haben sich die Filialisten dagegen mit Investitionen ins
       digitale Geschäft zurückgehalten. Das war womöglich ein Fehler, wie der
       Blick auf andere Branchen zeigt, in denen Amazon dem Präsenzhandel große
       Marktanteile abjagen konnte.
       
       Aus Sicht der Arbeitnehmer ist die Entwicklung bedenklich, könnten doch
       Tausende Jobs verloren gehen. Und Amazon kennt bisher keine Tarifverträge.
       Über den Erfolg wird wohl der Markt entscheiden.
       
       4 May 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Mulke
       
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