# taz.de -- Violinist spielt gegen den Terror: „Wir wollen Musik hören“
       
       > Der irakische Geiger Ameen Mokdad hat ein Konzert gegeben – im umkämpften
       > Mossul, wo IS und Regierungs-truppen aufeinanderprallen.
       
 (IMG) Bild: Der 28-jährige Ameen Mokdad spielte in den Überresten der zerstörten Jona-Moschee
       
       Berlin taz | Nur etwa 20 Zuhörer fanden sich am Mittwoch zu einem Konzert
       ein, für das der Violinist Ameen Mokdad über Online-Netzwerke geworben
       hatte. Wer seinem Aufruf gefolgt war, wusste um das Risiko. Denn Mokdad ist
       Iraker und der Veranstaltungsort eine Ruine in Mossul, seiner Heimatstadt,
       bevor sie der „Islamische Staat“ an sich gerissen hatte.
       
       Mossul ist die zweitgrößte Stadt im Irak. Seit sechs Monaten liefern sich
       dort IS und irakische Truppen erbitterte Kämpfe. Zuvor befand sich die
       Stadt mehr als zwei Jahre lang unter der Herrschaft der Terrormiliz. Sie
       verbot den Bewohnern nicht nur das Spielen und Hören von Musik, auch
       Handys, Zigaretten und sogar die Haltung von Vögeln wurden teilweise mit
       Peitschenhieben bestraft. Das macht die Musik Mokdads zum Produkt einer
       Rebellion: Er komponierte sie während der Besatzung, im Geheimen.
       
       „Ich hatte aufgehört zu spielen, weil ich zu viel Angst hatte. Aber Ameen
       machte weiter“, [1][erzählte ein befreundeter Musiker der
       Nachrichtenagentur Reuters]. „Wir haben versucht, ihn zum Aufhören zu
       überreden – er hätte ohne weiteres getötet werden können. Doch er spielte
       weiter.“
       
       Zunächst verhängte er seine Fenster mit Decken und musizierte bei sich
       Zuhause. Als das aufflog, ihm sämtliche Instrumente und CDs genommen und
       harte Strafen angedroht wurden, floh er und versteckte sich bei einem
       Verwandten, nur um sich dort ein neues Instrument aus Holz und alten
       Gitarrensaiten zu basteln.
       
       Das Produkt einer Rebellion 
       
       Über die Geräusche von Kugeln und Explosionen hinweg, die von dem immer
       noch umkämpften Westen der Stadt hinüber wehten, spielte Mokdad nun endlich
       wieder [2][öffentlich auf seiner Geige gegen den Terror an]. „Ich will
       diese Möglichkeit ergreifen, um der Welt, dem Terrorismus und allen anderen
       Ideologien, die die Freiheit einschränken, eine Nachricht zu senden: dass
       Musik eine wunderschöne Sache ist“, sagte er Reuters.
       
       In einem [3][Interview mit dem Daily Telegraph] erzählte Mokdad, dass er
       zum letzten Mal im Juni 2014 unter freiem Himmel in Mossul gespielt hatte.
       Am Tag, als der IS in die Stadt einfiel. Damals stand Mokdad auf dem Dach
       seines Hauses. Nun stand er inmitten der Überreste des Grabes des Propheten
       Jona – oder Yunus, wie er im Koran genannt wird. Krieger des IS hatten die
       Pilgerstätte bereits 2014 vermint und samt Mausoleum und Moschee in die
       Luft gejagt.
       
       Dass der Veranstaltungsort nicht willkürlich gewählt wurde, liegt nahe: Er
       ist bei Muslimen, Juden und Christen gleichermaßen heilig. „Die Idee war,
       zu vermitteln dass Mossul seinen Namen nicht verdient, wenn nicht alle
       Einwohner die Stadt teilen und friedlich miteinander leben. Außerdem
       wollten wir diesen Ort, der von ISIS zerstört wurde, wieder mit Leben
       füllen“, heißt es auf dem Blog [4][Mosul Eye]. Dessen Betreiber, „ein
       unabhängiger Historiker in Mossul“, hatte die Idee für das Projekt und
       organisierte mithilfe einiger Kontakte die sichere Anreise Ameen Mokdads,
       der seit der Befreiung Ost-Mossuls bei seiner Familie in Bagdad lebt.
       
       „Der Auftritt war wie ein Traum“, schwärmte eine der Zuhörerinnen, Tahany
       Saleh, nach dem Konzert gegenüber Reuters, „ich wollte kommen, um zu
       zeigen, dass der Krieg das Leben hier nicht gestoppt hat. Man sieht all die
       Schäden, aber wir wollen alle immer noch glücklich sein. Wir wollen Musik
       hören.“
       
       21 Apr 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-iraq-mosul-music-idUSKBN17L2AL
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=YKus7RcvSCk
 (DIR) [3] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/03/30/mosul-violinist-defied-islamic-state/
 (DIR) [4] https://mosuleye.wordpress.com/2017/04/20/mosul-plays-its-music-of-life-and-for-life/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maxie Römhild
       
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